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Krise in der LuftfahrtbrancheSwiss will Kurzarbeitslöhne nicht länger aufstocken

Noch verdienen die Mitarbeiter auch in Kurzarbeit so viel wie vorher. Das kann sich die Swiss nicht mehr lange leisten.

Parkierte Swiss-Flieger in Dübendorf: Die Krise dürfte noch lange dauern.
Parkierte Swiss-Flieger in Dübendorf: Die Krise dürfte noch lange dauern.
Foto: Ennio Leanza (Keystone)

An einem einzigen Flugzeug von Swiss hängen bis zu 155 Arbeitsplätze. Neben Pilotinnen und Piloten und Flugbegleitern sind das unter anderen auch Techniker. Derzeit müssen bei der Fluggesellschaft aber mehr als 90 Flugzeuge am Boden bleiben. Swiss hat deshalb für rund 9500 Mitarbeiter zunächst für drei Monate Kurzarbeit beantragt. Und wie es aussieht, wird diese verlängert.

In einem Schreiben wurden die Angestellten darüber informiert, dass die Kurzarbeit länger bestehen dürfte. Zusätzlich stimmte Swiss-Chef Thomas Klühr seine Mitarbeiter in einer internen Videobotschaft auf härtere Zeiten ein. Ab Juni, so der Swiss-Chef, werde die Airline nicht mehr in der Lage sein, die Kurzarbeitslöhne so aufzustocken, dass die Mitarbeiter keine Einbussen hinnehmen müssen. Wie andere Schweizer Unternehmen sorgt Swiss bislang dafür, dass die Angestellten trotz Kurzarbeit noch 100 Prozent ihres Lohnes erhalten.

Kurzarbeit wird definitiv verlängert

Das kann sich die Fluggesellschaft bald nicht mehr leisten. Denn auch bei Swiss ist die Liquidität nicht endlos. Für wie lange genau die Reserven noch reichen, will man nicht sagen. Doch per Anfang April blieben dem Mutterkonzern Lufthansa noch flüssige Mittel für etwa 17 Wochen. Auch zur genauen Länge der Kurzarbeit sagt Swiss nichts Konkretes.

«Da sich die Corona-Krise weltweit länger hinzieht als zu Beginn angenommen, werden wir die Kurzarbeit für unsere gesamte Belegschaft sicherlich verlängern müssen», bestätigt ein Sprecher. «Derzeit befinden wir uns in engem Austausch mit unseren Sozialpartnern und können keine weiteren Angaben machen.» Doch selbst wenn die Ansteckungskurven abflachen, eine schnelle Erholung der Luftfahrt ist nicht in Sicht.

Ältere, dafür kleinere Flieger nach dem Neustart

Die aktuelle Krise ist deutlich einschneidender als die nach den Anschlägen vom 11. September 2001 mit ihren Nachwirkungen. «Nach unserer Einschätzung wird es Monate dauern, bis die globalen Reisebeschränkungen vollständig aufgehoben sind, und Jahre, bis die weltweite Nachfrage nach Flugreisen wieder dem Vorkrisenniveau entspricht», so der Swiss-Sprecher.

Momentan prüfe man verschiedene Szenarien hinsichtlich Zeitpunkt der Wiederaufnahme des Betriebs, angebotener Strecken und Anzahl sowie Grösse der einzusetzenden Flugzeuge. Laut Klührs Videobotschaft heisst das unter anderem, dass statt Boeing 777 zunächst die älteren und eigentlich weniger effizienteren Airbus A340 zum Einsatz kommen. «Wir besitzen mit ihnen die idealen Flugzeuge.» Der Grund: Sie sind leichter zu füllen. In einen A340 passen 224 Passagiere, in eine Boeing 777 gleich 340.