Die härtesten Rivalen von Beat Feuz

Der Schweizer gehört zu den Favoriten im Abfahrts-Weltcup. Doch die Konkurrenz ist auch in diesem Winter gross.

Bald geht es los: Beat Feuz über seine Ambitionen in der Saison 2019/20. (Video: SDA)

Er sei in der Abfahrt noch kein Seriensieger, sagt Beat Feuz im Interview mit dieser Zeitung. Noch. Der Schweizer sieht Potenzial auf dem Weg zu einem solchen. Doch auch er weiss: Diesen Seriensieger in der Abfahrt, es gibt ihn schon lange nicht mehr. Da ist keiner, der seine Konkurrenz in Grund und Boden fährt, wie das Marcel Hirscher in den technischen Disziplinen jahrelang tat. Je sechsmal gewann der Österreicher so die kleine Kristallkugel im Riesenslalom und im Slalom.

Da ist die Abfahrt ausgeglichener. 47-mal bretterten die Fahrer in den vergangenen fünf Wintern die Pisten herunter, 15 verschiedene Sieger gab es, mehr als in jeder anderen Disziplin. Fünf oder mehr Rennen gewannen aber nur vier Athleten: Dominik Paris (9), Kjetil Jansrud (7), Aksel Svindal (6) und eben Feuz mit fünf Siegen. Und abgesehen von Patrick Küngs Goldener an der WM 2015, gehen auch die Siege an Grossanlässen an Teile dieses Quartetts. Feuz holte 2017 Abfahrts-Gold, Jansrud 2019. Dazwischen gewann Svindal die olympische Goldmedaille. Zum Ende der vergangenen Saison trat er zurück.

Seriensieger zu werden, ist also in der Abfahrt nicht einfach. Auch für Feuz nicht. Am Samstagabend steht die erste Abfahrt des Winters an. Und auch ohne Svindal ist die Konkurrenz um die kleine Kristallkugel riesig. Feuz könnte die Trophäe in dieser Saison zum dritten Mal in Folge gewinnen. Diese Fahrer werden bei diesem Unterfangen seine wohl grössten Rivalen:

Dominik Paris30, Italien, 16 Weltcupsiege, davon zwölf in der Abfahrt.

Er wird wohl immer mit einem Auge zu den Technikern rüberschielen. Und hoffen, dass die sich die Punkte klauen. Wenn es im Slalom und im Riesenslalom ausgeglichener zu und her geht als in den vergangenen Wintern, dann ist Dominik Paris nämlich auch ein Anwärter auf den Gesamtweltcup. Der Heavy-Metal-Sänger aus dem Südtirol ist überall gut, er mag es eisig und pickelhart, er liebt Kitzbühel, er liebt Bormio. In guter Form ist Paris fast unschlagbar.

20 Punkte trennten Paris zum Ende des letzten Winters noch von Feuz im Kampf um die kleine Kristallkugel. Und es ist wohl nicht gewagt, zu behaupten, dass der Italiener den Emmentaler noch eingeholt hätte, wäre noch eine Abfahrt mehr ausgetragen worden. Denn gerade in der zweiten Hälfte der Saison 2018/19 war er in einer phänomenalen Verfassung, gewann nach dem Jahreswechsel drei von vier Abfahrten. Und an der WM holte er Gold im Super-G.

Kjetil Jansrud34, Norwegen, 22 Weltcup-Siege, davon acht in der Abfahrt.

Er ist Weltmeister in dieser Disziplin, auch darum ist er hier dabei. Und mit dem Rücktritt von Landsmann und Kumpel Svindal ist er auch der Mann unter den aktiven Speedfahrern mit den meisten Weltcupsiegen. 22 sind es, 6 mehr noch als Paris. Die meisten seiner Siege aber holte Jansrud nicht in der Abfahrt, sondern im Super-G. In den vergangenen fünf Wintern gewann er im Schnitt fast jedes dritte Rennen, 10 von 34 an der Zahl.

