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Zum Star geformt, zum Sieg gebracht

Der Russe Alexander Choroschilow deklassierte beim Nachtslalom in Schladming die Konkurrenz, der Walliser Daniel Yule wurde 10.

42'500 Zuschauer beim Nachtslalom an der Planai: Schladming bleibt unerreicht im Weltcup. Foto: Hans Oberländer (Gepa)
42'500 Zuschauer beim Nachtslalom an der Planai: Schladming bleibt unerreicht im Weltcup. Foto: Hans Oberländer (Gepa)

Da sag noch einer, Slalomfahren sei keine Kopfsache. 30 Jahre alt musste der Russe Alexander Choroschilow werden, 58 Weltcuprennen im Slalom musste er bestreiten, mehr als ein 12. Rang hatte nicht herausgeschaut, dazu die Enttäuschung als 14. bei den Olympischen Heimspielen in Sotschi. Eine Karriere, die ausserhalb der Familie und des Freundeskreises nicht registriert wurde. Es begann die Saison 2014/15, plötzlich war Choroschilow immer in den Top 10, in Åre als Dritter auf dem Podest, und dann fuhr er gestern beim legendären Nachtslalom von Schladming allen davon, den Hirschers und Neureuthers, Hargins und Kristoffersens. Noch nie hat ein Russe ein alpines Weltcuprennen gewonnen, vor 34 Jahren gewann Alexander Schirow zuletzt für die Sowjetunion.

Deutsches Dreierpaket

1,44 Sekunden lag Choroschilow am Ende vor Stefano Gross (It), dahinter folgten Felix Neureuther und Fritz Dopfer, und dass Linus Strasser (22) als Fünfter daraus ein deutsches Dreierpaket machte, war fast so erstaunlich wie Choroschilows Sieg. Nahe dran am Exploit war auch ­Daniel Yule, dennoch war der Walliser als 10. enttäuscht: «Wenn du nach dem ersten Lauf Sechster bist, willst du auch in der Schlussrangliste mindestens Sechster sein», sagte er. Im zweiten, unrhythmischer gesteckten Lauf sei er nicht so gut ins Fahren gekommen. «Schade», sagte er und schon sah er das Gute in seinem Auftritt: «Jetzt kommt die WM, und ich weiss, dass meine Form stimmt.» Damit konnte Yule ein Schweizer Debakel verhindern: er war der Einzige im zweiten Durchgang.

Aber was ist bloss mit Choroschilow los? «Ich habe momentan ein sehr gutes Gefühl auf den Ski», sagte er. «Und ich bekomme immer mehr Selbstvertrauen.» Ein Wunder sei das nicht, sagt der Slowene Jani Hladnik, seit fünf Jahren sein Trainer, «wir lernen uns immer besser kennen». Zudem stiess nach Olympia Wolfgang Mitter als Alpindirektor zum russischen Team. Der Schladminger besorgte hervorragend präparierte Übungspisten in seiner steirischen Heimat, Choroschilow war bereit, eine zeitlang auf Ehefrau Maria und Töchterchen Anna zu verzichten, die in Moskau geblieben sind. «Wir kommunizieren viel via Skype», verriet der Fahrer der «Kleinen Zeitung» aus Graz.

Das Resultat ist beachtlich. Allerdings, sagt Mitter, sei ein anderer Punkt genau so entscheidend gewesen. Und da wären wir wieder bei der Kopfsache. «Der Alexander hat sich früher immer minderwertig gefühlt, er sagte: ‹Ui, da ist der Weltmeister, oh, ich fahre gegen den Olympiasieger.› Diesen übergrossen Respekt mussten wir aus ihm rausbekommen.» Und wie? Mitter erzählt lachend, wie sie versucht hätten, Choroschilow die gleiche Sonderbehandlung zukommen zu lassen, wie sie andere Slalom­fahrer haben. «Wir fuhren ihn im Training zum Beispiel mit dem Skidoo vom Ziel zurück zum Start, das hatte er bei Hirscher immer gesehen. Und plötzlich glaubte auch Alexander daran, dass er ein Star ist.»

Hirscher lediglich 14.

«Das war ein Wahnsinn», sagte Neureuther, «das musst du so im zweiten Lauf erst einmal nervlich herunterbringen, wenn du nach dem ersten Durchgang zum ersten Mal führst.» Und was war mit Marcel Hirscher? Der Überflieger musste nach Kitzbühel eine zweite Niederlage hinnehmen, aber da war er immerhin Zweiter geworden, jetzt verlor er als 14. gegenüber Neureuther in der Slalomwertung. Hirscher war gesundheitlich angeschlagen, aber er sagte: «Ich bin einfach schlecht gefahren.»

Ganz anders als Choroschilow. Und der hat mittlerweile soviel Selbstvertrauen, dass er für seinen Namen kämpft. «Ich schreibe mich mit ‹Ch› am Anfang», sagt er, «nicht mit ‹Kh›, wie es der Internationale Skiverband tut.» Muss ja auch einmal gesagt sein.

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