Warum immer ein Mann?

Die Wahl von Dario Cologna als Fahnenträger ist eine verpasste Chance.

Pyeongchang: Fahnenträger Dario Cologna zur Vorfreude, Kälte und zum Doping. (Video: Tamedia/SDA)

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Dario Cologna ist ein würdiger Fahnenträger zur Eröffnung der Winterspiele von Pyeongchang. Dreifacher Olympiasieger, Weltmeister und kürzlich der vierte Sieg an der Tour de Ski – der Bündner kann der Wintersportnation Schweiz in Südkorea viel Freude bereiten. Seine Wahl zum Fahnenträger ist nachvollziehbar.

Aber sie ist auch eine verpasste Chance. Denn die Zeit wäre reif gewesen für eine Fahnenträgerin, die erste bei Winterspielen nach 26 Jahren.

Seit Lillehammer 1994 haben stets Männer die Schweizer Flagge ins Olympiastadion getragen, der Reihe nach: Gustav Weder, Guido Acklin (beide Bob), Gian Simmen, Philipp Schoch (beide Snowboard), Stéphane Lambiel (Eiskunstlauf) und Simon Ammann (Skisprung). Keiner von ihnen war eine falsche Wahl, weil jeder von ihnen bei den Spielen zuvor eine Medaille gewonnen hatte. Cologna führt diesen Reigen fort.

2014 in Sotschi haben aber auch Frauen Edelmetall geholt: Dominique Gisin und Patrizia Kummer Gold, Selina Gasparin Silber, Lara Gut sowie die Eishockeyanerinnen Bronze – ausser Gisin sind alle wieder dabei. Kummer, Gasparin und ganz besonders Gut mit ihrer internationalen Ausstrahlung wären sehr gute Alternativen zu Cologna gewesen. Natürlich ist die Teilnahme an der Eröffnungsfeier auch von logistischen Fragen abhängig; wenn man will, gibt es aber fast immer Wege. Und Gründe für mehr Frauen hat es genug: In den vergangenen 30 Jahren sorgten sie im Winter für einen Drittel der Schweizer Olympiamedaillen.

Steingruber durchbrach die Dominanz

«Uns war bei der Wahl wichtig, die Frauenpower in unserer Delegation zu zeigen», hatte Missionsleiter Ralph Stöckli gesagt, allerdings nicht diesmal, sondern vor anderthalb Jahren. Bei Rio 2016 hatte sich Swiss Olympic für Giulia Steingruber entschieden. Die Kunstturnerin durchbrach so die männliche Dominanz seit Vreni Schneider in Albertville 1992, die auch alle Sommerspiele bis dahin angedauert hatte. Und Steingruber hatte sie überwunden, obschon ihr da die Olympiamedaille noch fehlte.

Swiss Olympic hätte sich mit dieser Logik genauso gut für (die bei den Fans sehr populäre) Wendy Holdener entscheiden können, die in Pyeongchang als hoffnungsvolle Medaillenkandidatin an den Start geht.

Der Anteil der Schweizer Teilnehmerinnen in Südkorea beträgt 42 Prozent. Dieses Verhältnis ist über die Jahre mehr oder weniger konstant und entspricht auch jenem in anderen Nationen. Während aber die Schweiz in den Eröffnungsfeiern der 14 Olympischen Spiele seit 1992 nur 2 Frauen an die Spitze der Delegation setzte, waren es bei Frankreich 4, bei Deutschland 5, bei Italien und Österreich je 7.

Erstellt: 08.02.2018, 12:01 Uhr

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