Der Kaltstart

Dario Cologna kommt im eisigen Skiathlon nicht auf Betriebstemperatur und wird Sechster.

Im falschen Moment vor den Norwegern: «Ich war heute nicht ganz so schlecht, aber nicht gut genug für eine Medaille», sagt Dario Cologna.

Im falschen Moment vor den Norwegern: «Ich war heute nicht ganz so schlecht, aber nicht gut genug für eine Medaille», sagt Dario Cologna. Bild: Jonathan Nackstrand/AFP

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So war das nicht geplant. Nicht bezüglich der Temperaturen, nicht bezüglich des Resultats des ersten Wettkampfs von Dario Cologna. Als im Skiathlon die Entscheidung fällt, ist der Titelverteidiger mittendrin – und doch nicht dabei. Als Simen Hegstad Krüger früh seinen Angriff lanciert, reagiert Cologna nicht, kann nicht. Der Norweger kommt so rasch weg, auch weil hinten seine Kollegen die Teamtaktik befolgen. Erst am Schlussanstieg forcieren sie wieder und sorgen dafür, dass auch die anderen beiden Medaillen ins Königreich gehen.

Dario Cologna kommt als Sechster ins Ziel. Richtig sauer wirkt er nicht, eher ratlos. Und durchfroren, natürlich. Dass die Temperaturen ungewöhnlich niedrig sein würden, darauf hatte er sich eingestellt, auch in den Trainings nach seiner Ankunft. Unter dem sehr dünnen Olympiarenndress trug er deshalb eine zweite Schicht, was ungewöhnlich ist für die Langläufer. Aber da war nicht nur die Kälte, da war vor allem der Wind, der teilweise geradezu brachial über den Langlaufkurs peitschte und so die Temperatur von gemessenen –7 auf gefühlte –20 Grad absinken liess.

Vielleicht auch deshalb fühlt sich Colognas Körper nicht so an, wie er sich sollte. «Muskulär schlecht», beschreibt er, «irgendwie leer.» Später ergänzt Nationaltrainer Ivan Hudac, sein Athlet habe vor allem im Oberkörper nicht mehr die Power gehabt, zu forcieren, als dies nötig gewesen wäre.

Das war es im Finale tatsächlich. Nach schnellen 15 Kilometern in der klassischen Technik (und einem aktiv laufenden Cologna) legen die Norweger im Skating erst so richtig los. Das Forcing von Hans Christer Holund in der Steigung kontert Cologna noch scheinbar souverän. Als es rund vier Kilometer vor dem Ziel dann Krüger versucht, kommt vom Bündner keine Reaktion mehr.

«Gefühl schon früh nicht gut»

«Es sah von aussen vielleicht lange gut aus. Aber das Gefühl war schon früh nicht gut», sagt Cologna. Weil dem so ist, beginnt die Frustbewältigung wohl schon im Rennen. Denn danach ist er ungewöhnlich entspannt, zeigt sogar sein Stockzahnlächeln. Anzeichen für diese leichte Baisse gab es zuletzt keine, im Weltcup lief Cologna überragend. «Ich war heute nicht ganz so schlecht. Nur nicht gut genug für die Medaillen», sagt er.

Panik bricht nach dem Rückschlag also noch nicht aus bei den Schweizern, auch Trainer Hudac beschwichtigt: «Es sind erst je ein Frauen- und ein Männerrennen gelaufen. Die Spiele sind noch lang.» Zumal bei den letzten Tests in Davos vor der Abreise nach Südkorea nichts auf ein Nachlassen von Colognas Form hingedeutet habe.

«Sorry für die Schweiz»

Während die Schweizer sich in Optimismus üben, geniessen die Norweger ihren Coup. Tor Arne Hetland, ihr Cheftrainer mit Vergangenheit bei Swiss-Ski, sagt lächelnd: «Sorry für die Schweiz.» Er ist stolz, wie die Taktik seines Teams aufgegangen ist, die er klar auf Cologna und auch Alex Harvey ausgerichtet hat. Die starken Einzelläufer ohne ebensolches Team sollten mit Angriffen mürbe gelaufen werden, der Plan ging perfekt auf.

