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YB im EuropacupUnd über allem steht Corona

Am Mittwoch treten die Young Boys in der zweiten Qualifikationsrunde zur Champions League gegen Klaksvík an. Wenn der Sportgerichtshof CAS nicht noch kurzzeitig interveniert.

YB-Trainer Gerardo Seoane schwört seine Mannschaft auf das Spiel gegen Klaksvík ein.
YB-Trainer Gerardo Seoane schwört seine Mannschaft auf das Spiel gegen Klaksvík ein.
Foto: Anthony Anex (Keystone)

Europacup ist, wenn sich die Gerichte mit Fussball befassen müssen. So in etwa liesse sich der Auftakt in die Qualifikation zur Champions League beschreiben. Weil Corona nach wie vor über allem stehtund mit entscheidet. Als Gerardo Seoane am Dienstagmittag im Wankdorfstadion über die Partie gegen KÍ Klaksvík spricht, meldet sich in den sozialen Medien Slovan Bratislava zu Wort. Wobei der Ton der Slowaken weit kämpferischer ist als jener des YB-Trainers. Denn: Sie reichen beim internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne Berufung gegen das Urteil der Uefa ein, die das Spiel der ersten Qualifikationsrunde gegen Klaksvík mit 0:3 Forfait wertete. Die Erfolgsaussichten dürften aber gering sein.

Zur Erinnerung: Slovan hatte mehrere Corona-Fälle zu beklagen, weshalb es weder am letzten Mittwoch noch zwei Tage später und mit einem zweiten Aufgebot zur Partie auf den Färöern antreten konnte. Am Montag stellte sich der Traditionsverein dann auf den Standpunkt, dass Spieler und Staff-Mitglieder der ersten Mannschaft nach ihrer Rückkehr getestet wurden und alle Ergebnisse negativ ausgefallen seien.

Ivan Kmotrík Junior, der Generaldirektor von Slovan, spricht in einer Mitteilung von unfairen Massnahmen der Färinger Behörden. «Sie unternahmen alles, um das Spiel zu verhindern. Wir haben genug klare Argumente und Fakten. Daher haben wir Berufung gegen diese Entscheidung eingelegt und werden rechtlich versuchen, das zu erreichen, was uns gehört.»

YB will nach den Sternen greifen

Sofern das CAS nicht noch kurzfristig interveniert, trifft YB am Mittwoch (hier ab 20.15 Uhr im Liveticker) im Wankdorf auf Klaksvík. Die Partie findetwie sämtliche Europacup-Spielevor leeren Rängen statt. Die gute Nachricht für alle YB-Fans: Das Spiel wird von SRF 2 live übertragen.

Klaksvík ist am Dienstagnachmittag angereist. Zwar befinden sich die Färöer seit letzter Woche auf der Liste der Staaten mit erhöhtem Ansteckungsrisiko, weil die Corona-Fälle im August angestiegen sind. Die Quarantänepflicht gilt allerdings für das Team nicht, weil es aus beruflichen Gründen zu einem unaufschiebbaren Termin in die Schweiz gereist ist und nicht länger als fünf Tage hier bleibt.

Nun, bei so viel Vorschriften und Nebenschauplätzen kann durchaus der Fokus verloren gehen. Doch Seoane hält dem entgegen: «Wir haben Leute im Verein, die sich um solche Dinge kümmern, ich habe mich nicht allzu gross damit beschäftigt.» Weil bis am späten Montagnachmittag nicht klar war, ob YB nun auf Klaksvík oder Slovan Bratislava trifft, verschaffte sich der YB-Trainer Videoaufzeichnungen von beiden Mannschaften, um sich einen Eindruck ihrer Fähigkeiten zu verschaffen.

Klaksvík sei eine «typisch nordische Mannschaft». Will heissen: Die Färinger sind zweikampfstark, kopfballstark und entsprechend gefährlich auf stehende Bälle. «Und ich gehe davon aus, dass sie gegen uns sehr kompakt stehen werden», sagt Seoane. Entsprechend fordert er von seiner Mannschaft, dass sie das Tempo hoch hält, den Gegner von Beginn weg unter Druck setzt. «Wir dürfen sie nicht verschnaufen lassen», sagt Seoane. «Wir müssen entgegenhalten», betont Michel Aebischer.

Aber: Natürlich ist YB in dieser Alles-oder-nichts-PartieHin- und Rückspiel gibt es erst in den PlayoffsFavorit. Und alles andere als ein Weiterkommen wäre für den Schweizer Meister eine Blamage. «Wir wollen wieder nach den Sternen greifen», sagt Aebischer, «dafür müssen wir diese Runde überstehen; jeder weiss, um was es geht

Gibt es einen Hoarau-Abschied?

So bestreiten die Young Boys am Mittwoch also ihr 134. Europacup-Spiel das erste gegen einen Vertreter der Färöer. Und zweifellos eines der speziellsten, wenn nicht das speziellste Spiel auf internationalem Parkett. Denn: Es handelt sich dabei für YB um die erste Partie der neuen Saison; am Sonntag dann stehen die Berner im Cupfinaldem letzten Match der alten Saison.

Deshalb muss Trainer Seoane das Kader zwischen den beiden Auftritten geringfügig anpassen. Neuzugang Quentin Maceiras ist am Mittwoch spielberechtigt, am Sonntag allerdings nicht. Dafür ist Ersatztorhüter Marco Wölflier wird am Sonntag zum letzten Mal als Spieler ins Wankdorf einlaufengegen Klaksvík ebenso wenig dabei wie Roger Assalé. Letzterer wäre zwar spielberechtigt, doch befindet er sich wegen seiner Corona-Erkrankung nach wie vor in Quarantäne.

Fragezeichen Hoarau: Die YB-Überfigur trainiert wieder mit dem Team; ein Einsatz im Europacup ist ausgeschlossen – womöglich reicht es für einen Einsatz im Cupfinal.
Fragezeichen Hoarau: Die YB-Überfigur trainiert wieder mit dem Team; ein Einsatz im Europacup ist ausgeschlossen – womöglich reicht es für einen Einsatz im Cupfinal.
Foto: Urs Lindt (Freshfocus)

Und dann ist da ja noch Guillaume Hoarau. Vor einer Woche teilte YB mit, dass der Vertrag mit dem langjährigen Torjäger nicht verlängert wird. Die Wadenverletzung hat er so weit auskuriert, dass er nun die Belastung im Training wieder langsam steigern kann. Gegen Klaksvík wird Hoarau sicher nicht spielen, und ob es zu einem letzten Einsatz im YB-Dress im Cupfinal kommt, ist ungewiss. «Es wird eng», sagt Seoane dazu, «aber es ist nicht chancenlos

Der nahe Abschied der YB-Überfigur er war in den letzten Tagen im Team natürlich ein Thema, wie Aebischer erzählt. «Gui ist eine riesengrosse Legende», sagt der Mittelfeldspieler. «Doch auch er ist nicht unersetzbar. In diesen Tagen aber gibt er nochmals alles, und wir alle geben alles für ihn.»