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Was in der NBA zu reden gibtStrikte Corona-Regeln – doch Harden macht Party

Die Saison in der NBA, der weltbesten Basketballliga, hat begonnen. Topspieler werden vergoldet, und diverse Stars bieten Gesprächsstoff.

Derzeit angeschlagen: Der Genfer Clint Capela hat für Atlanta bisher erst Testspiele bestritten.
Derzeit angeschlagen: Der Genfer Clint Capela hat für Atlanta bisher erst Testspiele bestritten.
Foto: Brandon Dill (AP/Keystone)

Im neuen Team gehört Capela nicht mehr zu den Jungen

Weil NBA-Pionier Thabo Sefolosha keinen Arbeitgeber gefunden hat, ist Clint Capela der einzige Schweizer in der weltbesten Basketballliga. Der Genfer war am 5. Februar im Rahmen eines Tauschgeschäfts von Houston nach Atlanta transferiert worden, hat aber noch nie für sein neues Team einen Ernstkampf bestritten. Zuerst hatte er wegen einer Fersenverletzung pausiert, nun verpasste er den Saisonstart wegen Schmerzen in der linken Achillessehne. Trotzdem ist der 26-Jährige optimistisch.

In Houston sei er oft der Jüngste auf dem Feld gewesen, «die Hawks hingegen haben sehr viele junge Spieler. Das ist für mich eine tolle Chance, mehr Verantwortung zu übernehmen», liess er verlauten. Capela soll Atlanta in der Defensive stabilisieren, in der Offensive verfügt das Team um den erst 22-jährigen Spielmacher Trae Young über sehr viel Potenzial. «Es macht riesigen Spass, täglich mit ihm an unseren Automatismen zu feilen. Da entsteht etwas Grosses», sagte Capela.

«Der Bart» gibt nicht wegen seiner Würfe zu reden

Kein Musikgehör mehr für Houston: James Harden versucht, seinen Abgang zu erzwingen.
Kein Musikgehör mehr für Houston: James Harden versucht, seinen Abgang zu erzwingen.
Foto: Carmen Mandato (AP/Keystone)

James Harden ist nach LeBron James eines der wichtigsten Aushängeschilder der NBA. Kein Spieler hat einen solchen Wiedererkennungswert, was an seinem eindrücklichen Bart, aber auch an seiner Punkteausbeute liegt – in den vergangenen drei Saisons war er stets Liga-Topskorer. Nur: Der Grosserfolg hat sich bislang bei den Houston Rockets nicht eingestellt. Und das, obwohl Harden in den Saisonpausen jeweils erfolgreich polterte und seine Chefs dazu brachte, teure Co-Stars für viel Geld zu ersetzen. Doch nun will Harden weg aus Texas und verlangte einen Trade.

Die Rockets sind aber nicht bereit, ihn einfach so herzugeben, zumal sein Vertrag noch bis 2023 läuft. Worauf Harden Anfang Dezember bockte: Statt ins Trainingscamp einzurücken, feierte er in Atlanta und Las Vegas Partys – natürlich ohne die von der Liga verordnete Maske. Mit einigen Tagen Verspätung tauchte er wieder auf, doch die Saga ist damit nicht zu Ende: Kurz vor dem Saisonstart verstiess er gegen die Corona-Regeln der Liga. Mit 50’000 Dollar wurde er dafür gebüsst – ein lächerlicher Betrag für einen, der in seiner Karriere weit über 200 Millionen verdient hat.

Der Fall zeigt die Macht der Stars: Letztlich wird Harden sein Ziel, also den Teamwechsel, erreichen. Manche Organisation ist daran interessiert, einen Topskorer zu engagieren. Allen seinen Mätzchen zum Trotz.

Corona sorgt für leere Stadien und Verbote

Leere Ränge im Madison Square Garden: Das Coronavirus sorgt auch in der NBA für Geisterspiele.
Leere Ränge im Madison Square Garden: Das Coronavirus sorgt auch in der NBA für Geisterspiele.
Foto: Adam Hunger (AP/Keystone)

Die Blase in Orlando war ein grosser Erfolg gewesen. Kein einziger Corona-Fall störte den Ablauf des NBA-Playoffs. Nun wird wieder in den normalen Stadien gespielt. Nur die Toronto Raptors dürfen nicht daheim antreten. Weil die kanadische Regierung von Einreisenden eine vierzehn Tage dauernde Quarantäne verlangt, dislozierten die Raptors nach Tampa (Florida).

