Motoren der Region

Die Skirennen in Adelboden und Wengen generieren 19 Millionen Franken Umsatz.

Der Tag der Tage in Wengen: Touristen und Einheimische auf dem Weg ans Lauberhornrennen. Foto: Dieter Seeger

Der Tag der Tage in Wengen: Touristen und Einheimische auf dem Weg ans Lauberhornrennen. Foto: Dieter Seeger

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Lauberhorn und Chuenisbärgli. Tradition, Spektakel, Mythos. Die Bilder sind nicht aus dem Skizirkus wegzudenken. Wie sich die Fahrer bei stahlblauem ­Himmel aus dem Starthaus abstossen, den Hundschopf hinunterfliegen, durch das enge Kernen-S kurven, Langentreien, Seilersboden, Silberhornsprung und ­Österreicherloch passieren, ehe sie meist entkräftet noch das schwierige Ziel-S zu bewältigen haben – und dann vom euphorischen Publikum empfangen werden.

Wie die Riesenslalom- und Slalom­fahrer in den steilen Zielhang von Adelboden einbiegen, ein Lied aus ihrem Heimatland aus den Lautsprechern dröhnt und sie unten «eine Atmosphäre wie in einem Fussballstadion» erwartet. So ­beschrieb es Marcel Hirscher nach seinem Sieg vom Samstag.

Es sind zwei schöne Skifeste im Berner Oberland, die innerhalb von neun Tagen gefeiert werden. Für die Region sind sie aber viel mehr. «Es ist ein wunderbares Schaufenster und unbezahlbare Werbung», sagt Urs Pfenninger, Geschäfts­führer von Adelboden Tourismus. Christine Flück, Medienverantwortliche der Jungfrau Region, spricht von einem «wahren Marketing-Glück», wenn sie an die Lauberhorn­rennen denkt.

Deutscher Sieg, deutsche Gäste

Die Zahlen sprechen dieselbe Sprache: Über 10 Millionen Fernsehzuschauer in Europa allein während der Abfahrt in Wengen, insgesamt 54 000 Skifans vor Ort (Adelboden: 39'000), 31'000 Logiernächte (25'000) und 3,9 Millionen Franken Wertschöpfung in der Region (3,3 Millionen) generiert der Anlass. Insgesamt lösen die Rennen in der Schweiz etwa 19 Millionen Franken Umsatz aus – in ­dieser einen Woche. «Wir versuchen aber, sie auch darüber hinaus zu nutzen, um Leute anzulocken», erklärt Pfenninger.

So wird kommende Woche die Weltcuppiste vom Chuenisbärgli für die Touristen geöffnet, kann die mit Informationstafeln versehene Strecke im Sommer abgelaufen werden, oder gibt es ein Treffen von Volksmusikgruppen aus ­verschiedenen Weltcuporten. «Und die Lauberhornrennen haben nur schon deshalb einen nachhaltigen Effekt, weil die Emotionen danach noch lange anhalten. Viele Leute wollen selber an den Ort des Geschehens», sagt Flück. ­Offenbar vor allem Landsleute des Siegers. 2013 gewann Christof Innerhofer die Abfahrt, prompt gab es mehr An­fragen aus Italien als gewohnt.

So ist es auch in Adelboden. Als letztes Jahr der Deutsche Felix Neureuther im Riesenslalom triumphierte, hätten sie das bei den Buchungen gemerkt, sagt Pfenninger. «Daher war es gut, dass mit Fritz Dopfer im Slalom erneut ein ­Deutscher auf dem Podest stand.»

Überhaupt zieht der 45-Jährige ein ­positives Fazit des letzten Wochenendes. «Die Stimmung war fantastisch, am Samstag war das Wetter herrlich, am Sonntag hatten wir verschneite Landschaften», beschreibt er. Dass der Hang nicht immer weiss ist, bezeichnet er als «Luxus­problem». Und sagt: «Das gab es schon immer, früher war die Piste dann gar noch schmaler, weil noch kein Kunstschnee zur Verfügung stand. Ein negativer Werbeeffekt entsteht dadurch kaum.»

Alles wunderbar also? Nicht ganz. Dem Adelbodner missfallen die «Schlachtenbummler, die nur wegen des Fests und nicht wegen des Sports ­kommen. Mit zunehmendem Alkohol­konsum führen sich diese dann nicht mehr so auf, wie sie es sollten.»

Ersetzte Schneeschaufeln

Man nimmt es in Kauf in Wengen und Adelboden. «Wir hören nie von Ein­heimischen, dass sie die Lauberhorn­rennen nicht mehr wollten», sagt Flück. Und Pfenninger bestätigt: «Eine ganz grosse Mehrheit der Adelbodner steht voll und ganz hinter dem Anlass.» Schliesslich werden sie für Verluste auch entschädigt. Jede abhandengekommene Schneeschaufel, jeder kaputte Abgrenzungspfosten wird von der Ski-Weltcup Adelboden AG ersetzt. «Damit gar nicht erst Groll aufkommen kann», wie Pfenninger sagt. Und sonst haben die Veranstalter ja noch die Zahlen als Argument. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.01.2015, 23:17 Uhr

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