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Der Thurgau will das Frühfranzösisch nicht

Das Kantonsparlament bleibt dabei: Die Schülerinnen und Schüler sollen erst auf der Oberstufe Französisch lernen.

Im Französischunterricht in einer Primarklasse.
Im Französischunterricht in einer Primarklasse.
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Nach einer langen und emotionalen Diskussion setzte das Thurgauer Kantonsparlament heute in Frauenfeld folgenden Satz ins Volksschulgesetz: «Französisch wird erst auf der Sekundarschule I unterrichtet.» Damit bestätigte es seinen Vorentscheid. Im August 2014 hatte das Parlament eine Motion zur Abschaffung des «Frühfranzösisch» als erheblich erklärt – und so insbesondere in der Romandie für Entrüstung gesorgt.

Dass das Parlament heute nochmals über dasselbe Thema debattierte, ist der Regierung geschuldet. Diese ist für das Frühfranzösisch und legte dem Parlament die Vorlage nochmals vor. Wie SVP-Erziehungsdirektorin Monika Knill in der Debatte sagte, stimmt es nicht, dass die Schüler mit dem Frühfranzösisch überfordert sind. Das habe eine Umfrage unter der Thurgauer Lehrerschaft ergeben. Verschiebe das Parlament den Französischunterricht aber auf die Oberstufe, gefährde es den Sprachenfrieden.

Noch eine Chance

Knill kämpfte jedoch vergeblich für das Frühfranzösisch – und damit gegen ihre eigene Partei. SVP, CVP und Grüne wollen es abschaffen, SP und FDP bewahren. Heute sieht die Thurgauer Stundentafel vor, dass Primarschüler ab der dritten Klasse Englisch lernen und ab der fünften Französisch – so wie in den meisten Deutschschweizer Kantonen.

Noch ist der Entscheid nicht definitiv: Die Befürworter des Frühfranzösisch können nach der Schlussabstimmung vom 14. Juni das Behördenreferendum ergreifen. Dafür muss es mindestens von 30 der 130 Ratsmitglieder unterstützt werden. Dann wäre wieder das Stimmvolk am Zug.

Bündner Initiative ist gültig

Zur selben Zeit wie in Frauenfeld ist gestern auch in der Westschweiz ein Entscheid zu den Fremdsprachen gefällt worden. Das Bundesgericht in Lausanne befand, dass die Bündner Fremdspracheninitiative gültig ist und nicht offensichtlich übergeordnetem Recht widerspricht – es kommt auf die Umsetzung an. Der Entscheid fiel jedoch knapp, mit drei zu zwei Stimmen. Damit stützte es den Entscheid der Vorinstanz, dem Bündner Verwaltungsgericht.

In Graubünden, wo mit Romanisch, Italienisch und Deutsch drei Nationalsprachen gleichberechtigt nebeneinander gesprochen und geschrieben werden, ist die Situation besonders anspruchsvoll. Die Promotoren der Fremdspracheninitiative verlangen, dass in der Primarschule nur noch Deutsch oder Englisch als Fremdsprache unterrichtet wird – Deutschsprachige sollen Englisch lernen, Romanisch- und Italienischsprachige Deutsch. Diese wehrten sich jedoch vehement dagegen: Sie wollen nicht erst die Sprache der Mehrheit lernen müssen, während diese dem Englisch den Vorzug gibt.

Die Bündner Regierung hatte dem Parlament beantragt, die Initiative für ungültig zu erklären – sie verstosse gegen Bundesrecht und benachteilige die Minderheiten. Nun befürchtet Erziehungsdirektor Martin Jäger, dass der Sprachfriede im Kanton gestört wird, wie er der Nachrichtenagentur SDA sagte.

Gegner scheiterten bisher

So können nun auch die Bündnerinnen und Bündner in absehbarer Zeit darüber abstimmen, ob in der Primarschule nur noch eine Fremdsprache unterrichtet werden soll. Eine ganze Reihe von Kantonen wie Schaffhausen, Thurgau oder Appenzell Innerrhoden hat es im Rahmen von Abstimmungen zum Lehrplan 21 bereits getan – und den Lehrplan bestätigt.

Bei anderen steht eine Abstimmung noch bevor, etwa im Baselland oder in Luzern. Die Stimmenden in Zürich können bereits am 21. Mai entscheiden. Zürcher Lehrerverbände fordern mit ihrer Initiative, dass in der Primarschule künftig nur noch eine Fremdsprache unterrichtet wird – welche, lassen sie offen. Würden weiterhin zwei unterrichtet, so insinuieren sie auf Plakaten, sprächen die Schülerinnen und Schüler am Ende «Frengzöslisch», also keine Sprache richtig.

Heute werden in allen Kantonen zwei Fremdsprachen an der Primarschule unterrichtet – dazu haben sich die Kantone mit Harmos verpflichtet. Nur Uri und Appenzell Innerrhoden scheren aus. In den meisten Kantonen lernen die Kinder erst eine Landessprache, etwa in der Romandie, im Tessin und in Graubünden. Insbesondere Kantone in der Innerschweiz und der Ostschweiz geben jedoch dem Englischen den Vorzug. Viele Lehrkräfte und Eltern sind der Ansicht, dass Kinder mit zwei Fremdsprachen in der Primarschule überfordert sind, und wollen die zweite auf die Oberstufe schieben.

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