Ski-WM bringt Garmisch in finanzielle Nöte

79 Millionen Euro hat Garmisch-Partenkirchen in die alpinen Ski-Weltmeisterschaften investiert. Die hohen Kosten trüben in der Region die Vorfreude auf das Spektakel.

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Florian A. Lehmann@tagesanzeiger

Noch am 25. Mai 2006 herrschte im Freistaat Bayern eitel Jubelstimmung, genauer gesagt im Südwesten des Regierungsbezirks Oberbayern. Garmisch-Partenkirchen hatte sich mit den prominenten Mitstreitern Paul Breitner und Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) beim FIS-Kongress in Vilamoura (Por) gegen das österreichische Schladming als Veranstalter der Ski-WM durchgesetzt. Fünfmal seien sie gescheitert, jetzt habe es geklappt, freute sich OK-Chef Peter Fischer über den Zuschlag. Zum zweiten Mal nach 1978 wird die Region am Fusse der Zugspitze ab dem 7. Februar 2011 die alpinen Titelkämpfe durchführen.

Inzwischen hat sich Kritik und Unmut in der Region des WM-Gastgebers breitgemacht. Der Grund ist – wie so oft bei grösseren Sportevents – die Höhe der Kosten, welche die öffentliche Hand und der Steuerzahler für die Investitionen berappen müssen. Für die Neuerungen von Pisten, Skiliften (und auch der Skisprungschanze) musste die Kommune im Werdenfelser Land gemäss dem Grazer Medium «Kleine Zeitung» 79 Million Euro investieren. Damit hat die Verschuldung mit geschätzten 100 Millionen Euro ein Ausmass erreicht, das bei der Bevölkerung Besorgnis hervorruft. Bereits wird von Verpfändungen vom Kongresshaus, dem Alpspitzbad und der Eishalle gesprochen. Selbst wenn sich der Bund und der Freistaat Bayern mit zwei Dritteln an den Ausgaben grosszügig beteiligen, sind die finanziellen Belastungen für viele Einwohner und Politiker noch sehr hoch. Das drückt im Vorfeld der WM auf die Stimmung in der Bevölkerung.

Der borstige Landwirt

Zudem hat ein Zwist mit einem Bauern die Nerven des Organisationskomitees und der Skisport-Fans strapaziert. Erst am 8. Januar dieses Jahres konnten WM-OK und die Exekutive von Garmisch-Partenkirchen guten Gewissens verkünden, dass die Ski-Party gerettet sei. Denn Landwirt Max Buchwieser liess sich nach langen Verhandlungen endlich dazu überreden, für die Titelkämpfe das Zielgelände der Abfahrt auf der Kandaharstrecke freizugeben – für sehr gutes Geld versteht sich. Jahrelang lag Buchwieser mit dem Ort und dessen ehrgeizigem Bürgermeister Thomas Schmid im Clinch. Bis zuletzt liess es der knallharte Sportgegner nicht zu, dass die Pistenraupen auf sein Areal auffuhren.

Der störrische Bauer hat sich aber nicht bereit erklärt, sein Gelände für Olympia 2018 freizugeben – sofern Bewerber München am 6. Juli 2011 den Zuschlag für die Durchführung der Spiele in sieben Jahren überhaupt erhält. Der nächste Konflikt in Garmisch liegt zumindest in der Luft.

Das Hoffen auf die Touristen

Vorderhand hofft man in der Region aber auf ein tolles Sportfest und ein Schnee-Gaudi mit schönem Wetter und vielen Fans aus den Nachbarstaaten, denen das Geld locker in der Tasche sitzt. Die Region kann nach den Kraftakten der Gemeindekasse einen weltmeisterlichen Umsatz im Februar gut gebrauchen. Carina Zielinski vom Garmischer Tourismusbüro gibt sich, was die Belegung von Hotels und Gaststätten betrifft, allerdings nicht gerade euphorisch: «Wir sind nicht ausgebucht.»

Aber was nicht ist, kann ja noch werden. «Festspiele im Schnee, natürlich bayerisch» heisst das Motto vom 7. bis 20. Februar des alpinen Ski-Happenings. «Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, Garmisch-Partenkirchen mit der WM als einen traditionellen und gleichzeitig modernen Skiort zu präsentieren», erklärt OK-Chef Fischer. Er weiss, dass die Titelkämpfe kräftig die Werbetrommel für Olympia 2018 im Freistaat Bayern rühren sollen.

DerBund.ch/Newsnet

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