Bildstrecke: Affäre Strauss-Kahn

Die Suite, in der Strauss-Kahn in New York logierte, kostet 3000 US-Dollar die Nacht. Sein luxuriöser Lebensstil wurde in Frankreich schon oft kritisiert. Für einen Sozialisten gehört sich Bling-Bling nicht.

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Monica Fahmy@fahmy07

Die Suite, in der Dominique Strauss-Kahn in New York angeblich ein Sexualdelikt begangen haben soll, kostet 3000 US-Dollar pro Nacht. Dass der IWF-Chef die Übernachtung in der teuersten Suite des Hotels wahrscheinlich aus seiner eigenen Tasche bezahlte, macht es für seine Kritiker in Frankreich nicht besser. Sein verschwenderischer Lebensstil sorgte, im Gegensatz zu seinen Belästigungen von Frauen, immer wieder für Schlagzeilen, weil er das Image der sozialistischen Partei trübe. «Kaviar-Linker» und «Bling-Bling» sind im Zusammenhang mit DSK, wie er in den französischen Medien bezeichnet wird, gängige Attribute.

Der sozialistische Präsidentschaftskandidat stehe im Widerspruch zu den Werten der sozialistischen Partei, schrieben französische Medien im März und April 2011. «DSK und seine Frau würden ihr Vermögen so verwalten, dass nicht in erster Linie die Gemeinschaft, sondern ihre «kleinen» Personen davon profitieren», schreibt etwa Populaires.fr. Es sei nicht verboten, gleichzeitig reich und sozialistischer Präsident zu sein, aber es wäre stossend, wenn ein Präsident an der Spitze eines Imperiums stünde, das vor den Steuern geschützt werde.

Millionen steuerfrei

Damit spielt Populaires.fr auf das Vermögen von Strauss-Kahns Frau Anne Sinclair an. Sie ist Erbin ihres Grossvaters Paul Rosenberg, einem der Anfang des 20 Jahrhunderts bedeutendsten Kunsthändler in Paris. Er soll eine Kunstsammlung mit über 160 Werken von Picasso, Cézanne, Matisse und weiteren bedeutenden Malern hinterlassen haben. Ein Werk von Fernand Léger brachte den Strauss-Kahns 2003 über 22 Millionen Dollar, ein Werk von Monet 20 Millionen Dollar und ein Werk von Matisse über 33 Millionen Dollar im November 2010. Auf den Kunstwerken werden keine Steuern erhoben. Das stösst den Wählern in Frankreich sauer auf.

Die Strauss-Kahns bezahlen in den Augen der Franzosen sowieso zu wenig Steuern. Das Einkommen von DSK ist von der Einkommenssteuer befreit. Der IWF-Direktor verdient laut diversen Medien über 490'000 US-Dollar im Jahr. Als ganz und gar unsozialistisch empfinden viele Franzosen, dass die Strauss-Kahns mehrere Wohnungen an Top-Adressen besitzen. Die 240 Quadratmeter grosse Wohnung an der Place des Vosges hat laut «L’Express» über vier Millionen Euro gekostet, die Sechszimmer-Wohnung im XVIe Arrondissement über 2,5 Millionen Euro. In Washington besitzt das Paar ferner eine 4-Millionen-Dollar-Villa in Georgetown. Geradezu ein Schnäppchen ist die Villa in Marrakesch, welche Anne Sinclair 1990 für 500'000 Euro gekauft hat. Die Villa soll heute über 3 Millionen Euro wert haben.

Bling-Bling und ein Porsche Panamera«»

«DSK wird durch die Mangel gedreht», sagte Nicholas Sarkozy am 5. Mai gegenüber «Le Parisien». «Die Presse wird alles auseinandernehmen, sein Gut in Marrakesch, seine Wohnung an der Place des Vosges, das Geld seiner Frau.» In Anspielung darauf, dass ihm die Medien wegen seiner Rolex ein Bling-Bling-Image verpassten, sagte Sarkozy schon früher zur Zeitung: «Meine Uhr wird im Vergleich zu seiner wie ein vulgäres Modell aussehen».

«Zu viel Bling-Bling für Strauss-Kahn ?», fragte am 13. Mai 2011 Ledauphine.com und spielte auf die Schlagzeilen an, die Anfang Mai die französische Volksseele beschäftigten. Die Veröffentlichung eines Fotos, auf dem Strauss-Kahn und seine Frau in einen Porsche Panamera S (im Wert von über 100'000 Euro) einsteigen, sorgte für Aufruhr. Erst die Erklärung Strauss-Kahns, es sei das Auto eines Freundes, konnte die Wogen etwas glätten. Das Bild erzeuge ein «desaströses» Image, schrieb «France-Soir», es wecke die «Kritik über sein Vermögen und seinen Lebensstil». DSK habe seine Liebe für schöne Sachen nie versteckt, schrieb Gala.fr. «Aber ein Jahr vor den Präsidentschaftswahlen gehört es nicht zum guten Ton eines Politikers, der das Kostüm eines Staatschefs anziehen will, seinen Hang zum Luxus zu zeigen.»

DerBund.ch/Newsnet

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