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Begegnung mit der Ewigkeit

Donald Trumps Audienz beim Papst soll der Reparatur einer Verstimmung dienen – und hübsche Bilder liefern.

Bereitet sich auf Trump und seinen Tross vor: Papst Franzikus. Foto: Giuseppe Ciccia (Pacific Press, Getty Images)
Bereitet sich auf Trump und seinen Tross vor: Papst Franzikus. Foto: Giuseppe Ciccia (Pacific Press, Getty Images)

Wenn Donald Trump an diesem Mittwochmorgen, kurz nach acht Uhr, im Vatikan vorfährt, ist das Wichtigste schon passiert. Lange hatte Trump nämlich gezögert mit seiner Anfrage für eine Privataudienz beim Papst – unüblich lange, manche würden sagen: unziemlich lange. Als trüge er Franziskus es noch nach, dass ihn der während der Wahlkampagne im letzten Jahr einmal scharf gerügt hatte. Es wäre das erste Mal seit Ende des Zweiten Weltkriegs ­gewesen, dass ein amerikanischer Präsident auf Italienreise den Papst nicht besucht. Und doch soll es viel Vermittlungsarbeit gebraucht haben, um Trump von der diplomatischen Notwendigkeit eines Treffens zu überzeugen, berichtet das gut informierte Nachrichtenportal «Vatican Insider». Erst vor drei Wochen fand man einen passenden Termin.

Als trüge er Franziskus es noch nach, dass ihn der während der Wahlkampagne im letzten Jahr einmal scharf gerügt hatte.

Danach stritten sich die Protokollabteilungen beider Seiten ausgiebig über die Modalitäten. Franziskus verbat sich, dass der Tross des Präsidenten die Pilger und Gläubigen behindere, die sich nur kurz nach der Begegnung auf dem Petersplatz zur wöchentlichen General­audienz versammeln. Den Amerikanern wurde deshalb vorgeschlagen, Trump mit einem Helikopter ein- und auszufliegen, um den römischen Verkehr nicht zu blockieren – im Vatikan gebe es schliesslich einen kleinen Landeplatz. Doch als die Gegenseite ausrichtete, für den Transport der ganzen Delegation brauche man vier sehr grosse Helikopter, verwarf man die Idee wieder. Trump wird wahrscheinlich mit «The Beast» kommen, der Bestie, einem gepanzerten Ungetüm von einem Auto.

Der Rest des Rituals liegt aber ganz in der Hand des Vatikans, es ist fein orchestriert und abertausendmal erprobt. Die Gäste werden durch die prächtigen Hallen des Apostolischen Palasts geführt, vorbei an Schweizer Gardisten in bunten Uniformen aus einer anderen Zeit, hinauf zur Päpstlichen Bibliothek im zweiten Stock. Alles suggeriert: Eure weltliche Macht ist vergänglich, das hier ist auf Ewigkeit angelegt. Zwiegespräche mit dem Papst dauern in aller Regel zwischen zwanzig und vierzig Minuten. Endet es nach weniger als zwanzig Minuten, muss man annehmen, dass sich die beiden nicht viel zu sagen hatten. Diesmal werden alle Stoppuhren laufen.

Franziskus und Trump sind sich in den meisten politischen Fragen uneinig, begonnen bei der Immigration.

Franziskus und Trump sind sich in den meisten politischen Fragen uneinig, begonnen bei der Immigration. Als er im vergangenen Jahr die USA besuchte, sagte der Papst, wer Mauern baue, sei kein Christ. Trump erwiderte, niemand habe das Recht, über den Glauben eines anderen Menschen zu richten. Der Papst möge sich gefälligst aus der amerikanischen Innenpolitik heraushalten. Die «New York Times» fragte danach: «Ist der Papst der Anti-Trump?» Unterschiedlich sehen die beiden Herrschaften auch den Klimawandel, die Armutsbekämpfung, den Dialog mit der muslimischen Welt.

Einig ist man sich hingegen darin, dass die Verfolgung der Christen im Nahen Osten aufhören müsse, und dazu erwartet man auch das stärkste gemeinsame Bekenntnis. Ausserdem steht Trump «Pro Life» nahe, den Gegnern der Abtreibung, und das gefällt Franziskus. Als Trump den Bundesrichter Neil Gorsuch, ebenfalls «Pro Life», in den Supreme Court beförderte, wurde die Personalie im Vatikan mit Wohlwollen quittiert. Überhaupt hat sich Franziskus’ Verstimmung seit der Wahl Trumps gelegt. Ob man ihm riet, sich zurückzuhalten, ist nicht bekannt. Jedenfalls äusserte er sich nie mehr abfällig. Als man ihn unlängst auf das Treffen mit dem Präsidenten ansprach, sagte der Argentinier, er rede mit jedem, der das wünsche, und urteile erst danach.

Beide Seiten sind bemüht, die Beziehung zu reparieren. Dazu gehört wohl auch, dass der Papst die Entsendung der neuen US-Botschafterin am Heiligen Stuhl dieser Tage diskussionslos akzeptierte.

Beide Seiten sind bemüht, die Beziehung zu reparieren. Dazu gehört wohl auch, dass der Papst die Entsendung der neuen US-Botschafterin am Heiligen Stuhl dieser Tage diskussionslos akzeptierte: Die TV-Produzentin Callista Gingrich ist die dritte Ehefrau von Newt Gingrich, dem Republikaner und ehemaligen Sprecher des Repräsentantenhauses. Franziskus hätte durchaus finden können, eine Frau, die jahrelang eine Affäre mit einem verheirateten Mann hatte, passe nicht auf den Posten. Es kommt immer mal wieder vor, dass der Papst eine Akkreditierung ablehnt, weil ihm der Lebenswandel oder die sexuelle Orientierung eines Anwärters missfällt. Diesmal nicht. Vielleicht rechnet man Callista Gingrich im Vatikan hoch an, dass sie ihren Gatten, einen Baptisten aus Pennsylvania, dazu gebracht hat, der katholischen Kirche beizutreten.

Zum strengen Protokoll einer Privataudienz gehört auch, dass sich Gastgeber und Gast nach der Unterredung und in Präsenz von Kameraleuten beschenken. Der Papst schenkt normalerweise eine Medaille und seine gesammelten Schriften, rot eingefasst. Auch «Laudato si’» wird wohl wieder dabei sein, Franziskus’ zweite Enzyklika, in der er sich seiner grossen Sorge um die Umwelt widmet. Trump ist da eher nicht so arg besorgt. Dennoch darf man annehmen, dass dann alle viel lächeln werden, damit es schöne Bilder gibt.

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