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Fox News und die US-WahlTrumps Haussender wankt

Fox News schwankte in den Wahltagen zwischen moderaten Tönen und Verschwörungswahn. Um den Sender tobt ein Machtkampf. Davon profitieren könnte Trump.

Donald Trump hat auf Fox News praktisch einen Freipass, ist aber trotzdem nicht immer zufrieden mit dem konservativen Sender.
Donald Trump hat auf Fox News praktisch einen Freipass, ist aber trotzdem nicht immer zufrieden mit dem konservativen Sender.
Bild: Screenshot Fox News

Eine Niederlage für Trump ist auch eine Niederlage für Fox News, schreibt unser Korrespondent in den USA. Es ist eine Niederlage, die der Haussender des US-Präsidenten erstaunlich schnell eingesteht. Kurz nachdem am Samstagabend alle anderen US-Medien Joe Biden zum Sieger erklärt haben, zieht auch Fox News nach, die Befürchtung, dass der konservative Sender sich dem Resultat verweigert, wird nicht bestätigt.

Die Menschen in den USA feiern einen neuen Präsidenten, und es gibt keine Proteste von Trump-Anhängern – wohl auch, weil sich Fox News wenigstens für einige Stunden klar positioniert.

In den Tagen davor schwankte der Kurs des Senders zwischen politisch neutraler Berichterstattung der Auszählung und einer Befeuerung der von Trump hervorgebrachten Betrugsvorwürfen. Am Mittwoch noch analysierte Fox News nüchtern die Vorgänge rund um Bidens Aufholjagd, der Chefstatistiker erklärte geduldig, weshalb der Sender als einziger in den USA den Bundesstaat Arizona für Trump als verloren ansieht.

Für das Weisse Haus war dieser «Call» ein Schock, Trump war rasend vor Wut und mehrere Personen aus dem Umfeld des Präsidenten sollen versucht haben, ihren Einfluss beim Sender geltend zu machen. Trumps Schwiegersohn Jared Kushner intervenierte offenbar direkt bei Fox-Inhaber Rupert Murdoch. Vergebens, Fox News bleibt standhaft. Fox News bleibt neutral. Die mehrfach vorgebrachte Forderung des US-Präsidenten, die laufende Auszählung zu stoppen, verhallt bei seinem Haussender ungehört.

Betrugsverschwörung bei Sean Hannity

In den nächsten Tagen tönt es bei Fox News aber zunehmend wieder anders, so wie während des Wahlkampfs. Während neue Resultate nur langsam hereintröpfeln, unterhalten die loyalsten Trump-Moderatoren die Zuschauer. Und sie lassen ausgewählte Republikaner die unbewiesenen Betrugsvorwürfe unwidersprochen vortragen. Senator Ted Cruz spricht von gesetzlosen Zuständen, der ehemalige Abgeordnete Newt Gingrich sagt, dass die Demokraten gerade die Präsidentschaft stehlen, und Senator Lindsey Graham nennt die Betrugsvorwürfe «welterschütternd». Trump-Freund Sean Hannity korrigiert nicht, widerspricht nicht, relativiert nicht.

Im Gegenteil, er behauptet nun, eine «mysteriöse Software» wandle Trump-Stimmen in Biden-Stimmen um – es ist nur eine von vielen Verschwörungstheorien, die auch in den sozialen Medien kursieren. Seine Kollegen machen es noch schlimmer, am Freitagabend lässt sich ein Moderator zu der Aussage hinreissen, dass allein der Fakt, dass die Demokraten Trump verabscheuen und ihn mit allen Mitteln loshaben wollten, der Beweis sei, dass sie bei den Wahlen betrügen würden.

Gleichentags berichtete CNN über zwei Memos, die Fox-Journalisten erhalten hatten. Darin wurden sie offenbar angewiesen, Joe Biden nicht als «President-elect», also als gewählten Präsidenten, zu bezeichnen. Diese offizielle Bezeichnung für den nächsten Amtsinhaber, der aber erst noch vereidigt wird, sei zu vermeiden. Fox News bestritt später, ein solches Memo versandt zu haben.

Moderatorin ändert den Ton

Dass es auch anders geht, beweist Laura Ingraham, ein ebenfalls glühende Verfechterin Trumps. Aus dem Weissen Haus überlieferte die Moderatorin nach dem Wahltag die diversen Betrugsvorwürfe ungefiltert an die Millionen Fox-Zuschauer. Diese informieren sich hauptsächlich nur über Fox News oder soziale Medien über die Nachrichtenlage, eine andere Sichtweise kriegen Millionen Amerikaner so gar nicht mit.

Mit dem «Ingraham-Angle» peitscht auch sie die Zuschauer normalerweise in Trumps Richtung. Am Freitag ändert Ingraham aber ihre Tonart: «Akzeptiert die Resultate dieser Wahl», forderte sie, nachdem sie die Zuschauer darauf vorbereitete, dass es wohl nichts mehr wird mit einer zweiten Amtszeit für Donald Trump. Doch «America First» bleibe.

Dass Fox News mit Joe Biden als Programmpunkt auf verlorenem Posten steht, zeigte sich am Samstag bei dessen Siegesrede. Nur wenige Zuschauer schalteten ein, die Trump-Fans wollten sich den verhassten Gegner nicht anhören, die Einschaltquoten waren die tiefsten aller grossen Sender.

Am Sonntag spricht der moderate Chris Wallace mit Senator Mitt Romney, die Tonart auch hier: Hört auf mit den Betrugsvorwürfen. Doch die Stars des Senders sind dann eben doch Hannity, Carlson, Ingraham, die jeweils zur Prime Time sprechen und mit ihren Monologen die Massen in ihren Bann ziehen.

Will man Trump-Fans vergraulen?

Doch wie soll es weitergehen für Fox News ohne Trump, wie will man die Trump-Fans, die dem Sender Rekordquoten bescherten, weiter bei der Stange halten? Im Clan von Fox-Gründer Rupert Murdoch ist darüber längst ein Streit entbrannt. Die Medienanteile sind zwischen ihm und den sechs Kindern hälftig geteilt, CEO ist mittlerweile Sohn Lachlan. Er gewann den Machtkampf gegen den moderateren Bruder James, der offen Joe Biden unterstützte und sich aus den Führungspositionen zurückzog. Dem Vernehmen nach ist aber nicht nur Murdochs Verhältnis zu Trump erschüttert, auch seine Kinder hinterfragen offenbar eher, wie sie mit der journalistischen Verantwortung umgehen sollen.

Medienmogul Rupert Murdoch mischt mit seinen Zeitungen und Fernsehsendern auch in Grossbritannien oder Australien mit.
Medienmogul Rupert Murdoch mischt mit seinen Zeitungen und Fernsehsendern auch in Grossbritannien oder Australien mit.
Foto: Josh Reynolds (Keystone/AP)

Neben Fox News zeigten sich auch andere rechtskonservative Medien des Imperiums am Wochenende handzahm, die New York Post anerkannte Bidens Sieg. Doch wird Fox News Trumps Scharfmacher wie Sean Hannity oder Tucker Carlson nun wirklich an die Leine nehmen und damit die treusten Fans vergraulen?

Fox News droht dabei Konkurrenz vom mächtigen Zugpferd selbst. Trump war in den letzten Wochen längst nicht immer glücklich mit seinem Haussender. Zwar rief er dort mehrmals pro Woche an und konnte dabei seine Sicht der Dinge ungefiltert an Millionen Zuschauer bringen. Doch er beschwerte sich auch immer öfter, wenn Fox News auch die Gegenseite zu Wort kommen liess, dass nicht nur über seine Themen berichtet wurde, dass ab und zu sogar Fehler oder Lügen aufgedeckt wurden.

Trump könnte eigenen TV-Sender aufziehen

Trump twitterte mehrfach, dass OAN nun sein neuer Lieblingssender sei. «One America News» wird tatsächlich als noch loyaler zum derzeit noch amtierenden Präsidenten eingestuft als Fox News, es erreicht aber nur einen Bruchteil der Einschaltquoten. Der Sender richtet sich an noch extremere Zuschauer, sendet allerlei Verschwörungstheorien, von QAnon bis zu absoluter Covid-19-Verleugnung. OAN bedient damit nur eine kleine Nische am rechten Rand, eigentlich vernachlässigbar.

Was aber, wenn Trump nun OAN aufkauft, seine Fans von Fox News dorthin abzieht und womöglich seine Lieblingsmoderatoren abzieht, um dort die nächsten vier Jahre lang ein Feuerwerk gegen Joe Biden und die Demokraten abzulassen? Bis anhin macht er keine Anstalten, das Wahlergebnis anzuerkennen, und er müsste mit einem eigenen Fernsehsender auch nie von diesem Narrativ abweichen. Selbst wenn die sozialen Medien ihn ohne präsidialen Sonderstatus blockieren würden, käme er so zu seinen Zuschauern.

Wer am Montag Fox News einstellt oder New York Post liest, merkt aber schnell, dass auch hier die Stimmung bereits wieder gekippt ist. Die moderaten Töne vom Wochenende sind vorbei, die Forderung nach Gerichtsprozessen ist überall, Wahlbetrug sei üblich, Bidens Vorsprung nur sehr klein, das Resultat könnte noch kippen. Das Fox-Imperium scheint loyal zu bleiben und in die Opposition zu gehen. Zu den Topthemen gehört auch: Trump bereitet sich auf neue, wahlkampfähnliche Veranstaltungen vor. Die Siegespartys von Joe Biden waren Corona-Superspreader-Events und niemand berichtet darüber. Und Joe Bidens erste Amtshandlung werde sein, dass er allen Amerikanern die bei Republikanern unbeliebte Schutzmaske verordne.

59 Kommentare
    Hansueli Hof

    Altes, indianisches Sprichwort:

    "Wenn Du merkst, dass Dein Pferd tot ist, steig ab und nimm ein anderes."