Dass dann aber Simen Krüger am Schluss als Olympiasieger dasteht, kommt doch ziemlich überraschend. Nach wenigen 100 Metern hat sich dieser auf dem Boden wiedergefunden, im Startgewusel zu Fall gekommen, beklagt er zudem einen Stockbruch.

Die Favoriten sieht Krüger auf den folgenden 15 Kilometern nur aus der Distanz. Doch mit den Skatingskis schafft er den Anschluss. Und greift dann früh an, nach seiner Aufholjagd mit der Idee, so das Finale zu lancieren. Doch die Lücke geht auf, und Krüger zieht durch. Hinter ihm laufen Sundby und Holund ein. Sie alle freuen sich sichtlich, für sich und für einander: Sie sind Trainingskollegen, alle in Oslo aufgewachsen. «Dass gleich drei aus dem gleichen Ort hier stehen, das ist ziemlich toll», sagt Martin Johnsrud Sundby, der findet, der Triumph sei auch auf ihren Fokus auf die Spiele zurückzuführen. «Wir dachten heuer nicht so viel an den Weltcup. Wir wollen zeigen, dass wir auch hier gut sein können», sagt er, der zuletzt zweimal den Gesamtweltcup gewann.

Olympiasieger Krüger, offensichtlich etwas überfordert von der Situation, bringt derweil keine Antwort stotterfrei heraus. Ein Sieg im ersten Olympiarennen überhaupt kann einen schon mal etwas aus der Fassung bringen. (Der Bund)

Erstellt: 12.02.2018, 06:58 Uhr

Von arktisch zu Plusgraden

Was war das für ein Aufruhr, als vor zehn Tagen die ersten Athleten angekommen waren in Pyeongchang. Bitterkalt war es, von arktischen Verhältnissen redeten Sportler und Betreuer: –20, mit Wind gefühlte –35 Grad. Manch einer, der jetzt auf die Prognosen für die nächsten Tage schaut, dürfte sich verwundert die Augen reiben: Heute Montag ist es zwar noch einmal winterlich kalt, ab morgen Dienstag aber steigt das Thermometer an sämtlichen Wettkampfstätten über die Nullgradgrenze. Der bissige Wind aber dürfte unberechenbar bleiben.(rha)

Problematisches Schiessen

Gerade einmal vier Biathleten des 87er-Feldes kamen im gestrigen Sprint mit den je 5 Liegend- und Stehendschüssen fehlerfrei durch. Der Wind blies erneut heftig durch den Alpensia Olympic Park – zwischenzeitlich war gar das Gerücht umgegangen, das Rennen könnte wie die Qualifikation im Snowboard-Slopestyle der Frauen und die Abfahrt der Männer abgesagt werden. So weit kam es zwar nicht, dafür litten die Athleten wegen der späten Startzeit wie die Frauen am Vortag unter der enormen Kälte, es herrschten gefühlte minus 25 Grad. (rha)

Ammanns Mitternachtssprung

Auf den Balken, weg vom Balken, auf den Balken, immer wieder. Simon Ammann musste wegen des böigen Winds zehn Minuten auf seinen zweiten Sprung warten. Bei einer gefühlten Temperatur von minus 21 Grad war das eine Tortur, auch wenn ihm, wenn er den Balken verlassen musste, jeweils eine Decke über die Schultern gelegt wurde. Als er kurz nach Mitternacht doch noch zum Sprung kam, war er unsicher, wie der Körper reagieren würde. «Ich habe noch nie so am Limit operiert», sagte er nach 104,5 Metern – und Rang 11. (ädu)

Die weggeblasene Abfahrt

Da sorgt die Kälte dafür, dass die Pisten in perfektem Zustand sind. Da scheint die Sonne, ist alles angerichtet für ein Abfahrtsfest der Männer. Und dann windet es im Austragungsort Jeongseon so heftig, dass es verschoben werden muss. Am Donnerstag soll die Abfahrt nun stattfinden, der Super-G wird auf Freitag verlegt. Damit verpasst Beat Feuz zum zweiten Mal die Chance, sich an seinem Geburtstag zum Abfahrtskönig zu krönen. Bereits an der WM in St. Moritz musste die Abfahrt an seinem Geburtstag vertagt werden – kein schlechtes Omen. (rha)

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