«Bin froh, dass etwas gefunden wurde»

Video

Carlo Janka sprach über seine Herzrhythmusstörungen – und will heute im Riesenslalom eine Medaille.

Zuversichtlich vor dem Riesenslalom: Carlo Janka. (Video: skionline.ch)
Christian Andiel@tagesanzeiger

Wie redet man über etwas,worüber man am liebsten gar nicht reden würde? Gestern bei der Pressekonferenz sass neben Carlo Janka Teamarzt Dionys Glenz. Diese Konstellation versprach weniger ein Gespräch über die pure Vorfreude auf die Medaillenjagd heute im Riesenslalom. Es ging um die leichten Herzrhythmusstörungen bei Janka, es ging aber vor allem darum, nicht zu viel zu sagen.

Denn zwar ist vieles bekannt: Die Symptome etwa, Janka bringt nach Stresssituationen und hoher Leistungsanforderung den Puls sehr lange nicht mehr herunter, er ist schnell erschöpft. Klar ist auch die Ursache dieser Störung. Bei Janka hat sich – vermutlich durch den mysteriösen Virus, der ihn seit zwei Jahren plagt – eine zusätzliche Herzleitbahn entwickelt, diese bringt den Herzrhythmus durcheinander. Und schliesslich haben drei Kardiologen festgestellt, dass bei Janka keinerlei Gefahr bestehe, wenn er weiter Rennen fahre, wie Glenz betonte.

Auch der Super-G-Weltcup lockt

Unklar ist aber, wie es beim Obersaxer weitergeht. «Im Riesenslalom ist mein Ziel auf jeden Fall eine Medaille», sagt der Titelverteidiger, «ich fühle mich fit, wir haben in der Vorbereitung alles gemacht, was wir machen konnten.» Danach wird er auf jeden Fall die Saison zu Ende fahren, schliesslich könne er die kleine Kristallkugel im Super-G noch gewinnen, und das sogar in der Heimat, beim Weltcupfinal auf der Lenzerheide.

Aber was geschieht dann? Genau an diesem Punkt fängt die Ungewissheit an, und Mediziner wie Glenz lassen sich auf nichts weniger gern ein als auf Spekulationen. Denn erst nach der Untersuchung im Frühjahr könne man sagen, ob ein Eingriff notwendig sei und wie dieser aussehe. «Mehr kann ich vorher wirklich nicht dazu sagen», betonte Glenz immer wieder, und er kenne auch keine direkt vergleichbaren Fälle: «Jeder Fall ist individuell.»

Bei Janka war im Vergleich zu den Tagen zuvor eindeutig Erleichterung zu spüren. Er wirkte wacher, war gesprächiger, lächelte sogar ab und zu wieder einmal. «Ich bin froh, dass etwas gefunden wurde», sagte er zu den Wochen und Monaten der Mutmassungen, die keine Lösung brachten. «Wir haben noch nicht auf alle Fragen eine Antwort, aber wir haben einen ersten Ansatz.» Denn noch immer sei unklar, woher der Virus komme, der nun schon zwei Frühjahre hintereinander für auffällige Leberwerte gesorgt habe. «Warten wir ab, vielleicht finden wir in diesem Punkt die Lösung nach meiner Untersuchung, nach dem Eingriff, wenn er nötig ist.»

Sieger auf der Kandahar 2010

Erst einmal macht er sich heute an die Titelverteidigung im Riesenslalom, wo er ja auch Olympiasieger ist. Janka war sichtlich froh, dass er wieder über sportliche Dinge reden konnte, nicht mehr nur Fragen nach seiner Fitness, seiner Gesundheit beantworten musste. Auf der Kandahar hatte er vor einem Jahr den Riesenslalom und damit den Gesamtweltcup gewonnen. «Das sind natürlich schöne Erinnerungen», sagte Janka, «aber die Schneeverhältnisse sind dieses Jahr ganz anders.» Oben ist es hart, unten sulzig, heute könnte es sogar oben schneien und unten regnen, sehr schwierige Verhältnisse. «Ich bin bereit», sagt Janka, und er schaut dabei fast ein wenig grimmig.

Tages-Anzeiger

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt