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Beat Feuz: Das Genie schlägt wieder zu

Der 32-jährige Emmentaler gewinnt nach 2012 und 2018 erneut die Abfahrt am Lauberhorn. Für den dritten Sieg riskierte Feuz alles – auch seine Gesundheit.

<i>Die Siegfahrt von Beat Feuz. (Video: SRF)</i>

Als ginge es um Leben oder Tod. So sei das gewesen oben im Starthaus vom Lauberhorn. Beat Feuz stand darin, angefeuert, ja angeschrien von den Leuten am Pistenrand in der Nähe des Hund­schopfs, wo es losging, weil im oberen Teil die Strecke dem gefallenen Schnee nicht Stand gehalten hatte. Noch ein Blick auf das herrlich verschneite Panorama vor ihm, dann stiess er sich ab – und setzte an zur nächsten Wunderfahrt auf dem Berg, der nun definitiv zu seinem wurde.

Den dritten Sieg gab es für den Emmentaler in Wengen, die Menge im Zielraum skandierte seinen Namen, er streckte ihnen den linken Zeigefinger entgegen. Beat Feuz, der König des Lauberhorns. Gefahren wie auf Schienen – ohne Schiene. Diese schützt seit dreieinhalb Wochen seine linke Hand mit dem gebrochenen Mittelhandknochen. Nicht hier, bei seinem Heimrennen, zu sehr wollte er den nächsten Triumph. Als der 32-Jährige gehört hatte, dass sie den Start nach unten verlegen, da nahm er sie ab. Er wusste: Mit ihr würde er zu wenig Kraft haben für das flache Anfangsstück. «Das ist sicher nicht empfehlenswert, das würde ich nicht bei jedem Rennen tun, aber ich riskierte es.»

Jetzt Rekordsieger

Das tat er dann auch auf der Piste, Minschkante, Brüggli-S, er ging dort ans Limit «wie selten», sagte er. Bei der Einfahrt in diese Rechts-Links-Kombination touchierte er noch das Netz, im Ziel stand: -0,29. Dominik Paris, verdrängt auf Rang 2, in Wengen und in der Abfahrtswertung. Thomas Dressen liegt in beiden Listen auf dem 3. Platz. Und Feuz also stand nach 2012 und 2018 wieder zuoberst auf dem Podest und liess sich am Abend auf dem Dorfplatz feiern von der Masse mit ihren Tausenden Schweizer Fähnchen. «Unglaublich», entfuhr es ihm.

Holte den Sieg nach Hause: Beat Feuz. (Bild: Keystone)
Holte den Sieg nach Hause: Beat Feuz. (Bild: Keystone)

Feuz zog mit Franz Klammer gleich, dem Lauberhorn-Rekordsieger seit der Einführung des Weltcups. Er wird im gleichen Atemzug genannt wie ein Klammer, wie Sechsfachsieger Karl Molitor, wie Karl Schranz, Toni Sailer oder Rudolf Graf, sie alle gewannen diese Abfahrt schon mindestens dreimal. «Mein Name will da nicht so recht hineinpassen», sagte Feuz. Er tut es sehr wohl.

Der Teamkollege verneigt sich

Der Mann aus Schangnau ist der kompletteste und konstanteste Abfahrer der Gegenwart. Seit seinem Sieg in Wengen 2018 gab es 17 Rennen in dieser Disziplin. Feuz stand 15-mal auf dem Podest. Teamkollege Niels Hintermann, gestern Achter, verneigte sich im Zielraum. Nicht vor den Fans, sondern vor Feuz. «Es ist enorm eindrücklich, wie konstant er ist. Hut ab vor ihm als Mensch, wie er sich gegenüber uns verhält. Hut ab vor ihm, wie er sich in den Medien präsentiert – und natürlich auf der Piste.»

Carlo Janka, Lauberhornsieger 2010, sagte: «Er ist einfach eine coole Socke. Es kann keinen grösseren Favoriten geben als ihn hier in Wengen. Und er fährt es trotzdem nach Hause. Das verdient grossen Respekt. Er hat die nötige Lockerheit und einen Fahrstil, der fast keine Energie verbraucht. Der könnte wohl noch ein, zwei Minuten weiterfahren, ohne müde zu werden. Beat hat grosse Trümpfe – und spielt diese super aus.»

Ein glücklicher Beat Feuz bei der Siegerehrung. (Bild: Keystone)
Ein glücklicher Beat Feuz bei der Siegerehrung. (Bild: Keystone)

Im Zielraum lief ein Mann herum, mit einem Lächeln, er kriegt es bald nicht mehr aus seinem Gesicht. Urs Lehmann, Präsident des Schweizer Skiverbandes, und als solcher nur so überschüttet von Erfolgen in der jüngsten Vergangenheit. Er erlebte den zweiten Heimsieg innert einer Woche nach dem Triumph von Daniel Yule im Slalom von Adelboden. Was dem Abfahrtsweltmeister von 1993 einfällt zu Feuz? «Zwei Sachen», sagt Lehmann. «Er hat ein unglaubliches Gefühl, das hat kein anderer Abfahrer. Er ist ein Genie auf den Ski. Zweitens hat er den Killerinstinkt. Er weiss haargenau, wann er etwas zurücknehmen muss, wann er Gas geben kann, wann er noch eine Schippe drauflegen muss. Es ist diese Kombination, die perfekt passt am Lauberhorn. Die Strecke liegt ihm, dann das Heimpublikum hier – einfach genial.»

Vor zehn Jahren ist Feuz erstmals zum Weltcuprennen in Wengen gestartet. 42. wurde er. Nun ist er Dreifachsieger. «Das hätte ich mir damals nicht einmal erträumen können», sagte er. «Das ist ein nächstes Highlight meiner Karriere, das ich gegen nichts eintauschen würde.» Soll heissen: auch nicht gegen einen Sieg in Kitzbühel. Der fehlt dem Weltmeister von St. Moritz 2017 noch. Nächste Woche will er daran arbeiten, diesen kleinen Fleck in seinem eindrücklichen Palmarès auszuradieren.

Video: Das sagt Feuz zu seinem Sieg

Zum dritten Mal siegt der Schweizer am Lauberhorn. Video: SDA

Wengen. Weltcup-Abfahrt der Männer: 1. Beat Feuz (SUI) 1:42,53. 2. Dominik Paris (ITA) 0,29 zurück. 3. Thomas Dressen (GER) 0,31. 4. Matthias Mayer (AUT) 0,38. 5. Mauro Caviezel (SUI) 0,42. 6. Aleksander Kilde (NOR) 0,48. 7. Bryce Bennett (USA) 0,87. 8. Niels Hintermann (SUI) und Vincent Kriechmayr (AUT), je 0,93. 10. Ralph Weber (SUI) 1,00. 11. Kjetil Jansrud (NOR) 1,08. 12. Daniel Danklmaier (AUT) 1,10. 13. Manuel Schmid (GER) 1,16. 14. Ryan Cochran-Siegle (USA) 1,30. 15. Mattia Casse (ITA), Nils Allègre (FRA), Carlo Janka (SUI) und Otmar Striedinger (AUT), je 1,54. Ferner die weiteren Schweizer: 26. Lars Rösti 1,84. 28. Gilles Roulin 2,03. 35. Stefan Rogentin 2,17. - 58 Fahrer gestartet und klassiert.

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