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Wirbel um «Make America Great Again»Trump ruft zu Boykott von Reifenproduzent Goodyear auf

Der US-Präsident findet, dass Goodyear seine Anhänger benachteilige. Die Firma habe Kopfbedeckungen mit seinem Slogan «Make America Great Again» verboten.

Ein Politiker, ein Slogan: Donald Trump spricht mit seiner berühmten Kopfbedeckung bei einer Wahlkampfveranstaltung in Florida vor mehr als vier Jahren.
Ein Politiker, ein Slogan: Donald Trump spricht mit seiner berühmten Kopfbedeckung bei einer Wahlkampfveranstaltung in Florida vor mehr als vier Jahren.
Foto: Joe Skipper (Reuters/13. März 2016)

Donald Trump rief zum Boykott des Reifenherstellers Goodyear auf, weil das Unternehmen seine Anhänger benachteilige. Die Firma habe Kopfbedeckungen mit seinem Slogan «Make America Great Again» verboten, erklärte der Präsident zur Begründung bei Twitter. Der Kurs der Goodyear-Aktie sackte nach Trumps Tweet zunächst steil um mehr als drei Prozent ab, erholte sich dann aber weitgehend.

Auslöser für Trumps Vorgehen waren Medienberichte, wonach bei einer Schulung in einem Goodyear-Werk im Bundesstaat Kansas Bekleidung mit dem Slogan für «nicht akzeptabel» erklärt worden waren. Trump hatte schon im Wahlkampf 2016 auf das «MAGA»-Versprechen gesetzt, Amerika zu alter Grösse zurückzubringen.

Laut einem im Internet veröffentlichten Foto einer Präsentationsfolie wurden dagegen Symbole der Bewegung «Black Lives Matter» erlaubt, die gegen Polizei-Gewalt an Schwarzen protestiert, sowie die «Pride»-Zeichen für Toleranz gegenüber sexuellen Minderheiten. Nicht zugelassen waren dagegen Bekundungen zur Unterstützung der Gegenbewegungen «Blue Lives Matter», die die Polizei unterstützt, und «All Lives Matter», die argumentiert, dass Rassismus gegen Schwarze nicht speziell hervorgehoben werden sollte.

Welche Pneus hat das «Beast»?

«Kaufen Sie bessere Reifen für viel weniger Geld!», twitterte Trump. Bei Twitter machten daraufhin Fotos die Runde, auf denen der Goodyear-Schriftzug auf den Reifen seiner Präsidenten-Limousine zu sehen war. Trumps Sprecherin Kayleigh McEnany wollte sich nicht dazu äussern, ob das Fahrzeug mit dem Spitznamen «Beast» weiterhin auf Goodyear-Reifen unterwegs ist – weil dies eine Sicherheitsangelegenheit sei.

Goodyear ist ein amerikanisches Unternehmen mit Sitz im Bundesstaat Ohio und mehr als 60’000 Mitarbeitern. Zu Trumps Versprechen gehört auch, die Interessen der einheimischen Wirtschaft zu verteidigen. McEnany erklärte dazu: «Der Präsident wird sich nie dafür entschuldigen, dass er sich an die Seite der Gesetzeshüter stellt.» Das war ein offensichtlicher Hinweis auf «Blue Lives Matter» – Trump selbst hatte in seinem Tweet allerdings nur auf das «MAGA»-Motto Bezug genommen, das vor allem auf Baseball-Kappen prangt.

Goodyear betonte, dass man Mitarbeiter grundsätzlich auffordere, auf Bekundungen der Unterstützung für politische Parteien oder Kampagnen zu verzichten. Dagegen sei der Einsatz für Gleichberechtigung und gegen rassistisch motivierte Ungerechtigkeit erlaubt.

Zugleich schränkte das Unternehmen ein, dass es sich bei der abgebildeten Präsentationsfolie mit Logo des Unternehmens nicht um von Konzernstellen produziertes oder verbreitetes Material gehandelt habe. «Sie haben nicht bestritten, dass dieses Bild an einem ihrer Standorte gezeigt wurde», stellte McEnany nach der Stellungnahme des Unternehmens fest und forderte von Goodyear weitere Klarstellungen.

Verteidigt das Vorgehen ihres Chefs: Mediensprecherin Kayleigh McEnany ist im Weissen Haus in ihrem Element.
Verteidigt das Vorgehen ihres Chefs: Mediensprecherin Kayleigh McEnany ist im Weissen Haus in ihrem Element.
Foto: Evan Vucci (AP/Keystone/19. August 2020)

SDA/fal

41 Kommentare
    Boris Güttinger

    Es spielt eigentlich gar keine Rolle, ob Goodyear ein US, ein EU oder sonst ein Unternehmen ist. Die USA halten ihre Wettbewerbsfähigkeit aufrecht, indem sie die restliche Welt bedrohen, sanktionieren, direkt/indirekt bekämpfen oder ausbeuten (syrisches Erdöl). In Zeiten der US Schwäche haben sogar die Verbündeten gefälligst US Produkte zu kaufen (beispielsweise Deutschland und die Gasleitung durch die Ostsee). Man stärkt den heimischen Markt nicht mittels Innovation und Produktivität. Warum auch, wenn die vorgehaltene Pistole genau so gute Resultate erzielt. Erschreckend ist daran gar nichts, denn die USA verfolgen dieser Politik seit Jahren. Wirklich tragisch dabei ist, dass sich EU und Schweizer Politiker diesem Druck widerstandslos beugen und sogar ihre Unterstützung bekunden - selbste dann, wenn ihre eigene Nation als Verlierer herausgeht!