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Elf Fragen zur Schweizer Olympia-kandidatur

Wie stehen die Chancen, wer sind die Gegner? Und wer bezahlt das alles? Das Projekt «Sion 2026» auf dem Prüfstand.

Jubel in Sitten: Das Volk hat sich für eine Olympia-bewerbung entschieden.
Jubel in Sitten: Das Volk hat sich für eine Olympia-bewerbung entschieden.
Keystone

War die Kandidatur umstritten?

Trotz langer Diskussion im Exekutivrat von Swiss Olympic war das Projekt «Sion 2026» unbestritten und das Abstimmungsresultat mit 12:1 Stimmen eindeutig. Sogar mit 13:0 sprach man sich dafür aus, mit 8 Millionen Franken ein Drittel der Kandidaturkosten zu übernehmen. Präsident Jürg Stahl sagte: «Angesichts der Agenda 2020 des Internationalen Olympischen Komitees wollen wir mit Pioniergeist vorangehen. Wenn es aber Anzeichen gibt, dass diese nicht eingehalten wird und das Kandidaturbudget von 24 Millionen nicht reicht, braucht es unsere Kandidatur nicht.» Der Direktor des Kandidaturkomitees, Jean-Philippe Rochat, zeigte sich hocherfreut und sprach von einem «wichtigen, aber noch kleinen Schritt; wir verfallen nicht in Euphorie».

Was besagt die Agenda 2020?

Das 2014 formulierte Reformpaket des IOK umfasst 40 Punkte, welche die Bewerbung für Spiele und deren Durchführung erleichtern sollen. Im Wesentlichen soll die Bewerbungsphase kostengünstiger, transparenter und einfacher werden; die Kandidaten werden durch das IOK stärker finanziell unterstützt; gefordert wird nicht mehr eine völlig neue Infrastruktur, sondern es kann auf ­bestehender aufgebaut werden; es sind explizit dezentrale Spiele möglich, gar länderübergreifende Wettbewerbe.

Wer trägt die Kosten der Schweizer Kandidatur?

Sie betragen höchstens 24 Millionen Franken und werden zu gleichen Teilen von Bund, Swiss Olympic und dem ­Bewerbungskomitee von «Sion 2026» ­getragen. Der Investition von 8 Millionen Franken von Swiss Olympic (aus den ­Reserven) muss das Sportparlament noch zustimmen, was eine Formsache sein dürfte. Am 11. April steht diese Sitzung an. Die 8 Millionen der Gastgeberstadt Sitten werden von den vier beteiligten Kantonen Wallis, Waadt, Bern und Freiburg, der Stadt selber und einem Privatinvestor übernommen.

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Wie sieht jetzt der Fahrplan aus?

Nach dem Beschluss des Sportparlaments folgt die zweite Planungsphase mit einer Arbeitsgruppe des Bundes, die sich vor allem mit der Finanzierung und Sicherheitsaspekten beschäftigt. Ziel ist, den Bundesrat im September 2017 über die Details zu informieren. Der offizielle Kandidaturprozess des IOK beginnt im Frühling 2018 und dauert 18 Monate. Im September 2019 wird der Austragungsort der Olympischen Winterspiele 2026 gewählt.

Gibt oder braucht es Abstimmungen in den vier Veranstalterkantonen?

Das wird sich herausstellen. In jedem Kanton könnten Referenden ergriffen werden, was die Finanzen betrifft. Durch die Aufsplittung des Projektes auf vier Kantone liegen allerdings gewisse Ausgaben noch in der Hoheit der jeweiligen Regierung. Projektiert sind zwei Neubauten: eine Eisschnelllaufhalle in Aigle für 40 Millionen Franken und eine Grossschanze in Kandersteg für 28 Millionen. Dass es dafür Volksabstimmungen braucht, ist sicher. Auf Bundesebene sind Beschlüsse des Parlaments nötig für die Beteiligung.

Trüge der Bund bei einer Zusage eine Defizitgarantie?

Das steht noch nicht fest. Der Bund hat in einer ersten Botschaft im Dezember 2016 verlauten lassen, dass er die Bemühungen grundsätzlich unterstütze, Olympia 2026 in die Schweiz zu holen. Finanziell zugesagt hat er noch nichts, Swiss Olympic wird im Sommer ein entsprechendes Gesuch einreichen.

Wie gut stehen die Chancen der Schweiz?

Das hängt vom eigenen Dossier und ­natürlich nicht zuletzt von den Mitbewerbern ab. Das Projekt entspricht ­jedoch der Agenda 2020 des IOK, und ein europäisches Land scheint gute Chancen zu ­haben: Die beiden vorangehenden Winterspiele finden in Asien statt – 2018 in Pyeongchang und 2022 in Peking.

Welches sind die Konkurrenten?

Offiziell hat sich noch keine Stadt beim IOK beworben, das Interesse von ­Calgary und Sapporo wurde von beiden Städten aber bestätigt. Sapporo im Norden Japans hat die Winterspiele 1972 ausgetragen, Calgary jene 1988. Mögliche europäische Kandidaten sind Innsbruck und Stockholm, wobei von deren Plänen noch nicht allzu viel bekannt ist. Gespräche laufen ausserdem zwischen der finnischen Hauptstadt Helsinki und Lillehammer in Norwegen.

Wie oft hat die Schweiz kandidiert?

Nachdem St. Moritz 1928 und 1948 die Olympischen Winterspiele durchgeführt hatte, bewarben sich Schweizer Städte diverse Male. Allein Lausanne, seit dem Ersten Weltkrieg Sitz des IOK, bemühte sich von 1936 bis 1960 fünfmal, aber stets erfolglos. Sitten wiederum scheiterte bei bislang drei Versuchen, besonders umstritten war die Niederlage gegen Turin für 2006. Die letzte halbwegs ernsthafte Schweizer Kandidatur war jene Berns für die Winterspiele 2010, die allerdings bei der Bevölkerung durchfiel und zurückgezogen wurde. Auch die Bündner Stimmbevölkerung sagte an der Urne zweimal Nein – zu 2022 und 2026.

Was sind die Lehren aus früheren Kandidaturen?

Dass nicht nur die Veranstalterregion von den Spielen profitiert, sondern die ganze Schweiz. Und dass die Kandidatur breit abgestützt ist.

Wer sind bei der Kandidatur die Hauptfiguren?

Neben Jürg Stahl steht mit Jean-Philippe Rochat ein Anwalt aus Lausanne an der Spitze. Er war bei Swiss Ski zwölf Jahre lang Vizepräsident. Rochat ist Gegner des Gigantismus und sagt: «Wir brauchen im Wallis kein Maracanã.» Sein Vize ist Hans Stöckli, SP-Ständerat und früher Stadtpräsident von Biel. 2013 hat er das Eidgenössische Turnfest in seiner Heimatstadt präsidiert. Dritter im Bunde ist Christian Constantin, allmächtiger Präsident des FC Sion. Der Chef eines Architekturbüros in Martigny will mit dem Grossprojekt das Wallis auf die Weltkarte bringen. «Wer kannte Sotschi, bis die Spiele dort stattfanden? Das kann bei uns den gleichen Effekt auslösen», sagte er einst der «SonntagsZeitung».

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