Die meisten Organisationen verzichten auf Publikum, einige Teams wollen ein paar wenige Zuschauer zulassen. Bisher sind allerdings ausschliesslich Geisterspiele ausgetragen worden. Für die Spieler und Mitarbeiter gibt es strikte Regeln; verboten ist etwa der Besuch von Sportveranstaltungen, Clubs, Bars und Wellnessoasen. Trotzdem musste schon am zweiten Tag eine Partie abgesagt werden, weil sich diverse Spieler der Houston Rockets angesteckt oder nicht an die Vorgaben gehalten hatten. Sollten sich solche Fälle häufen, käme wohl ein neues Konzept zum Tragen: mehrere Miniblasen.

Die Lakers werden diesmal klar favorisiert

LeBron James und die Los Angeles Lakers lassen die Muskeln spielen: Die Titelverteidiger sind eher noch stärker geworden.
LeBron James und die Los Angeles Lakers lassen die Muskeln spielen: Die Titelverteidiger sind eher noch stärker geworden.
Foto: Mark J. Terrill (AP/Keystone)

Eigentlich hat sich nichts geändert: LeBron James und Anthony Davis spielen wie schon vergangene Saison für die Los Angeles Lakers. Und trotzdem schauen die Kräfteverhältnisse in der Liga ganz anders aus: Vor einem Jahr waren die Lakers eines aus einer Handvoll Teams, die sich Chancen auf den Titel ausrechnen durften – dank dem neuen Tandem James-Davis. In der Blase von Miami demonstrierten die beiden dann, wie dominant sie auftreten können, und führten die Lakers souverän zum Titel.

Das macht die Lakers zum klaren Favoriten, weil die Liga nun nicht mehr nur eine Vorahnung hat, wie unaufhaltsam das Monsterduo sein kann, sondern Gewissheit. Entwickelt sich da die nächste Lakers-Dynastie? Beide stehen noch mindestens drei Saisons unter Vertrag. Einziges Fragezeichen: Kann James sein Topniveau so lange halten – oder spürt der 36-Jährige irgendwann doch sein Alter?

Unterschiedliche Comebacks zweier Superstars

Nach seinem Achillessehnenriss wieder dynamisch unterwegs: Kevin Durant ist das Comeback beim neuen Arbeitgeber, den Brooklyn Nets, geglückt.
Nach seinem Achillessehnenriss wieder dynamisch unterwegs: Kevin Durant ist das Comeback beim neuen Arbeitgeber, den Brooklyn Nets, geglückt.
Foto: Michael Dwyer (AP/Keystone)

Ein Achillessehnenriss ist für einen Profibasketballer die schlimmste aller Standardverletzungen. Die meisten Spieler erreichen danach nie mehr ihr bestes Niveau. Doch Kevin Durant, viermaliger NBA-Topskorer, machte beim Comeback nach 18 Monaten Pause einen hervorragenden Eindruck; er sprang fürs Dunken leichtfüssig ab, und seine Würfe waren präzis wie eh und je.

Zusammen mit Kyrie Irving, zuletzt wegen einer Schulterverletzung ausgefallen, führte er die Brooklyn Nets zu zwei Kantersiegen. Deutlich schwerer tat sich Stephen Curry, der andere Superstar, der nach einer langwierigen Verletzung (Handbruch) an frühere Zeiten anknüpfen will.

Der wohl beste Weitschütze in der NBA-Geschichte traf nur mit 4 seiner 20 Dreipunktewürfe und bezog mit Golden State bisher zwei haushohe Niederlagen. Die Prognose sei gewagt: Während Durant mit den Nets auch dank Irving um den Titel kämpfen kann, werden die Warriors keine Rolle spielen, weil Currys kongenialer Partner Klay Thompson die ganze Saison ausfällt – wegen eines Achillessehnenrisses.

