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Schwanger – na und?

Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern wird sexistisch angegriffen.

Sie reagiert immer gelassen: Jacinda Ardern bei einem Besuch auf den Philippinen im November 2017. Foto: Erik De Castro (Reuters)
Sie reagiert immer gelassen: Jacinda Ardern bei einem Besuch auf den Philippinen im November 2017. Foto: Erik De Castro (Reuters)

Jacinda Ardern ist seit Oktober Neuseelands Regierungschefin – eine junge, dynamische, linke Politikerin, die dem Land spürbar Zuversicht verleiht. In 100 Tagen, so verkündete sie Anfang Februar, habe ihre Regierung viele Fortschritte erzielt: Die Ausbildung ist günstiger, die Mieter sind besser geschützt, der Mindestlohn wird angehoben. Diese Woche ernannte sie einen Minister für Abrüstung: Ihr Land will sich als atomwaffenfreie Zone behaupten, was durch die Spannungen in Nordkorea erschwert wird.

Die Politik spielt in der Berichterstattung über die 37-Jährige allerdings fast keine Rolle. Es dominiert ein ganz anderes Thema: Die Premierministerin ist schwanger.

Mitte Januar kündigte Ardern an, dass sie und ihr Mann, Clarke Gayford, ein Kind erwarten. Gayford moderiert eine TV-Sendung für Angler. Ardern verschickte ein Bild zweier bauchiger Angelhaken, von denen einer einen dritten, kleinen Haken umschliesst: typisch für die direkte Art der Kommunikationsexpertin.

Aber ihre Toleranz wurde diese Woche auf eine harte Probe gestellt. Das war in einem Interview mit der australischen TV-Sendung «60 Minutes». Charles Wooley, ein 69-jähriger Reporter-Haudegen, schaffte es zuerst, eine Viertelstunde lang über die Politikerin zu berichten und dabei nur einmal auf ihre Politik zu sprechen zu kommen. Es ging um ihre guten Beziehungen zu den Ureinwohnern der Maori – aber vor allem darum, dass Ardern bei einem Maori-Fest am Grill stand und Wurst servierte.

Im Gespräch mit Ardern und Gayford stellte Wooley dann noch eine, wie er sagte, «wirklich wichtige politische Frage»: «Wann wird das Kind erwartet?» Mitte Juni? Es sei ja, fügte er hinzu, ein weitverbreiteter Zeitvertreib, jetzt Berechnungen anzustellen, wann der Nachwuchs wohl gezeugt worden sei. Doch nicht etwa während des Wahlkampfes? Ardern und Gayford lachten betreten. So weit müsse man nun wirklich nicht gehen, meinte die Premierministerin.

Die Sendung löste einen Sturm der Entrüstung aus. Wooley sei «ein Dinosaurier, der längst in Pension gehört», meinte eine Twitter-Nutzerin. «Widerlich, sexistisch, erbärmlich und offensichtlich peinlich», schrieb eine weitere Kommentatorin. Wooley verteidigte sich. Dass er Ardern «attraktiv» genannt habe, müsse man ja nicht gleich auf ihr Äusseres reduzieren.

Ardern selbst reagierte so, wie sie das immer tut: gelassen. Sie habe das Interview nicht als sonderlich unangenehm empfunden. Über die Schwierigkeiten, schwanger zu werden, hatte sie schon mehrfach gesprochen. Dass es jetzt plötzlich geklappt habe, sei «eine völlige Überraschung» gewesen. «Ich nehme mein Amt sehr ernst», sagte sie der Website The Spinoff. Sie habe einen genauen Plan für die Zeit nach der Geburt: Nach sechs Wochen Pause werde sie die Regierungsgeschäfte wieder übernehmen.

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