Lara Gut: «Ich habe es einfach versucht»

Die Tessinerin wird für ihre Tapferkeit nicht belohnt und belegt in der WM-Abfahrt wie schon im Super-G Rang 4. Elisabeth Görgl holt in Garmisch das zweite Gold.

Video: skionline.ch

Zweimal Silber 2009 in Val d'Isère, zweimal «Leder» in Garmisch-Partenkirchen: Lara Gut steht das Glück in Bayern nicht bei. Die 19-jährige Tessinerin trotzte in der WM-Abfahrt auf der Kandahar zwar ihrer Knieverletzung und allen Schmerzen, die sie seit dem spektakulären Sturz im Slalom der Super-Kombination begleiteten. Für den Sprung aufs Podest reichte es aber nicht. 0,34 Sekunden trennten Gut letztlich von der Bronzemedaille. Wie schon im Super-G wurde sie – bittere – Vierte.

Nach dem Rennen hielt sich die Enttäuschung bei der Schweizerin dennoch in Grenzen. «Ich wollte es einfach probieren. Gestern lief ich noch an den Krücken, dank viel Physiotherapie konnte ich wenigstens die Abfahrt bestreiten, wenn auch nicht mit hundertprozentiger Gesundheit.» Sie habe während der Fahrt Schmerzen gespürt und dennoch versucht, sich vollends zu konzentrieren und anzugreifen. So gesehen ist dieser 4. Rang ein ausgezeichnetes Ergebnis für die handicapierte Gut, die im Interview mit SF auch erklärte, dass sie am Freitag auch einen weitaus schlimmeren Kreuzbandriss hätte erlitten können. Wie es jetzt an dieser WM weitergeht, wisse sie noch nicht.

Die neue Speed-Königin

Gold gewann wieder Elisabeth Görgl. Wie Lindsey Vonn vor zwei Jahren kann sich die am nächsten Sonntag 30 Jahre alt werdende Österreicherin als Doppel-Weltmeisterin in den Speed-Disziplinen feiern lassen. Im Weltcup hat Görgl erst ein Speed-Rennen und noch keine Abfahrt gewonnen, in Garmisch stieg sie nun zu einer Grossen ihrer Zunft auf. Kaum zeigten die Weltcup-Dominatorinnen Lindsey Vonn und Maria Riesch für einmal Schwächen, war Görgl bereit und in der Form ihres Lebens. Als zuvor letzte Österreicherin war vor zehn Jahren in St. Anton Michaela Dorfmeister Weltmeisterin in der Königsdisziplin geworden.

Titelverteidigerin Vonn und Lokalmatadorin Riesch strahlten trotz Hirnerschütterung respektive Fiebers in der unmittelbaren Vorbereitung vom Podest. Vonn als Zweit-, Riesch wie schon nach dem Super-G als Drittklassierte. Anderen gesundheitlich Angeschlagenen lief es weniger gut. Neben Lara Gut kämpfte auch deren an einer Grippe erkrankte Freundin und Kombi-Weltmeisterin Anna Fenninger (17.) glücklos.

Gisins Fehler kurz vor dem Ziel

Dominique Gisin vergab eine bessere Klassierung als Rang 8 im unteren Teil. Die Engelbergerin galt als zweiter Schweizer Medaillen-Trumpf, konnte aber nicht an die hervorragende Kombinationsabfahrt anschliessen, in der sie die zweitbeste Zeit gefahren war. Die beiden Schwyzerinnen Fabienne Suter und Nadja Kamer waren chancenlos. Sie büssten fast zwei Sekunden auf Görgl ein und belegten die Ränge 13 und 14.

Das Schweizer Frauen-Team wird damit wie schon letztes Jahr an den Olympischen Spielen in Vancouver leer ausgehen und keine Einzelmedaille gewinnen – wenn in den technischen Disziplinen nicht noch ein Wunder passiert. Ein Podestplatz im wenig prestigeträchtigen Team-Wettkampf am Mittwoch wäre ein schwacher Trost.

DerBund.ch/Newsnet

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