Trams sind sicherer als Züge

Die Gefahr, in einer Tramtür eingeklemmt und mitgeschleift zu werden, ist kleiner als bei einer Zugtür. Den Einklemmschutz zum Einsteigen zu missbrauchen, ist aber gefährlich.

Druckempfindliche Gummikanten, ein Türschliessmotor, der bei zu viel Widerstand abbricht, Gewichtssensoren und Lichtschranken sorgen bereits beim alten Tram 2000 für mehrfache Sicherheit. Foto: Sabina Bobst

Druckempfindliche Gummikanten, ein Türschliessmotor, der bei zu viel Widerstand abbricht, Gewichtssensoren und Lichtschranken sorgen bereits beim alten Tram 2000 für mehrfache Sicherheit. Foto: Sabina Bobst

In der Nacht auf den 4. August wurde ein SBB-Zugbegleiter im Bahnhof Baden in der Zugtür eingeklemmt und tödlich verletzt. Das Einklemmschutz-System der Tür hatte versagt. Die Systeme typgleicher Züge werden jetzt überprüft, um solche Fälle in Zukunft zu verhindern.

In Zügen kontrolliert das Personal gewöhnlich vor der Abfahrt, ob ein Fahrgast eingeklemmt ist. In Trams ist dies nicht der Fall, hier ist alleine der Tramführer für das Schliessen der Türen verantwortlich. Ist Tramfahren also gefährlicher als Zugfahren? Und wie gefährlich ist der Trick einiger Tramfahrer(-innen), den Einklemmschutz mit Hand oder Fuss aktiv auszulösen, um trotz sich schliessender Tür noch ins Tram schlüpfen zu können?

Mehrere Mechanismen schützen vor Einklemmen

«Es ist generell ein Wagnis, den Türknopf nicht zu drücken und stattdessen etwas zwischen die Türen zu halten», heisst es bei der Medienstelle der VBZ. Doch sie kann auch entwarnen: In beiden derzeit im Betrieb befindlichen Trammodellen gebe es mehrstufige Absicherungen, die verhinderten, dass ein Fahrgast in einer Tür eingeklemmt werden könne. Im Tram «Cobra» sind es Lichtgitter, die überprüfen, ob sich ein Hindernis im Einstiegsbereich befindet. Eine Stromüberwachung sorgt für weitere Sicherheit – wenn sich ein Gewicht von über 15 Kilogramm auf dem Tritt befindet, kann die Tür nicht geschlossen werden. Auch Fahrgäste des «Trams 2000» können beruhigt sein: Lichtschranken und Trittkontakt verhindern das Schliessen der Türen bei Hindernissen im Eingangsbereich.

In beiden Modellen sind zudem druckempfindliche Gummikanten installiert, die bei Widerstand die Türen wieder öffnen. Die Stromüberwachung des Schliessmechanismus sorgt ausserdem dafür, dass eine Türschliessung nicht möglich ist, wenn zu viel Kraft dafür aufgewendet werden muss.

Sind die Türen nicht vollständig geschlossen, ist eine Abfahrt nicht möglich – dafür sorgt im Gegensatz zum Unglückszug der SBB eine technische Türüberwachung. Sollten im Tram also ein einzelner oder gar zwei Mechanismen ausfallen, bleiben weitere, die eine sichere Fahrt mit der Tram garantieren.

Störungen in Kauf nehmen

Immer wieder kommt es allerdings zu Betriebsstörungen durch diese Mechanismen, wenn sich etwa Türen trotz fehlenden Hindernisses nicht schliessen lassen – Wartezeiten und Verspätungen sind die Folge. Auch die Durchsage «Bitte treten Sie von den Türen zurück, sonst können diese nicht schliessen» kennen Trampassagiere nur zu gut, der Unmut der Lokführerin kann da schnell auf die Fahrgäste überschwappen. Der Fall des verunglückten Zugbegleiters hat aber gezeigt, dass solche Mechanismen, mögen sie auch manchmal lästig sein, Leben retten könnten.

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