Kitzbühel? «Nicht so heftig»

Der Zürcher Lauberhorn-Überraschungssieger Niels Hintermann fürchtet sich selbst vor der berüchtigten Streif nicht.

Niels Hintermann musste als Zürcher auf Ski manch ein Spruch über sich ergehen lassen. Foto: Klaus Pressberger (Sepa)

Niels Hintermann musste als Zürcher auf Ski manch ein Spruch über sich ergehen lassen. Foto: Klaus Pressberger (Sepa)

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Es braucht schon etwas mehr als einen Weltcupsieg, um Niels Hintermann aus dem Konzept zu bringen. «Ziemlich cool» findet er seinen Coup vom letzten Freitag in der Kombination von Wengen zwar noch immer. Kein Grund für ihn aber, auch nur im Ansatz die Bodenhaftung zu verlieren, seine Ziele anders zu setzen, jetzt schon von der ganz grossen Karriere zu träumen. Der 21-Jährige spricht von Europacuprennen, von solchen auf noch tieferer Stufe. Auf der grossen Bühne, dem Weltcup, da sieht er sich noch immer als Gast. «Geehrt» fühle er sich, sagt Hintermann, dass er in Wengen an den Start gehen durfte und das nun auch in Kitzbühel darf, auf der berüchtigten Streif, vor der er mächtig Respekt hatte, weil er noch nie auf ihr gefahren war. Zur Entspannung beigetragen hatte nicht, dass er sich vor kurzem den Film «One Hell of a Ride» anschaute, in dem der Mythos Streif gepflegt wird, Stürze, Spektakel, Angst zuhauf zu sehen sind.

Geholfen hat auch die Besichtigung vor dem Training nicht, die «grausam» war für ihn, «die Steilheit, das brutale Eisfeld». Doch es braucht eben selbst mehr als die Streif, um den Zürcher aus dem Konzept zu bringen. «Es war dann nicht so schlimm, wie ich dachte», sagte er nach der ersten Fahrt. «Klar ist es eine sehr schwierige Strecke, aber nicht so heftig wie etwa die in Santa Caterina.» Hintermann wurde mit 4,78 Sekunden Rückstand 60., weil er «definitiv zu viel Respekt» gehabt habe. Weil er «einmal schauen wollte, wie es so tut auf der Strecke».

Keine WM, kein Weltuntergang

Das hat er nun hinter sich und glaubt, bereit zu sein für die für viele Athleten schwierigste Abfahrt der Welt. Hintermann mag es, wenn ihm eine Strecke alles abverlangt. Das findet er im Europacup nicht, seine Resultate dort sind mässig. Er ist gemacht für Weltcupabfahrten. Und: Vielleicht sogar schon bereit für die Heim-WM in St. Moritz?

Die ist für den Zürcher Unterländer aber noch weiter weg als ein Stammplatz im Weltcup, obwohl es nicht einmal mehr drei Wochen sind bis zur Eröffnung. Ob der Speedspezialist in der Kombination am Start sein wird, vielleicht gar in der Abfahrt? Hintermann weiss es nicht. «Ich habe mir noch keine Gedanken gemacht», sagt er, «entweder werde ich aufgeboten oder nicht. Wenn ich nicht dabei bin, ist das kein Weltuntergang.»

«Die WM hatte in meinem Plan bislang keinen Platz.»

Wie wenig er sich mit dem Anlass beschäftigt hat, der für jeden Schweizer Skifahrer der Höhepunkt des Winters ist – oder eben sein könnte –, bewies er mit seiner Aussage unmittelbar nach seinem Sieg am Freitag. Hintermann wusste gar nicht, dass es an der WM ein Kombinationsrennen gibt. «Ich dachte, neben den vier Disziplinen findet nur noch der Team-Event statt», klärt er auf. Und sagt, um es noch einmal zu untermauern: «Die WM hatte in meinem Plan bislang keinen Platz.»

Das könnte zwar bald anders sein. Daran, wie er sich selber einschätzt, auch seine Leistung in Wengen, würde aber auch ein WM-Aufgebot nichts ändern. Hintermann weiss, wie sein Triumph vor Heimpublikum einzuordnen ist, er hatte bei seinem Abfahrtslauf deutlich bessere Bedingungen als die Fahrer nach ihm. Doch er nutzte eben seine Chance, der Nachwuchsfahrer, der zuvor gerade einmal elf Weltcuprennen bestritten hatte, mit einem 21. Rang in der Abfahrt von Chamonix 2016 als Bestresultat. Er, der Flachländer, aufgewachsen in Rorbas, mit 18 umgesiedelt nach Bülach, der deshalb manch einen Spruch über sich hat ergehen lassen müssen. «Ich repräsentiere den Kanton Zürich», rief Hintermann, der das Kantonswappen auf seinem Helm trägt, auch deshalb nach seinem Triumph ins Mikrofon. «Eine kleine Provokation» nennt er das. Er durfte das an seinem grossen Tag.

Es sollen viele weitere folgen. Dafür hat Hintermann aber noch Zeit. Und die nimmt er sich auch.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.01.2017, 22:00 Uhr

Beat Feuz scheint bereit

Normalerweise geht Beat Feuz die Abfahrtstrainings eher behutsam an. In Kitzbühel, wo er im vergangenen Jahr überraschend Zweiter wurde, gelang ihm aber schon am Anfang eine gute Fahrt. Um 37 Hundertstel musste er sich dem Amerikaner Steven Nyman geschlagen geben, doch der grosse Rest lag deutlich hinter dem Emmentaler. Der Franzose Johan Clarey büsste als Dritter bereits knapp 1 Sekunde ein. Überbewerten wollte Feuz diese Tatsache nicht: «Ich bleibe bei meiner Philosophie. Das erste Training hat keine grosse Bedeutung, wenngleich es natürlich schön ist, wenn einem eine gute Fahrt gelingt.»

Im Training fuhr mit Carlo Janka als 9. ein zweiter Schweizer in die Top 10. Der Bündner freut sich auf die Rennen: «Ich fühle mich im Gegensatz zu früher in der Lage, wirklich zu attackieren.» Neben Feuz und Janka machte der 23-jährige Urs Kryenbühl auf sich aufmerksam. Der Unteriberger fuhr mit Nummer 45 auf Platz 20. (SDA)

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