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Obwohl Corona dort noch wütetTouristiker wollen schon im Juli wieder reiche Araber im Land

Schweiz Tourismus will schon bald wieder versuchen, Touristen aus den Golfstaaten zur Reise in die kühle Schweiz zu bewegen.

Schon in diesem Corona-Sommer wieder möglich? Touristinnen aus Dubai auf einer Schiffsfahrt auf dem Luganersee.
Schon in diesem Corona-Sommer wieder möglich? Touristinnen aus Dubai auf einer Schiffsfahrt auf dem Luganersee.
Foto: Urs Jaudas

Erst sollten die Inländer den Schweizer Tourismussommer retten. Dann, als die Grenzöffnungen beschlossen wurden, sollten Europäer aus dem nahen Ausland ihren Teil dazu beitragen. Und seit gestern ist klar: Selbst reiche Araber aus den Golfstaaten sollen noch im Juli die Löcher stopfen, die die Corona-Krise in die Kassen von Schweizer Hotels, Airlines, Bergbahnen und Bahnhofstrasse-Boutiquen gerissen hat. Darauf arbeitet zumindest die Organisation Schweiz Tourismus hin, die weltweit Reisen in die Schweiz anpreist, wie diese Zeitung erfahren hat.

An der Medienkonferenz, die Schweiz Tourismus zu seinen Aktivitäten zur Bewältigung der Flaute am Freitag abgehalten hat, war dies allerdings kein Thema. Stattdessen soll in den «Fernmärkten Ost», zu denen neben Indien oder China auch die Golfstaaten zählen, erst im August wieder eine sogenannte Sensibilisierungskampagne anlaufen, erklärte Direktor Martin Nydegger. Mittels Werbung konkret zu einer Reise auffordern würde man sogar erst ab September. Intern plant man bei Schweiz Tourismus dagegen, dies in den Golfländern schon im Juli zu tun, wie Sprecher André Aschwanden bestätigt.

420 Franken pro Tag

Allerdings ist die erste Welle der Pandemie in jener Region noch in vollem Gang: Die Anzahl neuer Ansteckungen im 2,8-Millionen-Einwohner-Staat Katar beginnt gerade erst abzunehmen und lag am Donnerstag bei 1600, auf so hohe Zahlen kam die Schweiz nie. Damit hat Katar aktuell die weltweit höchste Rate von bestätigten Fällen pro Einwohner. Bahrain und Kuwait landen auf dieser traurigen Rangliste auf den Plätzen fünf und sieben. In den Vereinigten Arabischen Emiraten ist die Kurve schon stärker abgeflacht, doch meldete das Land am Donnerstag immer noch 659 Neuinfektionen. Und Saudiarabien schien schon mitten im Abwärtstrend, als die Zahl bestätigter Fälle wieder zu steigen begann.

«Sobald eine Reise in die Schweiz wieder möglich ist, wollen wir bereit sein.»

André Aschwanden, Sprecher Schweiz Tourismus

Wären die Araber also ganz kommune Gäste, hätte es Schweiz Tourismus wohl nicht eilig, sie wieder ins Land zu locken. Jedoch sind sie die ausgabefreudigsten Touristen. Während ein Schweizer Urlauber pro Tag im Schnitt 140 Franken ausgibt, sind es bei einem Gast aus den Golfstaaten 420 Franken.

Das hat laut Schweiz-Tourismus-Sprecher Aschwanden vor allem einen Grund: Wenn die Araber nicht diesen Sommer kommen, muss man wieder ein Jahr auf sie warten. «Die Hauptreisezeit in den Golfstaaten ist üblicherweise der Sommer, wenn die arabischen Gäste der dortigen grossen Hitze entfliehen möchten», schreibt er. «Diese Zeit beginnt im Juni und dauert bis August. Werbemassnahmen müssen somit baldmöglichst beginnen können.»

Noch sind die Grenzen nicht offen

Nun hänge alles davon ab, ob die Golfstaaten Ausreisen bald wieder erlauben. «Tun sie das nicht für diesen Sommer, ist unsere nächste Chance für wirksames Marketing erst wieder die nächste Hochsaison im Sommer 2021. Wir gehen jedoch nach wie vor davon aus, dass die Chancen der Grenzöffnungen auf Juli auch im Falle der Golfstaaten intakt sind.»

Tatsächlich ist im Moment noch ungewiss, wann Gäste aus den Golfstaaten wieder in die Schweiz und den Schengen-Raum einreisen dürfen. Im Moment gilt ein Visa-Stopp für das ganze Vertragsgebiet. Für den 6. Juli sind gewisse Lockerungen an den Schengen-Aussengrenzen denkbar – welche, ist noch unklar. Für die Vereinigten Arabischen Emirate, für die die Schweiz keine Visumspflicht für Touristen kennt, könnte die Schweiz theoretisch auch unilateral die Einreise wieder erlauben. «Sobald eine Reise in die Schweiz wieder möglich ist, wollen wir bereit sein», so erklärt Sprecher Aschwanden, warum man die Marketingpläne schon in der Schublade hat.

Sie werden unter anderem mit den 40 Millionen Franken finanziert, die das Parlament in der Sondersession vom Mai für zusätzliche Marketinganstrengungen gesprochen hat. Die Hälfte davon dürfen andere Marketingorganisationen der Branche verwenden, den Rest Schweiz Tourismus zusätzlich zum ordentlichen Budget von 84 Millionen.