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Samstagsgespräch mit Ottessa Moshfegh«Ich hoffe einfach, dass es friedlich bleibt»

Die gefeierte US-Autorin erklärt, warum ihre Nation so entzweit ist. Und ärgert sich über Kunst als «safe space», in dem sich gerade linke Künstler nicht mehr getrauen, anzuecken.

Die Kultautorin Ottessa Moshfegh, halb drin, halb draussen – im Literaturbetrieb, im Kapitalismus.
Die Kultautorin Ottessa Moshfegh, halb drin, halb draussen – im Literaturbetrieb, im Kapitalismus.
Foto: Jake Belcher

Diese US-Wahl gleicht einer wilden Achterbahnfahrt.

Nichts liess sich voraussagen bei dieser Wahl ausser das Eine: Der gegenwärtige Präsident wird jedes Resultat, das ihm nicht passt, in Zweifel ziehen und die Dinge verkomplizieren. Darum halte ich den Atem an, obwohl es gut aussieht; ich versuche, mich nicht verrückt zu machen. Mein Mann und ich hatten im Verlauf der Auszählung Momente der Panik. Aber eigentlich war die Rumrechnerei daheim vor dem Bildschirm blosse Ablenkungsstrategie. Man kann ja nichts mehr tun.

Selbst friedliebende Menschen gingen auf die Strasse, Republikaner und Demokraten.

Ich hoffe einfach, dass es friedlich bleibt – ausser ein Eingreifen wird absolut nötig. Falls Trump versuchen sollte, den Wahlsieg zu stehlen, wird es hier sehr, sehr hässlich. Die Leute werden ausrasten. Und ich werde mich nicht mehr darum kümmern, was andere denken, und den Eigenbrötler in mir herauslassen, der ich in Wahrheit bin. Weil die Welt dann offensichtlich fucked up ist. Vielleicht lege ich einen Garten im Hinterhof an und werfe mit Gemüse auf Passanten; eine echte Aktivistin bin ich nicht. Auch meine Texte würden viel kauziger werden: keine Storys mehr, die sich über die urbane Intelligenzija mokieren. Eher Rückzüge in die Natur.

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