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Und bitte alles nochmals per Mail

Das Beharren auf Schriftlichkeit lässt die Kommunikation verarmen: Callcenter-Mitarbeiterin. Foto: Gaetan Bally (Keystone)

Donald Trump soll, wenn er nicht gerade die Amtsgeschäfte des US-Präsidenten zu erledigen hat, seine Zeit mit Telefonieren und Fernsehen verbringen. Abgesehen davon, dass er der Meister des verstörenden Tweets ist, ist Trump offenbar kommunikativ irgendwo in den 70er- oder 80er-Jahren steckengeblieben.

Ganz anders der Schweizer Büroalltag. Ohne E-Mail geht gar nichts mehr. Selbst simpelste Fragen müssen intern schriftlich an drei verschiedene Stellen weitergeleitet werden, mit Kopien an diverse Vorgesetzte, um diese informiert zu halten, oder, wie es heute heisst, «im Loop».

Ob dies eine effiziente Form ist, die galoppierende Bürokratie in den Griff zu kriegen, ist eine offene Frage. Man wird den Verdacht nicht los, dass damit nur mehr Leerlauf produziert wird. Zumal einen die E-Mails heutzutage bis tief in den Feierabend verfolgen.

Das eigentliche Problem ist aber, dass immer mehr Büroangestellte die elektronische Verschriftlichung von an sie herangetragenen Fragen und Anliegen auszulagern versuchen. Da ruft man ein Unternehmen oder eine Behörde an, erklärt sich umfassend und versichert sich, richtig verstanden worden zu sein. Doch lautet die Antwort so oft: «Können Sie noch ein E-Mail schreiben?»

Als der Pariser Telegrafenbeamte Charles Bourseul im Jahr 1854 seine Idee einer elektrischen Sprachübertragung vorstellte, erschloss sich seinen Vorgesetzten die Bedeutung der Telefonie nicht. Sie beschieden ihm, sich besser mit seriöseren Dingen zu beschäftigen. Billionen von Telefonaten später scheinen heute wieder Zweifel über den Nutzen des mündlichen Gesprächs über grosse Distanz hinweg zu bestehen. Anders lässt es sich nicht erklären, dass gar Restaurants bisweilen telefonische Reservationsversuche ins Leere laufen lassen und nach einem E-Mail verlangen. Die Anrufer sollen offensichtlich umerzogen werden: auf dass sie künftig gar nicht erst zum Hörer greifen.

Eine grobe Unhöflichkeit

Am Telefon lassen sich Nachfragen stellen, Missverständnisse vermeiden und eine Beziehung zum Gegenüber aufbauen. Das Beharren auf Schriftlichkeit lässt auch die Kommunikation verarmen. Wie lässt sich da erklären, dass immer mehr Mitarbeiter von Behörden und Unternehmen sich diese grobe Unhöflichkeit leisten? Geht es ihnen womöglich wie Medienmogul Rupert Murdoch? Dieser beklagte sich über Trump: «Man kriegt ihn gar nicht mehr vom Telefon.»