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Tessin rüstet sich für Kurzarbeit

Eurolöhne für Grenzgänger sind im Tessin besonders umstritten. Im Vordergrund stehen andere Massnahmen.

Luca Albertoni ist ein gefragter Mann. Bereits haben 50 Unternehmer mit dem Direktor der Tessiner Industrie- und Handelskammer (CCIA) Kontakt aufgenommen, um über die Folgen des Nationalbankentscheids zu sprechen. Von einer Erhöhung der Wochenarbeitszeit bei gleichem Lohn ist die Rede. In gewissen Branchen spricht man über die Möglichkeit, Normalarbeitsverträge ausser Kraft zu setzen. «Überlegt wird auch, Löhne zu kürzen oder in Euro zu zahlen», sagt Albertoni. Dies gelte besonders für Firmen mit vielen Grenzgängern. Teilweise wird an Betriebsversammlungen über freiwillige Lohnreduktionen nachgedacht.

Bei den Gewerkschaften kommen Eurolöhne schlecht an. Der CCIA-Direktor hat Verständnis dafür. Denn Eurolöhne könnten dazu führen, dass die Anstellung von Grenzgängern noch attraktiver wird – zulasten der Einheimischen. Dieses Szenario ist ein Politikum erster Güte für einen Kanton, in dem viele das Gefühl haben, von Grenzgängern verdrängt zu werden. Nicht zufällig stimmte der Südkanton der Zuwanderungsinitiative mit 68,2 Prozent und damit dem höchsten Ja-Stimmen-Anteil aller Kantone zu. Im Tessin sind über 25 Prozent der Erwerbstätigen Grenzgänger: ein landesweiter Rekord. Täglich strömen über 60'000 Arbeitskräfte aus Italien über die Grenze.

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