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Colognas Glück ist noch fragil

Dario Cologna startete so gut in eine Saison wie lange nicht mehr. Der 33-Jährige scheint aus dem enttäuschenden letzten Winter gelernt zu haben.

Ein dritter Rang, der Mut macht: Dario Cologna fuhr in Davos unerwartet stark
Ein dritter Rang, der Mut macht: Dario Cologna fuhr in Davos unerwartet stark
Gian Ehrenzeller, Keystone

Wie 24 Stunden Dario Cologna doch verändern können. Am Samstag war er nach schwacher Sprintleistung stumm-verärgert aus dem Zielraum von Davos gestürmt. Gestern präsentierte er nach seinem Weltcuprennen über 15 km Skating im Einzelstart seine Schokoladenseite: Er scherzte und plauderte, als hätte es den mies gelaunten Cologna nie gegeben.

Der Stimmungsumschwung ist verständlich: Bei seinem ersten Einsatz in diesem Winter über eine längere Distanz präsentierte er sich als Dritter schon inmitten der Besten. Das ist für den 33-Jährigen ungewöhnlich, der von sich sagt, stets ein paar Rennen zu brauchen, bis er seine Topform erreicht habe.

Besser ist noch: Jedes Mal, wenn Cologna zum Winterauftakt überzeugte, hielt er danach das Niveau auch. Ohnehin war er erst zweimal – in der Saison 2010/11 und 2013/14 – noch einen Platz besser klassiert gewesen. Vor neun Jahren dominierte er in der Folge den Winter, vor sechs holte er sich Monate später zwei Olympia- titel.

Das aktuelle Problem bleibt

Cologna nun gleich wieder zum Super-Dario zu erklären, wäre trotzdem verfrüht. Zwar sagte er nach seinem Podestplatz, gewusst zu haben, dass seine Form stimme. Nach seiner schwachen Sprintleistung vom Samstag aber strahlte er das Gegenteil aus: Verunsicherung. Das Glück ist also noch fragil.

Zudem bringt ihm dieser Podestplatz nun zwar eine breite Brust ein, löst sein aktuelles Problem aber nicht: die linke Wade. Weil sie schmerzte, reiste er mitten im ersten Weltcupwochenende heim.

Die grosse mittelbare Frage wird darum sein, ob er seine fragilen Muskeln bis zum Start der Tour de Ski für die Klassisch-Einsätze ausreichend auftrainieren kann. Denn mit glänzenden Skating-Resultaten allein ist an der neuntägigen Prestigeserie, die am 28. Dezember in Lenzerheide beginnt, nicht viel zu gewinnen.

Die harten Trainings waren härter

Entscheidender als die nahe Zukunft ist für die Karriere von Cologna allerdings, was in der Vergangenheit passierte. Nachdem er im letzten Winter für seine Verhältnisse fast durchwegs enttäuscht hatte, stellte sich gar die Frage, ob er den Rückstand würde korrigieren können – und ob er erkannt hatte, was falsch gelaufen war.

Auch wenn die finale Antwort nach erst einem Einsatz über eine längere Distanz verfrüht wäre, scheint die Tendenz doch zu einem Ja zu gehen.

Was in der Vorbereitung wirklich so viel besser klappte als im Vorjahr, kann Cologna nicht benennen. Disziplinenchef Hippolyt Kempf zählt drei Aspekte auf: Die harten Trainings waren härter. Eine bessere Abstimmung der Einheiten während der Woche brachte mehr Qualität, neue Reize im Krafttraining mehr Agilität.

Cologna findet hingegen, so viel habe sich im Vergleich zu früher nicht verändert. Er sagt damit auch, dass man Spitzensport nicht immer bis in die letzte Facette erklären beziehungsweise verstehen kann.

Darin besteht ein Reiz. Wäre er eine exakte Wissenschaft, fehlten grosse Emotionen samt mirakulösen Wendungen. Eine solche erfuhr Cologna bereits einmal: Just auf den Olympiawinter 2018 hin fand er wieder zur Goldform. Schon damals rätselte er ein bisschen, warum er sich gerade zu diesem Zeitpunkt abermals zum Super- Dario entwickelte.

Die Schweizer Bilanz geschönt

Dass es ihn, diesen Solitär des Schweizer Langlaufs, weiter dringend braucht, verdeutlichte dieses Weltcup-Heimwochenende in Davos. Cologna schönte mit seinem dritten Rang die Gesamtbilanz eines ansonsten bescheidenen Teams.

Zwar hat Swiss-Ski in den letzten Jahren – ausschliesslich wegen Dario Cologna – deutlich in Infrastruktur und auch Personal investiert. Ausser der Sprinterin Nadine Fähndrich, Neunte am Samstag, aber kann niemand den Rückenwind Colognas nutzen.

Dass Langlauf-Chef Kempf seinem Botschafter nach dem Podestplatz innig gratulierte, zeigt: Kempf weiss um die Malaise und die herausragende Bedeutung seines Captains.

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