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Literarische WiederentdeckungTotentanz in New York

In den «New Yorker Novellen» zeichnet der Exilautor Ulrich Becher ein verstörendes Porträt von Entwurzelten in der Nachkriegszeit. Jetzt liegt eine neue Auflage vor – mit einem Forschungsbeitrag aus Bern.

Porträt von Ulrich Becher um 1955, als er sich in der Schweiz niedergelassen hatte – dieses Mal «for good».
Porträt von Ulrich Becher um 1955, als er sich in der Schweiz niedergelassen hatte – dieses Mal «for good».
Foto: Keystone

Fast taub ist er, seine Hand verstümmelt. An einer opulenten Trauerfeier in Manhattan wird Klopstock mitleidsvoll belächelt. Will er von seinen Erfahrungen im Konzentrationslager Dachau erzählen, bekommt er ein «nonchalantes Kläpschen auf die Schulter», bevor der Gesprächspartner davontänzelt.

Vom Juden mit dem bildungsbürgerlich befrachteten Namen Friedrich Gottlieb Klopstock erzählt Ulrich Becher (19101990) in «Der schwarze Hut», der zweiten von drei Novellen – oder drei «Nächten» – im bei Schöffling neu aufgelegten Band «New Yorker Novellen». Sie sind allesamt makaber-groteske Kost: Kriegsheimkehrer, Entwurzelte und dem Tod Entronnene sitzen in Tavernen und piekfeinen Wohnungen und sind gleichzeitig noch im Krieg, im Konzentrationslager oder im südamerikanischen Dschungel.

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