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Ein Sonderfall, den keiner will

Der EHC Kloten hat zwei grosse Fehler gemacht: Den radikalen Sparkurs und die Entlassung der Schlüsselfigur Pascal Müller.

Ein Team spielt schlecht, ein Club ist Letzter, der Trainer wird entlassen. Na und? So ist die Logik im Profisport, und so erklärte es auch Felix Hollenstein stets gern, als er noch Trainer war in Kloten. «Die Tabelle lügt nie», pflegte die Club­legende zu sagen. Und darum wäre die Freistellung von Pekka Tirkkonen nach 69 Meisterschafts­spielen und nur 1,06 Punkten pro Partie auch weiter nichts Besonderes.

Aber sie ist es eben doch. Aus zwei Gründen: Erstens ist der Club sowieso ein Sonderfall, seit er sich unter Präsident Hans-Ulrich Lehmann einem radikalen Sparkurs verschrieben hat, der zulasten des Sports geht. Und zweitens hat der EHC mit Pascal Müller auch noch seine zweite Schlüsselfigur im Sport ohne Not vor die Tür gesetzt. Jenen Mann wohlgemerkt, dem der Club vor sechs Monaten noch die Freigabe verweigerte, weil der ZSC nicht bereit war, für Müller eine Gegenleistung zu erbringen. Im April hätte der 38-Jährige zwei Jobs haben können, nun hat er keinen mehr. Und der EHC ein hausgemachtes Problem.

Schwierigen Spagat gemeistert

Denn in seinen vier Jahren Kloten hat sich der Emmentaler vom Laufburschen Sean Simpsons zum kompetenten Sportmanager entwickelt, der sich gerade bei den jüngeren Spielern sehr engagierte und den immer schwierigeren Spagat zwischen Präsident und Öffentlichkeit beachtlich meisterte. Wenn Lehmann verkündete, im Namen des Budgets auch den Abstieg in Kauf zu nehmen, musste Müller diplomatisch eingreifen. Wenn Lehmann verlautbarte, künftig ohne Ausländer zu spielen, musste Müller dem Team, den Sponsoren und der Öffentlichkeit erklären, dass es so weit nicht komme. Dass der EHC noch immer ein Sportclub sei.

Nun fehlt diese Stimme, und vielleicht ist die Doppelentlassung ein Zeichen dafür, dass Kloten eben doch ein Club wie jeder andere ist, dass sich nicht alles um die Jahresrechnung dreht. Was aber, wenn die Misere nicht am Trainer lag, sondern an der Qualität eines Teams, bei dem an allen Ecken gespart wird? Dann wäre Müllers Abgang keine Lösung, sondern erst der Anfang: eines Abstiegs, den keiner wollen kann.

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