Ein Teamleader kostet pro Jahr über 30 Millionen Dollar

Dominant auf und neben dem Feld: Giannis Antetokounmpo (links) hat mit den Milwaukee Bucks für 228 Millionen um fünf Jahre verlängert.
Dominant auf und neben dem Feld: Giannis Antetokounmpo (links) hat mit den Milwaukee Bucks für 228 Millionen um fünf Jahre verlängert.
Foto: Michael Dwyer (AP/Keystone)

Trotz Corona: Geldsorgen scheinen die NBA-Teambesitzer nicht zu kennen. Das zeigen die Verträge, die vor dem Saisonstart unterschrieben wurden. Darunter waren zehn Kontrakte mit einer Lohnsumme von jeweils über 100 Millionen Dollar. An der Spitze Giannis Antetokounmpo, der ab nächster Saison bei den Milwaukee Bucks für fünf Jahre mit 228 Millionen entlöhnt wird, «knapp» gefolgt von Rudy Gobert (Utah Jazz / 205 Mio.), Jayson Tatum (Boston Celtics / 195 Mio.), Donovan Mitchell (Denver Nuggets / 195 Mio.), Anthony Davis (Los Angeles Lakers / 190 Mio.), Paul George (Los Angeles Clippers / 176 Mio.), DeAaron Fox (Sacramento Kings / 163 Mio.), Bam Adebayo (Miami Heat / 163 Mio.) und Brandon Ingram (New Orleans Pelicans / 158 Mio.).

Jährliche Saläre von 30 bis 45 Millionen scheint die Richtgrösse für NBA-Teamleader zu sein – alle Verträge wurden als «realistisch» eingestuft. Einzig die 120 Millionen, die der verletzungsanfällige Gordon Hayward für die kommenden vier Jahre mit den Charlotte Hornets aushandelte, wurden als zu hoch empfunden.

Erst 21, doch Doncic greift schon nach der Krone

Kaum zu verteidigen: Luka Doncic von den Dallas Mavericks ist mit 21 Jahren schon ein überragender Allrounder.
Kaum zu verteidigen: Luka Doncic von den Dallas Mavericks ist mit 21 Jahren schon ein überragender Allrounder.
Foto: Tony Gutierrez (AP/Keystone)

LeBron James gebärdete sich als beleidigte Leberwurst, als Giannis Antetokounmpo (Milwaukee) im September zum zweiten Mal zum MVP gekrönt wurde. Viermal ist der Superstar der Lakers bisher zum wertvollsten Spieler der Liga gewählt worden. Es ist gut möglich, dass keine fünfte Auszeichnung mehr dazukommt. Denn James droht nicht nur vom 26-jährigen Griechen Konkurrenz – es erreichen immer mehr junge Spieler Topniveau.

Der Beste der Aufstrebenden ist Luka Doncic (Dallas). Die General Manager aus der NBA räumen dem erst 21-jährigen Slowenen schon jetzt hinter Antetokounmpo die zweitbesten Chancen auf den MVP-Titel ein. Kein Wunder: Doncic wurde mit 18 in Spanien und in der Euro League MVP; und seither wird er von Jahr zu Jahr noch besser. Einige NBA-Rekorde hat er bereits gebrochen, beim Playoff-Debüt beispielsweise schaffte er 42 Punkte, und danach verbuchte er in einer Playoff-Partie 43 Punkte, 17 Rebounds und 13 Assists – noch Fragen?

1 Kommentar
    Mike P

    Harden ist zwar ein Phänomen individuell, doch nicht der ultimative Teamplayer. LeBron James ist trotz auch unglaublichen individuellen Talents ein wahnsinnig guter Teamplayer, und da Basketball ein Teamsport bekanntlich ist, zahlt sich das in den Mannschaftsgewinnen wie NBA-Championships (4 James - 0 Harden) seit Jahren auch aus. Deshalb ist James der wahrscheinlich wertvollste Spieler aller Zeiten, wenn nicht sogar wertvoller als Michael Jordan, aber diese Debatte ist sehr umstritten.

    James geriet in fast 20 Jahren nie in negativen Schlagzeilen der Presse, was fast schon wie ein Wunder wirkt, aber auf seine Beständigkeit, Ausdauer und enormen Intellekt auf und ab dem Feld zurückzuführen ist.

    Und so sehe ich auch die Verbindung zu der oben angesprochenen Kritik. Harden wirkt allgemein egoistischer und leichtsinniger.