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«Es gibt nur schnurstracks geradeaus»

Hans Flatscher, Cheftrainer der Schweizer Skifahrerinnen, zu Hoffnungen, Hierarchien und Mosaiksteinen.

«Ich will keine im Team, die den Tarif bekannt gibt»: Hans Flatscher, bald zwei Jahre Chef der Schweizerinnen.
«Ich will keine im Team, die den Tarif bekannt gibt»: Hans Flatscher, bald zwei Jahre Chef der Schweizerinnen.
Jean-Christophe Bott, Keystone

Die Schweizer Skirennfahrerinnen verzeichneten in Beaver Creek mit den beiden Siegen von Lara Gut und sechs weiteren Plätzen in den ersten Zwölf einen Traumstart in die Saison, den die Tessinerin und Marianne Abderhalden in Lake Louise mit erneuten Podesträngen bestätigten. Am Wochenende in St. Moritz erlebte das Team einen Dämpfer. Cheftrainer Hans Flatscher sagt, er sei längst nicht mit allem zufrieden.

Waren die Erwartungen zu hoch nach dem fulminanten Start?

Nach einem Superergebnis darf man nicht gleich erwarten, dass die Bäume in den Himmel wachsen. Man muss relativieren. Es kommen andere Pisten, anderer Schnee, und schon sind wieder andere vorne. Aber generell bringen wir sicher die Leistungen, die wir bringen müssen. Es gibt Luft nach oben. Ich bin längst nicht mit allem zufrieden, ich will mehr, und ich habe das Gefühl, dass wir nicht all das geerntet haben, wozu wir in der Lage gewesen wären. Und es stimmt: In St. Moritz haben wir nicht begeistert. Zu Hause wollten wohl alle alles noch besser machen, und dann klappte es nicht.

Nach dem Sommertraining hatten alle das Gefühl, das Team hätte einen grossen Schritt nach vorne gemacht. Hat St. Moritz gezeigt, dass dies eine Täuschung war?

Nein, das kann man auch weiterhin so sagen. Wir haben bestätigt, dass es in allen Disziplinen einen Schritt nach vorn gab. Man durfte nach Beaver Creek einfach nicht erwarten, dass wir alle in Grund und Boden fahren. Das Team ist sicher gut drauf, aber wir müssen in jedem Moment dranbleiben, sonst können wir das Niveau nicht halten. Es gibt keine Selbstläufer. An jedem Wochenende wird das Programm neu gestartet und optimiert. Wir dürfen nicht erwarten, dass bei allen immer alles zusammenpasst. Aber in der Abfahrt sind wir doch so aufgestellt, dass es keine Strecke gibt, auf der wir chancenlos sind.

Bei Fabienne Suter und Fränzi Aufdenblatten lief zuletzt wenig zusammen, auch Dominique Gisin kämpft verzweifelt um einen Podestplatz.

Erfolg kann man nur haben, wenn auch der letzte Mosaikstein passt. Das war zuletzt bei Lara Gut und Tina Weirather der Fall, bei anderen nicht. Dieses Einpassen des letzten Steins ist oft die schwierigste Aufgabe überhaupt. Passt einer, hat es vielleicht an einem andern Ort eine Lücke. Doch daran arbeiten wir.

Das Abfahrtsteam war auch in den letzten Jahren nie das grosse Problem. In den technischen Disziplinen haperte es, besonders im Slalom. Am Dienstag klassierten sich drei Fahrerinnen unter den ersten 20. Ist nicht mehr möglich?

Doch, da liegt mehr drin. Wendy Holdener und Michelle Gisin waren beim ersten Slalom in Levi ausgeschieden, und das wollten sie in Courchevel verhindern. Sie hatten im ersten Lauf die Handbremse angezogen. Im zweiten legten sie einen Zacken zu, doch auch das entsprach noch nicht ihrem maximalen Potenzial.

Sie erzielten immerhin die viert- und die fünftbeste Zeit.

Und sahen, dass sie vorne mithalten können, was für die nächsten Rennen sehr wichtig ist. Um richtig explodieren zu können, braucht es die Sicherheit. Und die haben sie sich jetzt wieder geholt.

Als die Schweizerinnen vor 3 Jahren die Junioren-WM beherrschten, war die Hoffnung gross. Ausser Holdener schaffte noch keine den Durchbruch.

Wer Junioren-Weltmeister wird, ist im Weltcup noch nirgends. Es gibt Beispiele von Leuten, die es schaffen, aber gleich viele schaffen es nicht. Die Junioren-WM ist ein kleines Zwischenziel, die grosse Arbeit beginnt erst danach.

Mit Gut und Weirather haben Sie zwei Fahrerinnen, die um den Sieg im Gesamtweltcup kämpfen. Ist das ein Thema im Team?

Es macht keinen Sinn, schon jetzt davon zu sprechen. Wer schon im Dezember rechnet, wird sich zu 99 Prozent verrechnen. Auch nur ein bisschen studieren ist gefährlich. Es gibt nur: Rennen für Rennen vorbereiten, sich fokussieren, und dann kannst du im März immer noch mit Rechnen beginnen. Geh deinen Weg und weiche nicht davon ab. Es gibt nur schnurstracks geradeaus.

Welche Rolle haben Sie im Team?

Die gleiche wie im letzten Jahr und die gleiche wie alle anderen im Team, auch wenn sie bei den Medien etwas gefragter sind. Ich will keine Leader, keine Sprecherin, keine, die irgendwie den Tarif bekannt gibt. Da wird mit jeder genau gleich gearbeitet, jede erhält eine Sonderbehandlung. Jede muss überzeugt sein, dass sie alles hat, was sie braucht, um schnell zu sein. Wir haben zum Glück den nötigen Betreuerstab und dank dem Verband das Geld, dies zu ermöglichen.

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