Der freundliche Norweger stapelt aber tief. «Gut» sei seine Vorbereitung gewesen, «okay» sein Gefühl vor den ersten Speedrennen in Kanada, berichtet er dem Portal skionline.ch. Mit dem neuen Leader im norwegischen Team wird trotzdem zu rechnen sein, einer wie er wird sich nicht nur auf den Super-G konzentrieren. In der letzten Saison wurde er lange von einem lästigen Bruch an der Hand aufgehalten. WM-Gold gab es trotzdem.

Vincent Kriechmayr28, Österreich, vier Weltcup-Siege, davon zwei in der Abfahrt.

Beat Feuz hielt den Angriffen aus dem österreichischen Speedteam in den letzten Jahren stand. Ob sie von Hannes Reichelt, Max Franz oder Matthias Mayer kamen. Doch da ist auch noch Vincent Kriechmayr. Am Lauberhorn verhinderte er im Januar Feuz’ Heimsieg, in Kitzbühel war er gut unterwegs, scheiterte aber in der Traverse kurz vor dem Ziel. Die hatte auch schon Feuz wertvolle Weltcup-Punkte gekostet.

Kriechmayr ist trotz WM-Silber im Super-G und Bronze in der Abfahrt noch hinter Feuz, Paris und Jansrud einzustufen. Die Österreicher aber sind sicher: Der Spätzünder aus Linz kann diesen einen Schritt noch machen, wenn nötig auch schon in diesem Winter. In einem Interview mit der NZZ sagte Beat Feuz einmal, Kriechmayr sei das Mass der Dinge, was technisch brillantes Skifahren im Speed-Bereich betreffe. Und auch Kriechmayr selbst findet: «Noch werde ich jedes Jahr besser.»

Aleksander Aamodt Kilde27, Norwegen, drei Weltcup-Siege, davon zwei in der Abfahrt.

27-jährig ist Aleksander Aamodt Kilde. Er ist in dieser Disziplin, in der die Erfahrung so viel ausmacht, im besten Alter. Jung genug, um die oben genannten älteren Mitfavoriten zu überleben. Alt genug, um die Tücken der Pisten dieser Welt zu kennen. Und die Saison, in der er wieder mit altem Material unterwegs ist, könnte die sein, in der er aus einem gigantischen Schatten tritt. Was für die Österreicher Winter Nummer 1 nach Hirscher ist, ist für die Norweger dasselbe nach Svindal.

Drei Weltcup-Siege hat Kilde bisher eingefahren, da haben ihm die meisten anderen Spitzenfahrer etwas voraus. Und irgendwie wartet man beim Mann mit der stets beneidenswert perfekt sitzenden Frisur auf den ganz grossen Durchbruch. Vielleicht ist es in diesem Winter so weit. Feuz jedenfalls zählt Kilde zu den grössten Anwärtern auf die kleine Kugel. Und somit zu seinen ärgsten Konkurrenten.

Auch sie wollen mitredenCaviezel, Innerhofer, Mayer & Co.

Damit sind die wohl fünf grössten Favoriten genannt. Aber die Statistik zeigt es: Die Abfahrt ist die ausgeglichenste Disziplin im Ski-Weltcup der Männer. Entsprechend breit ist das Feld der Podestanwärter. Aus dem eigenen Lager hat vor allem Mauro Caviezel diese Ansprüche, der Winter 2018/19 war sein bisher bester, vor allem der Start glückte ihm ausgezeichnet.

Da sind aber auch noch der Österreicher Matthias Mayer, zweifacher Olympiasieger, und sein Landsmann Max Franz, der vor einem Jahr zum Saisonauftakt gewann, dann aber mit Verletzungen zu kämpfen hatte. Oder Thomas Dressen, der Deutsche, der die komplette letzte Saison verpasste, davor aber in Kitzbühel triumphierte – Christof Innerhofer, mit dem bei den Klassikern zu rechnen ist und der langsam aber sicher genug hat von vierten und fünften Plätzen. Auch dieses Feld ist ausdehnbar, klar ist also vor allem: Es wird nicht langweilig.

DerBund.ch/Newsnet

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt