Die Jungen sorgen für Furore

Drei Medaillen an einem Tag, sechs insgesamt: Nach der Heim-WM gelingt den Skifahrern bei Olympia die Bestätigung. Sie sind nicht mehr nur von den grössten Namen abhängig.

Medaillenshow: Ramon Zenhäusern (Slalom-2.), Michelle Gisin (Kombi-Siegerin) und Wendy Holdener (Kombi-3.) lassen sich im House of Switzerland feiern. Foto: Urs Jaudas

Medaillenshow: Ramon Zenhäusern (Slalom-2.), Michelle Gisin (Kombi-Siegerin) und Wendy Holdener (Kombi-3.) lassen sich im House of Switzerland feiern. Foto: Urs Jaudas

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Es begann harzig, mit Verschiebungen und medaillenlosen Rennen. Und endete mit einem kompletten Medaillensatz. Michelle Gisin und Wendy Holdener mit Gold und Bronze in der Kombination und Ramon Zenhäusern mit Silber im Slalom sorgten für einen Super-Donnerstag der Skifahrer. Diese haben sechs Medaillen geholt, mehr als die Hälfte der Schweizer Delegation (11). In der Nacht auf morgen haben sie im Team-Event die Chance auf eine siebte.

Pyeongchang ist der Beweis dafür, dass die Heim-WM in St. Moritz mit sieben Medaillen nicht einfach ein Ausreisser nach oben war. Im Gegenteil: Die meist jungen Athleten haben noch mehr Reife bewiesen. Erfolg zu haben, ist schwierig. Erfolg zu bestätigen, ist schwieriger. Bei den Frauen konnte Lara Gut nichts zur Bilanz beitragen. In St. Moritz war es noch Bronze im Super-G gewesen. Nun war für sie Olympia nach Rang 4 im Super-G und einem schmerzhaften Ausfall in der Abfahrt frühzeitig zu Ende.

Es ist auf andere Verlass. Allen voran auf Wendy Holdener. Die Schwyzerin versteht es, mit der im letzten Jahr erlangten Favoritenrolle umzu­gehen. Die 24-Jährige, die oft vieles infrage stellt, findet selbst dann zur Konzentration zurück, wenn sie in einem Olympia-­Slalom zur Halbzeit führt. Silber und Bronze in den Einzelbewerben gab es für sie – es tönt selbstverständlich. Ist es aber nicht. Holdener musste nicht nur lernen, ihren Kopf unter Kontrolle zu bringen. Sie musste auch damit zurechtkommen, dass sie die Trainer nicht mehr nur für sich hat. Es sind andere nachgestossen im Schweizer Slalomteam.

In der Kombination von 4 auf 2

Etwa Michelle Gisin, das Multitalent aus Engelberg, 24 wie Holdener. Als es zählte, zeigte sie in der Kombination den besten Slalomlauf der Saison. Dass sie auf den Speedstrecken für Furore sorgen kann, hat sie in diesem Winter bewiesen. Dass sie deshalb den schnellen Schwung in den engen Toren nicht verloren hat, zeigte sie gestern mit ihrer Goldfahrt.

Zwei Medaillen gewann die Schweiz in der Kombination, einer Disziplin, die bald aus dem Weltcup- und Olympia-Programm gestrichen wird. Einer Disziplin, auf die sich die Schweizer für die Heim-WM speziell konzentriert hatten, weil dort die Konkurrenz kleiner ist. Nur: In St. Moritz waren es vier Kombinationsmedaillen, die zur Bilanz beitrugen. Nun nur noch zwei. Zudem hätte die Schweiz auch Trümpfe, sollte ein Parallelrennen als Ersatz kommen. Holdener liebt diese wie Ramon Zenhäusern, der bei seinem ersten Start in dieser Sparte seinen Premierensieg im Weltcup feierte.

Der 25-jährige Walliser verblüffte aber vor allem gestern mit Silber im Slalom. Es war erst die dritte Olympia-Medaille für die Schweiz in dieser Disziplin – nach Edi Reinalter (1948) und Jacques Lüthy (1980). Der Mann, von dem sie sagen, er sei im Training schon lange schwer zu schlagen, hat Wege gefunden, wie er sein Tempo ins Rennen bringt. Er arbeitet mit einem Mentaltrainer und mit dem zweifachen Slalomsieger Didier Plaschy zusammen. Zenhäusern schrieb eine der speziellen Geschichten dieser Spiele.

Das tat auch Beat Feuz (31), der immer wieder aufstand, nach jeder der über ein Dutzend Operationen, und nun Silber im Super-G und Bronze in der Abfahrt gewann. Der Emmentaler ist in dieser Saison der beste Abfahrer und ein sicherer Wert. Dass aber auch die Jungen mit dem olympischen Druck umzugehen wissen oder verblüffen können, das stimmt vor allem beim Blick in die Zukunft zuversichtlich.

Erstellt: 22.02.2018, 21:05 Uhr

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