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Ask-ForceUnd da ist sie, wie aus dem Nichts: die Tandemfrage

Heute geht es um ein Phänomen, das in ein Forschungsprojekt münden könnte.

Die Ask-Force spielt immer mit offenen Karten.
Die Ask-Force spielt immer mit offenen Karten.

Seit Jahren ist es für die Ask-Force DIE EINE GROSSE UNBEANTWORTETE FRAGE. Nun hat Peter Bieri aus Münsingen sie gestellt. Die Tandemfrage. Er schreibt dazu Folgendes: «Mir begegnen in letzter Zeit fast täglich Tandems. Bei den Paaren, die darauf sitzen, handelt es sich immer um einen Mann und eine Frau. Und seltsamerweise sitzt der Mann stets vorn.» Herr Bieri fragt: «Können Sie herausfinden, warum das so ist?»

Herr Bieri, wenn Sie wüssten! Es ist sicher schon mehr als zehn Jahre her, seit einer unserer Autoren mit diesem Thema kam. Warum sitzt bei Tandems immer der Mann vorn?, fragte er und kündigte an, dies langfristig zu untersuchen. Er beabsichtigte, immer dann, wenn er ein Tandem sah, die Fakten zu notieren – Ort, Datum, Zeit, Frau-Mann-Konstellation – und irgendwann im «Bund» einen Artikel darüber zu schreiben.

Aber wie so oft: Unser Autor hat seine Beobachtungen nur sporadisch festgehalten. Aber Mitte April erst hat er einen neuen Anlauf genommen. Auslöser war eine Begegnung am 15. April um 14.30 Uhr beim Hani-Steg in Reutigen. Dort kam ihm ein Tandem entgegen mit der Frau am Lenker! Dies hatte er zuvor erst einmal gesehen – bei Sundlauenen am Thunersee. Bei genauerem Hinsehen hatte sich damals aber herausgestellt, dass es sich um einen Spezialfall handelte – der Mann war blind.

Der Klassiker: Francesco Rappa und Charlotte Gübeli bilden in Burgdorf ein Wahltandem. Wer dabei vorne sitzt, ist klar.
Der Klassiker: Francesco Rappa und Charlotte Gübeli bilden in Burgdorf ein Wahltandem. Wer dabei vorne sitzt, ist klar.
Foto: Andreas Marbot
Gelegenheit für einen Wechsel hätte es bestimmt gegeben. Aber auch bei dieser Passage sind die Verhältnisse in Burgdorf klar: Francesco Rappa vorne – Charlotte Gübeli hinten.
Gelegenheit für einen Wechsel hätte es bestimmt gegeben. Aber auch bei dieser Passage sind die Verhältnisse in Burgdorf klar: Francesco Rappa vorne – Charlotte Gübeli hinten.
Andreas Marbot
Ausnahmefall 2: Wenn der Mann den Lenker in den Händen behalten kann, darf die Frau gerne vorne sitzen.
Ausnahmefall 2: Wenn der Mann den Lenker in den Händen behalten kann, darf die Frau gerne vorne sitzen.
Screenshot: Hase-Bikes
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Zu Ihrer Frage, Herr Bieri: Wir können eindeutig bestätigen, was Sie beobachtet haben. Bei Tandems sitzt in den allerallermeisten Fällen der Mann vorne. Das zeigt auch ein Blick ins Internet. Auf nahezu allen Bildern, die man findet, sitzt die Frau artig hinten und scheint sich zu freuen. Manche Frauen werfen gar die Arme in die Höhe.

Warum das so ist? Wir vermuten, dass die Tandemfrage auf eine sehr brutale Weise sichtbar macht, wie es um die Gleichberechtigung und das Selbstverständnis von Frau und Mann tatsächlich steht. Aber auch das müsste man genauer untersuchen.

Unsere Gegenfrage deshalb: Wären Sie bereit, Herr Bieri, zusammen mit unserem Autor die Tandemfrage diesen Sommer vertieft anzugehen und ihre Begegnungen festzuhalten? Daraus ergäbe sich im Herbst ein schöner Zeitungsbeitrag. Selbstverständlich sind auch andere Interessierte eingeladen, bei dieser Feldstudie mitzumachen.

Anmeldungen für das Forschungsprojekt «Frauen an die Lenker»: askforce@derbund.ch