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Rote Zahlen bei VeloverleihStadt schliesst Beteiligung an Publibike nicht aus

Der Berner Gemeinderat betrachtet es als wahrscheinlich, dass in Zukunft öffentliche Betriebsbeiträge nötig sein werden, um ein flächendeckendes Veloverleihsystem aufrechtzuerhalten.

Der Veloverleih Publibike kämpft schon lange mit Geldsorgen.
Der Veloverleih Publibike kämpft schon lange mit Geldsorgen.
Franziska Rothenbühler

Seit seinem Bestehen schreibt der Veloverleih Publibike, der seit 2018 auch in Bern tätig ist, rote Zahlen. Vergangenen Juni hat der von der Postauto AG betriebene Verleih deshalb eine Suche nach Partnern lanciert, die das Angebot wieder rentabel machen sollen. Als mögliche Alliierte wurde auch die Stadt Bern gehandelt. Auf Anfrage sagte der städtische Verkehrsplaner Karl Vogel damals: Eine Anfrage seitens Publibike würde auf jeden Fall sorgfältig geprüft. Konkreter wurde Vogel aber nicht.

Nun lässt die Antwort des Gemeinderates auf eine von Freisinnigen und der BDP eingereichten interfraktionellen Motion vermuten, dass die Stadt früher oder später als Geldgeberin einspringen wird. So fordern die Motionäre vom Gemeinderat, sicherzustellen, dass in Bern künftig ein funktionierendes Veloverleihsystem verfügbar ist, welches von einem privaten Anbieter und ohne Einsatz von öffentlichen Beiträgen bereitgestellt wird.

Diesen Punkt lehnt der Gemeinderat in seiner Antwort ab: «Aufgrund der bisherigen Erfahrungen und der generellen Entwicklung ist zu vermuten, dass ein Veloverleihsystem, das flächendeckend, für alle zugänglich und preiswert ausgestaltet ist, langfristig nicht selbsttragend betrieben werden kann», schreibt der Gemeinderat. «Es ist daher wahrscheinlich, dass dafür in Zukunft öffentliche Betriebsbeiträge nötig sein werden.»

Neues Ausschreibungsverfahren

Der Vertrag mit Publibike läuft noch bis Ende 2022. Dann soll erneut ein Ausschreibungsverfahren lanciert werden: «Für die neue Phase wird – Stand heute – erneut ein Ausschreibungsverfahren angestrebt, welches allen Interessierten die Möglichkeit gibt, ein Angebot einzureichen», so der Gemeinderat. Dass die Stadt dabei ebenfalls mitmischen wird, schliesst er in seiner Antwort nicht aus: «Ob in Zukunft allenfalls – mangels Angebot von privater Seite – ein von der Stadt selber betriebenes Veloverleihsystem zum Einsatz kommen soll, ist nicht heute zu entscheiden.»

Freisinn gegen Subvention

Das Mitmischen der Stadt in der Finanzierung eines Veloverleihs passt den Bürgerlichen nicht. Der Berner Freisinn teilte bereits vergangenen Sommer mit, dass er zusätzliche finanzielle Zuschüsse an Publibike entschieden bekämpfen werde. «Es gäbe Anbieter, die würden wohl ohne Subvention ein solches Verleihsystem betreiben», sagte Stadtrat Tom Berger damals gegenüber dem «Bund». Besonders ärgerlich sei, dass Publibike die städtische Ausschreibung unter anderem aufgrund des Versprechens gewonnen habe, ohne Zuschüsse der öffentlichen Hand zu arbeiten, so Berger.

Bei der bernischen SP klang es hingegen positiver: So wollte SP-Stadtrat Michael Sutter eine Partnerschaft nicht von vornherein ausschliessen.

Um sein aktuelles Defizit zu minimieren, verlangt die Postauto-Tochter Publibike von den Gemeinden seit Januar Geld für den Betrieb des Verleihsystems. Die Rede ist von bis zu 10'000 Franken pro Station und Jahr – obwohl Bern und Köniz dieselbe Dienstleistung ohne finanzielle Gegenleistung erhalten.