Anlauf am Zauberberg

Die Schweizer Skifahrer haben bislang enttäuscht – kein Grund zur Panik.

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Sie wollten das gute Gefühl finden, in den Rhythmus kommen, sich in Form fahren. Am besten schon am Anfang dieses speziellen Winters mit der Heim-WM in St. Moritz, damit dann dort ein Feuerwerk gezündet werden kann.

Jetzt sind es noch 24 Tage bis zur Eröffnungsfeier. Und das Schweizer Männerteam ist so gar nicht dort, wo es sich gerne sehen würde. Es hat in 16 Rennen keinen Podestplatz geholt. Carlo Jankas 2. Rang ist ein Sonderfall – herausgefahren in der Sonder­disziplin Parallel-Riesenslalom.

Nun ist eine solche Baisse längst keine Seltenheit mehr, Cheftrainer Thomas Stauffer hat schon Übung darin, sie im Januar jeweils zu erklären – was die jetzige Lage nicht besser macht. In Wengen tut er das diesmal, indem er davon spricht, dass es manchmal knapp war, etwa bei Janka, der das Super-G-Podest in Val-d’Isère um drei Hundertstel verpasste. Dass die Speed-Rennen in Beaver Creek ausfielen, traditionell ein Ort, der den Schweizern liegt. Dass im Riesenslalom Justin Murisier zweimal im ersten Lauf der Spitze nahe war – aber eben: nicht im zweiten. Dass ihm das Slalomteam Freude gemacht habe. Dass es bei Daniel Yule und Luca Aerni nur eine Frage der Zeit sei, bis sie in die Top 3 kämen. Doch so tönt es schon seit langem, den Durchbruch haben sie noch nicht geschafft.

Noch drei Rennen Zeit

Zuletzt sagt Stauffer noch: Im Abfahrtsteam würde manch einer fehlen – es fallen die Namen Marc Gisin und Fernando Schmed. Dass er nur diese zwei nennen kann, heisst auch: Beat Feuz, Carlo Janka, Patrick Küng, alle sind sie da. Allesamt Grössen, allesamt gut für Spitzenresultate, eigentlich für Siege, und: allesamt seit Winteranfang am Start, was in den letzten Jahren keine Selbstverständlichkeit war. Dennoch hat noch keiner dieser Trümpfe gestochen. Das ist enttäuschend. Aber, da hat Stauffer recht, nicht beunruhigend.

Die wichtigsten Abfahrten folgen erst, morgen in Wengen, eine Woche später in Kitzbühel, darauf in Garmisch. Drei Rennen haben die ­Schweizer also noch Zeit, um dieses gute Gefühl, diesen Rhythmus zu finden. Dass sie das auch in der Kürze der Zeit können, steht ausser Frage. Das Lauberhorn ist so etwas wie ein Zauberberg für Feuz, Janka und Küng. Schnell sind sie dort für gewöhnlich auch, wenn es sonst nicht läuft. Und selbst wenn es da nicht klappen sollte mit der Befreiungsfahrt, brauchen sie nicht in Panik zu verfallen. Es käme ja noch Kitzbühel, wo Feuz und Janka im Vorjahr auf dem Podest standen, oder, zur Not, Garmisch.

Der erfahrungslose Weltmeister

Für Janka und Küng ­dürften diese letzten Rennen aber entscheidend sein im Hinblick auf die WM. Vor allem für Küng, den Abfahrtsweltmeister. Er fehlte bei der Hauptprobe im letzten März, dem Weltcupfinal in St. Moritz, verletzt. Das ist ein mittelgrosses Handicap, der Glarner wird deshalb viel Selbstbewusstsein brauchen, um einen Spitzenplatz erreichen zu können.

Feuz dagegen würde selbst nicht aus der Ruhe bringen, sollte es ihm auch in diesen letzten drei Abfahrten nicht wunschgemäss laufen. Zum einen hat er das Vertrauen in sich und seine Fähigkeiten so oder so. Zum anderen gewann er in St. Moritz 2016 Super-G und Abfahrt – positiv gestimmt wäre er also ohnehin.

Die drei grössten – oder besser: einzigen – Medaillenhoffnungen ­machen sich mit unterschiedlichen Vorzeichen an den Endspurt. Trotz mässigem Start sind alle gelassen. Noch.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.01.2017, 23:12 Uhr

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