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Frage des Tages: Schaden Superreiche der Wirtschaft?

Die Reichen-Studie der Universität Basel zeigt klar: Das Zeitalter der neuen Oligarchie hat nun auch in der Schweiz begonnen. Doch Wohlstand in unserem Land schaffen andere. Schaden Superreiche der Wirtschaft? Stimmen Sie am Ende des Artikels ab.

Die Superreichen können sich Kosmetikprodukte mit Edelsteinen ebenso leisten,
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wie mit Gold und Diamanten verzierte Kochtöpfe des deutschen Küchengeräte-Herstellers Fissler.
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Die Beförderung per Helikopter von Grindelwald auf die Kleine Scheidegg erspart das lästige Anstehen an der Bahn.
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Wenn 3 Prozent der Bevölkerung gleich viel versteuern wie die restlichen 97 Prozent, dann ist das nicht in erster Linie eine moralisches, sondern ein ökonomisches Problem. Der Mittelstand wird ausgeblutet, und damit kommt die wichtigste Säule unseres Wohlstandes in Wanken.

Eine relative Verarmung des Mittelstandes ist ein Merkmal der postindustriellen Gesellschaft im Zeitalter der Globalisierung. In den USA hat diese Entwicklung bereits in den 80er Jahren eingesetzt. Die Löhne stiegen weniger stark als das Wachstum der Produktivität. Das ist gleichbedeutend mit einem Reallohnabbau. In Deutschland hat diese Entwicklung in den 90er Jahren begonnen. Real, sprich inflationsbereinigt, verdient der durchschnittliche deutsche Arbeitnehmer heute weniger als zu Beginn der 90er Jahre.

Negative Auswirkung der Zuwanderung

Nun hat diese Entwicklung auch unser Land erfasst. Nach den Zahlen des Bundesamts für Statistik ist der Arbeitslohn (Medianlohn) des durchschnittlichen Schweizer Arbeitsnehmers im Zeitraum 1998 bis 2008 um 3 Prozent gesunken. Die untersten 20 Prozent der Einkommen sind gar um 11 Prozent abgesackt, während das reichste Zehntel um 4,1 Prozent zulegen konnte. Eine im Oktober 2010 veröffentlichte Studie der Zürcher Kantonalbank (ZKB) bekräftigt diesen Befund. Danach sind die Reallöhne im Grossraum Zürich zwischen 2003 und 2008 auf allen Qualifikationsstufen um 0,7 bis 1,5 Prozent gesunken. Wohlgemerkt in einer Boomphase.

Die ZKB-Studie stellt auch unmissverständlich fest, dass die Zuwanderung Ursache diese Lohnentwicklung ist: «Die Immigration der Periode 2003 bis 2008 wirkte sich negativ auf die Löhne aus», heisst es wörtlich. «Bei den Schweizerinnen und Schweizern lag der lohndämpfende Effekt bei durchschnittlich rund minus 1 Prozent. Mit minus 1,86 Prozent spürten die Hochqualifizierten die ausländische Konkurrenz am stärksten.»

Unerwartete Herausforderungen

Warum sind die Superreichen schädlich für das Wirtschaftswachstum? Die Antwort ist simpel: Weil sie es schlicht nicht schaffen, ihr Vermögen auch wieder auszugeben. Der ehemalige Arbeitsminister der USA, Robert Reich, erklärt dies in seinem soeben erschienen Buch «Nachbeben»* wie folgt: «Schon allein die Grösse der Aufgabe, unanständige Massen von Geld unter die Leute zu bringen, stellt ihre Besitzer vor unerwartete Herausforderungen.»

Stellen Sie sich einmal Daniel Vasella vor. Der Mann soll jährlich rund 40 Millionen Franken verdienen. Er müsste demnach täglich mehr als 100'000 Franken ausgeben, um das Geld wieder unter die Leute bringen. Das ist selbst mir harter Arbeit kaum zu schaffen. Reiche horten so gesehen zwangsläufig zu viel Geld und geben zu wenig aus.

Explodierende Mieten und Immobilienpreise

Die Theorie vom so genannten «Trickle-down», die These, dass das Geld der reichen langsam nach unten tröpfelt und Wohlstand für alle schafft, ist schlicht falsch. Deshalb fordert Reich auch eine andere Politik: «Eine Politik, die einen breiter gestreuten Wohlstand bewirkt, wird zu einem stärkeren und nachhaltigeren Wirtschaftswachstum führen – und das ist gut für alle. Auch den Reichen geht es besser, wenn sie einen kleineren Teil einer schnell wachsenden Wirtschaft haben als einen grossen in einer stagnierenden. Das haben wir vor Jahrzehnten gelernt; wenn wir uns nicht daran erinnern, werden wir lange in einer Grossen Rezession stecken bleiben.»

In der Schweiz machen wir genau das Gegenteil. Mit einem immer härter werdenden Steuerwettbewerb locken wir immer mehr Superreiche ins Land. Für den Mittelstand bedeutet dies nicht nur stagnierende Löhne, sondern auch explodierende Mieten und Immobilienpreise.

*Robert Reich, «Nachbeben», Campus Verlag, Frankfurt a.M, 2010.

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