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Widerstand aus der NachbargemeindeÜber 1000 Unterschriften gegen die BLS-Werkstätte

In Mühleberg gibt es Widerstand gegen die geplante Werkstätte des Bahnunternehmens BLS im äussersten Westen von Bern.

In diesem Gebiet plant das Bahnunternehmen BLS eine neue Werkstätte. (Archivbild)
In diesem Gebiet plant das Bahnunternehmen BLS eine neue Werkstätte. (Archivbild)
Adrian Moser

Eine Gruppe von Bürgerinnen und Bürgern hat dem Gemeinderat Mühleberg am Donnerstag eine Petition überreicht. Darin wird dieser aufgefordert, sich aktiv gegen die geplante BLS-Werkstätte im Chliforst im Westen der Stadt Bern zu wehren. Die Gemeinde Mühleberg soll zusammen mit der Gemeinde Frauenkappelen gegen das Vorhaben des Bahnunternehmens Beschwerde führen und damit nötigenfalls bis vor Bundesgericht gehen.

Die Petition wurde von 1010 Personen unterschrieben. Dies teilte Lukas Bühlmann mit. Er ist Jurist und Raumplaner und wohnt in Juchlishaus, einem Ortsteil von Mühleberg. Bühlmann ist einer von vier Erstunterzeichnenden der Petition. Die Gemeinde Mühleberg sei vom Projekt mitbetroffen, weil sie direkt an die Standortgemeinde Bern grenze.

Von den 1010 Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern stammen 429 aus der Gemeinde Mühlerberg. Ein grosser Teil der übrigen Unterschriften komme aus den Nachbargemeinden Laupen, Neuenegg, Frauenkappelen und Bern – hier vor allem aus den Ortsteilen Riedbach und Oberbottigen, heisst es in der Mitteilung. Unterzeichnet hätten aber auch eine Reihe von Heimweh-Mühlebergerinnen und -Mühlebergern, sowie Leute, die aus anderen Gründen mit der Gegend vertraut seien oder einen Bezug zur Gemeinde hätten.

Gemeinderat in Pflicht nehmen

Die Zahl der Unterschriften habe die Erwartungen der Initianten «bei Weitem» übertroffen, heisst es in der Mitteilung. Eine direkt an die BLS gerichtete Petition hätte wohl noch mehr Unterschriften ergeben. Es gehe hier aber darum, den eigenen Gemeinderat in die Pflicht zu nehmen. Die Initianten erwarten nun, dass die Petition an der Gemeindeversammlung thematisiert werde und der Gemeinderat seinen Willen bekunde, das Vorhaben zu bekämpfen.

Aus Sicht der Petitionäre ist der Chliforst der falsche Standort für ein «derart grosses Infrastrukturvorhaben». Gemäss Mitteilung sind sie der Ansicht, dass die Zeiten vorbei sind, in denen man «in einer intakten und weitgehend unberührten Natur und Landschaft, weit ab vom übrigen Siedlungsgebiet, Industrie- und andere Bauten erstellen soll». Sie berufen sich dabei auf das Raumplanungsgesetz. Dieses verlangt auch für Bauten und Anlagen im öffentlichen Interesse «sachgerechte Standorte».

Bevor für solche Vorhaben ein Standort festgelegt werde, müssten die Auswirkungen des Vorhabens auf Raum, Erschliessung und Umwelt geprüft werden. Dies sei im Fall der BLS-Werkstätte nicht passiert.

Eine lange Vorgeschichte

Weil der Bahnhof Bern ausgebaut wird, musste die BLS die Werkstätte Aebimatt aufgeben. Ab 2015 prüfte eine breit abgestützte Begleitgruppe Dutzende möglicher Standorte. 2016 stellte die BLS den Chliforst-Plan vor, gegen den Umweltschützer und Anwohner opponieren.

Für die Gegner kann der Chliforst nicht der geeignetste Standort sein. Es gebe Alternativen: Aus ihrer Sicht scheine die aktuelle Übergangslösung, bei der die BLS eine Werkstätte im freiburgischen Givisiez nutzt, «wunderbar zu funktionieren.»

Dies sei aber nicht optimal, heisst es bei der BLS. Nahezu drei von vier Zügen kreuzten den Bahnhof Bern. Mit einem Neubau im Chliforst-Nord könnten kurze Anfahrtszeiten zur Werkstätte garantiert werden. Dort könne man kleine Defekte rasch beheben.

Der Standort Chliforst erfülle die vielen verschiedenen Ansprüche der Betroffenen am besten, heisst es bei der BLS. Bund und Kanton stünden im Grundsatz hinter den Plänen. Gebaut werden soll im Chliforst ab 2023, die Inbetriebnahme ist für 2028 vorgesehen.

4 Kommentare
    thomas schneeberger

    Weder die Welt noch die BLS gehen unter, wenn man einfach auf das Projekt verzichtet. Ende mit Schrecken, fertig. Man wird sich nach der Decke strecken und Lösungen finden.

    Zudem hat die BLS jetzt wirklich schon genug Skandale, Peinlichkeiten und Kosten am Hals.