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Misshandelte Olympiasiegerin: «Gewalt über Jahre eskaliert»

Gebrochene Finger und eine Gehirnerschütterung kurz vor Olympia 2018: Shim Suk-hee musste für die Goldmedaille durch die Hölle.

Gewann mehrfach Gold: Shim Suk-hee (Mitte)
Gewann mehrfach Gold: Shim Suk-hee (Mitte)
Eric Bolte, Reuters
Die 21-Jährige gehört in Shorttrack zur Weltspitze.
Die 21-Jährige gehört in Shorttrack zur Weltspitze.
Eric Bolte, Reuters
Für ihre Erfolge musste die Südkoreanerin allerdings durch die Hölle. Seit sie sieben ist, wurde sie von ihrem Trainer geschlagen.
Für ihre Erfolge musste die Südkoreanerin allerdings durch die Hölle. Seit sie sieben ist, wurde sie von ihrem Trainer geschlagen.
Lucy Nicholson, Reuters
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Ihre Aussagen sind schockierend. 14 Jahre lang soll Shim Suk-hee von ihrem Trainer beschimpft und geschlagen worden sein. Dies sagte die 21-Jährige bei einer Anhörung vor dem Gericht in Suwon aus. Unter Tränen erzählte die zweifache Shorttrack-Olympiasiegerin, dass ihr der Coach Cho Jae-beom sogar einmal bei der Züchtigung mit einem Eishockeyschläger die Finger gebrochen habe.

Sie sei zutiefst traumatisiert, sagte Shim weiter: «Die Gewalt ist über die Jahre eskaliert.» Einen weiteren Tiefpunkt erlebte sie wenige Wochen vor den Olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang. Der Trainer habe sie derart hart getreten und gegen den Kopf geschlagen, dass sie gedacht habe: «Ich könnte jetzt sterben.» Sie erlitt eine Gehirnerschütterung – gewann danach aber dennoch mit der 3000-m-Staffel wie bereits in Sotschi 2014 Olympiagold. Über 1500 und 1000 Meter blieb sie allerdings im Gegensatz zu 2014 ohne Medaille. Damals hatte sie Silber und Bronze geholt.

Depressionen und Schlaflosigkeit

Weiter gab Shim vor Gericht an, dass Cho sie und andere Sportlerinnen einer Gehirnwäsche unterzogen habe: «Wir waren vor extremer Angst wie gefesselt.» Shim befindet sich aktuell in Behandlung. Unter anderem leidet sie an Depressionen, einer posttraumatischen Belastungsstörung und Schlaflosigkeit.

In einem ersten Prozess Mitte Oktober war der Trainer wegen Körperverletzung zu zehn Monaten Haft verurteilt worden. Damals gestand Cho, Shim und drei weitere Athletinnen geschlagen zu haben, um «ihre Leistung zu verbessern». Dennoch ging er in Berufung. Shim getraute sich damals noch nicht, ihrem Peiniger gegenüberzutreten. Zu gross sei die Angst vor einer Konfrontation mit ihm gewesen. «Nun habe ich aber meinen Mut zusammengenommen, weil ich die Wahrheit aussprechen musste», sagte sie vor Gericht.

Erst Anfang Dezember wurden die Coachs des südkoreanischen Frauen-Curlingteams entlassen. Sie hatten die «Knoblauch-Girls», wie die überraschenden Silbergewinnerinnen von Pyeongchang genannt werden, «beleidigt und ausgebeutet».

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