Norwegische Feiertage in Wengen

Jansrud in der Kombination, Svindal in der Abfahrt und nun Kristoffersen im Slalom: Am Lauberhorn gewinnt auch das dritte Rennen ein Norweger.

In allen Lagen ein Siegfahrer: Der 21-jährige Henrik Kristoffersen gewinnt seinen vierten Slalom in diesem Winter. Foto: Thomas Egli

In allen Lagen ein Siegfahrer: Der 21-jährige Henrik Kristoffersen gewinnt seinen vierten Slalom in diesem Winter. Foto: Thomas Egli

René Hauri@tagesanzeiger

Es kann schneien. Es kann steil sein, flach sein. Marcel Hirscher, der grosse Konkurrent, kann ausgeschieden sein. Er kann dann als Führender des ersten Laufs oben im Starthaus stehen. Henrik Kristoffersen scheint das derzeit alles nicht zu interessieren.

Der Norweger, gerade einmal 21-jährig, ist unbeeindruckt. Oder: «Unfassbar abgebrüht», wie es der 10 Jahre ältere Deutsche Felix Neureuther sagt. Und so fährt er eben auch in diesem sonder­baren Slalom am Lauberhorn, der auf der Abfahrtspiste gesteckt wurde, weil der Originalhang daneben wegen Schneemangels nicht präpariert werden konnte.

Das Mittelstück ist derart flach, dass manch ein Stangenkünstler eine Hocke andeutet, andere sich mit Schlittschuhschritten Richtung Zielhang kämpfen oder mit Stockstössen. Viele kommen damit gar nicht zurecht, wettern, schütteln den Kopf. Auch Kristoffersen ist nicht glücklich damit, sagt: «Oben und unten ist es ein normaler ­Slalom. In der Mitte aber kam ich mir vor wie ein Langläufer.» Aber eben: Er kommt zurzeit mit allem zurecht, was ihm vorgesetzt wird.

Hirschers deftige Töne

Mit drei Zehnteln Vorsprung auf den ­Italiener Giuliano Razzoli triumphiert er auch in Wengen – dessen Landsmann Stefano Gross wird Dritter. «Es war eine Herausforderung, aber letztlich doch ganz gut für mich. Ich bin glücklich und zufrieden – klar», sagt Kristoffersen. Vier von fünf Slaloms hat er in dieser Saison gewonnen. Einmal wurde er hinter Hirscher, dem Dominator in dieser Disziplin in den letzten drei Jahren, Zweiter.

Der Österreicher hatte gestern nicht nur mit einem einmal mehr übermächtigen Jungspund aus dem hohen Norden zu kämpfen, sondern auch mit der Piste, mit den Ski und mit sich. Nach Rang 10 im ersten Lauf schied er im zweiten aus. Noch auf der Strecke nahm er den linken Ski in die Hand und betrachtete ihn ­genau. «Die Kanten waren dahin, ich rutschte einfach weg», sagte der 26-Jährige hinterher und schloss seine kurze Analyse mit einer Wortkombination, wie sie wohl nur dem Salzburger gelingen kann. «Es war ein Arschwochenende», sagte Hirscher also. «Es kann sein, dass jetzt alles vorbei ist: Die Slalomkugel ist weg, der Gesamtweltcup ist weg, jetzt sind andere Favoriten.» Und mit «andere» meint er: Norweger.

Kristoffersen im Slalom und Aksel Svindal in der Gesamtwertung. Doch damit ist die Liste an norwegischen Siegfahrern noch nicht komplett. Es fehlt Kjetil Jansrud. Diese drei Fahrer haben von den ersten 19 Rennen 12 gewonnen, belegen drei der ersten vier Plätze im Gesamtweltcup. Eine erdrückende Dominanz. Jeder der drei Nordländer gewann an diesem Wochenende ein Rennen: Jansrud die Kombination, Svindal die Abfahrt, Kristoffersen den Slalom.

«Wir haben kein Geheimnis»

Dass Svindal am Samstag noch um seinen sechsten Triumph in dieser Saison – den ersten in Wengen – hatte bangen müssen, war nur dem Nebel geschuldet. Dieser sorgte für mehrere Unterbrüche, ehe doch noch sämtliche Fahrer zum (verkürzten) Klassiker starten konnten. Die Fahrt des 33-Jährigen aber war derart stark, dass ihm nur Vorjahressieger Hannes Reichelt mit 19 Hundertsteln Rückstand nahe kam. Klaus Kröll als Dritter verlor über eineinhalb Sekunden.

Bei den Norwegern stossen auch Junge nach. Aleksander Aamodt Kilde etwa, ein 23-jähriges Riesentalent. Als Einziger mit einer hohen Startnummer (48) fuhr er in die Top 15. Beim Super-G von Val Gardena stand er in dieser Saison als Dritter auch bereits auf einem Podest.

Oder der 24-jährige Sebastian Foss-Solevaag, der es in den Slaloms regelmässig in die ersten 10 schafft – gestern wurde er Neunter. «Sebastian und ich pushen uns sehr in den Trainings, wir wollen den anderen immer und unbedingt schlagen», sagt Kristoffersen. Der Erfolg hat also auch mit einem team­internen Duell zu tun – wie das in der Speed-Mannschaft mit Svindal und Jansrud schon seit 16 Jahren der Fall ist.

Ist das das Geheimnis der Dominanz? Wenige, aber starke Teamkollegen? «Wir haben kein Geheimnis», sagt Kristoffersen und fügt lapidar an: «Wir machen nur unseren Job. Und: Die Atmosphäre im Team ist zwar gut, aber wenn Aksel sechs Rennen gewinnt, ist er es, der fährt, und nicht das Team.» Svindal findet: «Wenn man unsere bisherige Saison anschaut, sieht das zwar magisch aus. Aber wir haben einfach gute Leute, die seit Jahren gute Dinge machen.» Es kann so einfach sein, Erfolg zu erklären.

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