IOK schliesst Russland für Olympia 2018 aus

Russland darf nicht an den nächsten Winterspielen teilnehmen. Dennoch bleibt für russische Athleten eine Hintertür offen.

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Russland wurde wegen Staatsdopings von den Winterspielen im kommenden Februar im südkoreanischen Pyeonchang ausgeschlossen. Das entschied die 14-köpfige Exekutive des Internationalen Olympische Komitees (IOK) mit Sitz in Lausanne am Dienstagabend. Russische Sportlerinnen und Sportler aber, die nachweisen können, dass sie sich an einem unabhängigen Testprogramm unterworfen haben, dürfen unter neutraler Flagge starten.

Der Internationale Leichtathletik-Verband wendet dieses System bereits an. Die IAAF schloss Russland bereits vor den Sommerspielen 2016 in Rio aus und lässt seither vereinzelte Athleten unter neutraler Flagge starten. Russland kann vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS noch einen Einspruch einlegen. Ausserdem wurde der frühere russische Sportminister Witali Mutko, der aktuell Chef des russischen Fussball-Verbandes und WM-Organisationschef ist, für alle zukünftigen Olympischen Spiele ausgeschlossen.

25 Sotschi-Teilnehmer gesperrt

Das IOK bestrafte damit das seiner Ansicht nach staatlich orchestrierte Dopingsystem in Russland, das bei den Winterspielen in Sotschi vor vier Jahren seinen Höhepunkt erfahren hatte. Mithilfe des Geheimdienstes wurden zahlreiche Dopingproben von russischen Sportlern ausgetauscht. Das IOK hat bislang durch seine zwei Kommissionen 25 Sotschi-Teilnehmer lebenslang gesperrt und Russland elf Medaillen, darunter vier goldene, aberkannt.

In einer ersten Reaktion hat das russische Staatsfernsehen angekündigt, die Olympischen Spiele in Pyeongchang nun zu boykottieren.

Die brisante Meinung des Ex-Bundesrates

Pikant sind die Äusserungen des ehemaligen Bundesrates Samuel Schmid, der als zweiter Sonderermittler in der Doping-Affäre wirkte. Der Schweizer erklärte: «Wir haben eine solche Form des Betrugssystems vorher noch nie gesehen.»

Schmid erklärte zudem, dass die Ergebnisse des Verfahrens auf einem festen Fundament von objektiven Beweisen stehen würden.

«Es war ein beispielloser Angriff auf die Integrität der Olympischen Bewegung und des Sports», sagte IOK-Präsident Thomas Bach. Darum habe das Exekutivkomitee ausgewogene Sanktionen für die systematische Manipulation ausgesprochen. Der Deutsche glaubt nicht an einen Boykott. «Ein olympischer Boykott hat noch nie etwas gebracht.» Er sähe auch keinen Grund für einen solchen Akt durch russische Sportler, weil man ja den sauberen Athleten die Starterlaubnis geben würde. «Diese Athleten können eine Brücke bauen in die Zukunft eines sauberen Sports statt eine neue Mauer zu errichten.» Corinne Schmidhauser, die Präsidentin von Antidoping Schweiz, meinte: «Das ist ein beeindruckendes Signal zugunsten des sauberen Sports.»

Auswirkungen auf die Fussball-WM?

Vor der Entscheidung des IOK hatte Russlands Staatschef Wladimir Putin vor einer «ernsthaften Schädigung der olympischen Bewegung» gewarnt. Es gebe «zwei Optionen». «Entweder Russland zu zwingen, unter neutraler Flagge anzutreten, oder es überhaupt nicht zu den Olympischen Spielen zuzulassen», erklärte Putin. «Jede ist eine Erniedrigung für das Land».

Die nun gefällte Entscheidung überschattet zudem Russlands Ausrichtung der Fussball-WM im kommenden Jahr. Der nun auf Lebenszeit ausgeschlossene Mutko steht ja dem Organisationskomitee des grossen Fussball-Anlasses vor. Die staatlichen Fernsehsender in Russland werden die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang wegen der Strafen nicht übertragen. Das teilte die Pressestelle der TV-Holding WGTRK nach dem Verdikt von Lausanne mit.

(fal/sda/afp)

Erstellt: 05.12.2017, 20:50 Uhr

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