Madonna, Daniel Yule!

Der Walliser gewinnt wie im Vorjahr in Madonna di Campiglio und gehört jetzt zu einem exklusiven Zirkel.

Yule feiert seinen zweiten Slalomsieg in Madonna di Campiglio. (Video: SRF)
René Hauri@tagesanzeiger

Daniel Yule mag die Auftritte im Scheinwerferlicht. Der Teppich weiss statt rot, steil hinunter statt eben, nichts Edles an den Füssen, sondern Skischuhe. Diese Bühne am späten Abend in Madonna di Campiglio mit dem beleuchteten Hang, mit Zehntausenden frenetischen Fans in dieser Ski-Arena. Yule: gemacht für die grosse Plattform. So war das vor einem Jahr. So war das an diesem Mittwoch.

Im ersten Lauf war der Walliser der Schnellste gewesen, im zweiten liess er sich durch nichts ablenken, nicht von der blinkenden Röhre, durch die die Fahrer schreiten müssen, um zum Starthaus zu gelangen, nicht von der ohrenbetäubenden Stimmung oder von Henrik Kristoffersen, dem Norweger, der ihn am meisten herausforderte in diesem zweiten Slalom des Jahres. 15 Hundertstel Vorsprung im Ziel, Weltcupsieg Nummer 2 für Yule. «Das ist unglaublich», sagte der Walliser in die Fernsehkamera, «ich bin sehr, sehr, sehr zufrieden. Vor allem damit, dass ich nach der Enttäuschung von Zagreb so zurückgekommen bin.» 27. war er dort am Sonntag geworden, der unrhythmisch gesteckte und eher flache Hang behagte dem 26-Jährigen überhaupt nicht, daran änderte auch seine Saisonvorbereitung in einer Skihalle in Frankreich nichts, in der er an seinen Schwächen in ebenem Gelände arbeitete.

Wettrennen mit Zenhäusern

Wie anders doch die Bühne im Trentino war, wie anders seine Gefühlslage. Unten klatschte Yule einer der ganzen Grossen zu: Alberto Tomba, siebenmal in Madonna di Campiglio gestartet, nie schlechter als Zweiter. Ganz so beeindruckend ist Yules Ausbeute auf dem Spektakel-Hang zwar noch nicht, zu einem exklusiven Zirkel gehört er seit Mittwoch gleichwohl. Zwei Siege in einem Slalom, das haben in der 53-jährigen Geschichte des Weltcups gerade einmal drei Schweizer vor ihm hingekriegt: Didier Plaschy, Pirmin Zurbriggen und Dumeng Giovanoli, der Bündner, der 1968 in der zweiten Weltcupsaison überhaupt die Klassiker in Wengen und Kitzbühel gewann. Und nun also gehört Yule zu diesem Kreis, dem bislang nur längst Zurückgetretene angehörten.

Ein Wettrennen mit Ramon Zenhäusern habe er sich geliefert, sagte er: Darum, wer als Erster seinen zweiten Sieg schaffen würde. Er war es. Zenhäusern, in Zagreb als Zweiter noch sieben Hundertstel am Triumph vorbeigeschrammt, schied zum zweiten Mal in diesem Winter aus. Als Sechster des ersten Durchgangs gestartet, fädelte er nach blitzschneller Fahrt im oberen Teil ein.

Beste Platzierung für Nef

So war einer zweitbester Schweizer, der es noch nie in die Top 10 geschafft hatte. Der 23-jährige Genfer Tanguy Nef wurde Sechster, weil er seine Taktik in Perfektion umsetzte. Voll attackieren, ohne einen Fehler zu machen. Man wisse nie so recht, was man bei ihm bekomme, sagen seine Trainer. Am Mittwoch bekamen sie Rang 6 von ihm, den Sieg von Yule, Rang 12 von Sandro Simonet und die Plätze 19 durch Marc Rochat und Loïc Meillard. Es ist eine Slalom-Generation am Start, die zu noch ganz anderem fähig zu sein scheint als zwei Siegen eines einzelnen Athleten.

Madonna di Campiglio (ITA). Weltcup-Slalom der Männer: 1. Daniel Yule (SUI) 1:35,60. 2. Henrik Kristoffersen (NOR) 0,15 zurück. 3. Clément Noël (FRA) 0,25. 4. Sebastian Foss-Solevaag (NOR) 0,30. 5. Alexis Pinturault (FRA) 0,60. 6. Tanguy Nef (SUI) 0,85. 7. Stefan Hadalin (SLO) und Dave Ryding (GBR), je 1,34. 9. Manfred Mölgg (ITA) 1,39. 10. Johannes Strolz (AUT) 1,40. Ferner: 12. Sandro Simonet (SUI) 1,46. 15. Marco Schwarz (AUT) 1,68. 19. Marc Rochat (SUI) und Loïc Meillard (SUI), je 1,87. 27. Stefano Gross (ITA) 2,60. – 28 der 30 Finalisten klassiert. – Ausgeschieden: Ramon Zenhäusern (SUI), André Myhrer (SWE).

DerBund.ch/Newsnet

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