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Prozess gegen DiamantenhändlerUm die Schürfrechte kümmerte sich die Präsidentengattin

Der franko-israelische Milliardär Beny Steinmetz steht ab heute Montag in Genf vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft bezichtigt ihn der Korruption und der Urkundenfälschung.

Dem Rohstoffhändler Beny Steinmetz wird in Genf der Prozess gemacht. Dieses Bild stammte von einer Anhörung in Israel aus dem Jahr 2017.
Dem Rohstoffhändler Beny Steinmetz wird in Genf der Prozess gemacht. Dieses Bild stammte von einer Anhörung in Israel aus dem Jahr 2017.
Foto: Keystone 

Diskretion ist ein wichtiges Gut im Rohstoffgeschäft. Kein Rohstoffhändler mag es, wenn Konkurrenten wissen, auf welchen Märkten er sich tummelt, und schon gar nicht, bei wem und zu welchem Preis er sich Ware beschafft.

Das hielt der franko-israelische Diamantenhändler Beny Steinmetz genauso. Bis jetzt. Denn für den 64-Jährigen endet die Zeit des Schweigens heute Montag. Die Genfer Staatsanwaltschaft macht ihm wegen Korruption und Urkundenfälschung den Prozess. Zwei Wochen lang dauert die Verhandlung. Steinmetz, der am Prozess in Genf offenbar teilnehmen will, wird offen über seine Geschäfte reden müssen. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.

Schon im Kindesalter lernte der Diamantenhändler die Tücken und ungeschriebenen Gesetze des Rohstoffhandels kennen. Sein Vater Reuven war Diamantenhändler. 21 Jahre jung stieg auch Beny ins Geschäft mit Edelsteinen ein.

Reich und scheu

2010 zog er nach Genf und hatte das Privileg, dass der Kanton ihn nach seinem Lebensaufwand, nicht nach seinem Einkommen, besteuerte. Die Pauschalbesteuerung kam dem damals 55-Jährigen gelegen. Er hatte längst Milliarden verdient. Mit seinem Reichtum protzte er jedoch nicht. Öffentliche Auftritte mied er. An Medieninterviews war er nicht interessiert. In seinem Appartement über dem Quai du Mont-Blanc am Seebecken lebte er zurückgezogen, teils im Beisein seiner Ehefrau und seiner vier Kinder, bis ihn die Genfer Staatsanwaltschaft 2013 brüsk aus seinem beschaulichen Leben riss.

Die Justiz liess sein Büro, seine Wohnung und seinen Privatjet durchsuchen. Steinmetz wurde einvernommen. Der Grund: Alpha Condé, 2010 als Präsident Guineas ins Amt gewählt, bezichtigte ihn der Korruption. Um an Schürfrechte zu kommen, soll Steinmetz den 2008 im Amt verstorbenen guineischen Langzeitpräsidenten Lansana Conté und dessen vierte Ehefrau Mamadie Touré bestochen haben.

Staatsanwälte in den USA und Guinea führten Verfahren und baten die Schweiz um Rechtshilfe, um ihre Strafverfahren gegen Steinmetz vorantreiben zu können. Aufgrund der Anschuldigungen entschied die Staatsanwaltschaft Genf am Ende, selbst eine Strafuntersuchung zu eröffnen.

Acht Jahre dauerte das Verfahren, und es dürfte mit ein Grund sein, warum Beny Steinmetz 2016 Genf verliess und nach Israel zog. Zu diesem Zeitpunkt betrug sein Vermögen gemäss den Schätzungen des Wirtschaftsmagazins «Bilanz» 6 bis 7 Milliarden Franken.

Fiktive Rechnungen

Die Anklageschrift zeigt, dass der fallführende Staatsanwalt Claudio Mascotto, der letztes Jahr ins Richteramt wechselte, Steinmetz’ Geschäfte bis in letzte Details auszuleuchten vermochte. Mascotto, der im Prozess durch die Staatsanwälte Caroline Babel Casutt und Yves Bertossa ersetzt wird, brachte ein Geflecht weltweit verstreuter Firmen und Stiftungen zum Vorschein.

Im Zentrum steht die Gesellschaft Beny Steinmetz Group Resources (BSGR). Von dieser Firma aus sollen die weltweiten Rohstoffgeschäfte und Finanztransaktionen letzten Endes kontrolliert worden sein. Ebenfalls im Fokus der Ermittler stand eine von Genf aus kontrollierte Offshore-Gesellschaft namens Pentler Holding, an der scheinbar unabhängige Drittpersonen beteiligt waren, die aber gemäss der Staatsanwaltschaft dazu diente, für die BSGR in Guinea Schmiergelder zu zahlen.

Als Kronzeugin tritt im Genfer Strafprozess die ehemalige Präsidentengattin Mamadie Touré auf. Nach dem Tod ihres Mannes ist sie in die USA geflüchtet. Über Mamadie Touré heisst es in der Anklageschrift, sie habe sich «direkt und persönlich um das Guinea-Projekt von BSGR gekümmert» und «ihren Ehemann und seine Minister beeinflussen können».

Im Strafverfahren sagte sie, nach Treffen mit Beny Steinmetz hätten dessen Vertraute mehrmals Millionenbeträge in bar übergeben. Um die mutmasslichen Schmiergeldzahlungen zu vertuschen, liessen sich die Beteiligten laut Anklage einiges einfallen. So wurden fiktive Rechnungen erstellt, zum Beispiel für den Kauf schwerer Landwirtschaftsmaschinen oder teure Berater- oder Dienstleistungsmandate. Auch die Miete einer Segeljacht in Höhe von einer halben Million Franken wurde abgerechnet. Und um Beny Steinmetz als wirklichen Besitzer von Firmen zu tarnen, liess man Anteilsscheine auf den Namen eines Geschäftspartners ausstellen – damit sieht die Staatsanwaltschaft den Straftatbestand der Urkundenfälschung als erfüllt an.

«Mozart der Genfer Anwälte» verteidigt

Als Verteidiger steht Beny Steinmetz Marc Bonnant zur Seite. Der Anwalt wird wegen seines exzentrischen und intellektuellen Auftretens auch «der Mozart der Genfer Anwälte» genannt. Wo er auftritt, ist Unterhaltung garantiert, sei es im Gerichtssaal oder auf der Theaterbühne. Seinen Klienten Steinmetz betreut er seit Jahren.

Bonnants Strategie dürfte sein, zu dementieren, dass sein Klient der Eigner der inkriminierten Schmiergeldfirmen war. Darüber hinaus dürfte er versuchen, die ehemalige Präsidentengattin und heutige Kronzeugin Mamadie Touré zu demontieren.

Schon 2013 sagte Marc Bonnant in einem Interview: Sein Klient habe Touré nie getroffen, und der Korruptionsvorwurf sei «eine groteske Fabel». Heute bezeichnet er Touré als «Geliebte» des verstorbenen Präsidenten, dementiert jegliche Eheschliessung und betont, die Frau sei nie eine Vertreterin des offiziellen Guinea gewesen. Bei einer Verurteilung droht Beny Steinmetz ein mehrjähriger Freiheitsentzug.

2 Kommentare
    S Meiser

    Nach der Angelegenheit Sperisen wieder ein Genfer bling-bling-Verfahren ohne praktischen Nutzen , welches den Steuerzahler eine Unsumme kosten wird. Man sollte die lokale Kriminalität bekämpfen und davon gibt es in der Republik wahrlich genug.