«Ich denke nicht an den Unfall»

Lara Gut ist zurück in St. Moritz. Zehn Monate haben augenscheinlich gereicht, um den fatalen Sturz an der WM zu verarbeiten.

Genuss und kein Stress: Lara Gut kehrt gestärkt ins Engadin zurück. (7. November 2017)

Genuss und kein Stress: Lara Gut kehrt gestärkt ins Engadin zurück. (7. November 2017) Bild: Fabrice Coffrini/AFP

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Mehr Emotionen geht eigentlich nicht. Lara Gut hat in St. Moritz als Skirennfahrerin die gesamte Gefühlspalette kennengelernt. Der Ort im Engadin steht bei ihr für Freude, Genugtuung, aber auch für Wut, Ärger und Verbitterung. Auf keiner Weltcup-Piste ist für sie die Bandbreite an einschneidenden Momenten so gross wie auf der Corviglia.

Lara Gut steht in Nordamerika wieder auf dem Podest. (Video: Tamedia)

Nun ist Gut also zurück auf diesem Berg. Von Freitag bis Sonntag stehen eine Kombination und zwei Super-G im Weltcup-Kalender. Erinnerungen kommen hoch, die besonderen Augenblicke ruft sie ohne Verzögerung ab. Etwa ihre erste Weltcup-Abfahrt, in der sie vor knapp zehn Jahren als 16-jähriger, unbekümmerter Teenager trotz eines Sturzes kurz vor dem Ziel auf Platz 3 gerast war. Oder ihren ersten Weltcup-Sieg in einem Super-G gut zehn Monate danach. Oder die Übergabe der grossen Kristallkugel für den Gewinn des Gesamtweltcups beim Finale der vorletzten Saison. Alles passiert in St. Moritz.

Fragen und Antworten

Es sind prägende Faktoren einer schon jetzt beeindruckenden Bilanz. Imposante Zahlen und Ergebnisse, die dieser Tage allerdings in den Hintergrund rücken. Zu dominierend, zu zeitnah ist das bisher letzte Kapitel, das Gut in St. Moritz geschrieben hat: Der an der WM im Februar beim Einfahren für den Kombinations-Slalom erlittene Kreuzbandriss im linken Knie. Wie sehr sind der Sturz und seine schwerwiegenden Folgen noch im Kopf von Gut verankert? Wie schwer fällt es ihr, den Fokus aufs Wesentliche zu legen? Welche Reaktion zeigt sie bei der unvermeidlichen Konfrontation mit dem Unfallort?

Fragen über Fragen. Die Athletin hat am Vorabend der Kombination die Antworten geliefert. «Ich bin froh, wieder hier zu sein, denke aber nicht an den Unfall oder daran, etwas gut machen zu müssen.» Die Verarbeitung des Sturzes hatte offensichtlich schon nach der Veröffentlichung des aktuellen Weltcup-Kalenders eingesetzt. «Als ich gesehen habe, dass in St. Moritz eine Kombination im Programm steht, habe ich mir zum Ziel gesetzt, dort zu starten. Nicht deshalb, weil ich mich an der WM in jenem Rennen verletzt habe, sondern, weil ich Rennen fahren will.» Sie sei froh, dass sie seit September wieder Trainings auf Schnee absolvieren könne. Aber Wettkämpfe seien eben etwas anderes. «Wenn ich könnte, würde ich jeden Tag ein Rennen fahren.»

Genuss und kein Stress

Die Begegnung mit der Einfahrpiste hatte Gut schon am Donnerstag hinter sich gebracht. «Es war die gleiche wie im Februar. Auch für mich war vieles ähnlich wie an der WM. Auch diesmal hatte ich viele Kameraleute um mich herum.» Bei sich selber hat sie jedoch Veränderungen festgestellt. «Ich habe keinen Stress gehabt und habe es genossen. Ich habe realisiert, dass ich gerade das mache, was ich am meisten mag. Im vergangenen Februar hatte ich mir die Zeit nicht mehr genommen, darüber nachzudenken.» Für sie sei mit der Verletzung der Zeitpunkt gekommen, um gewisse Dinge zu ändern. Für sich selber Zeit nehmen etwa. Oder sich abseits der Rennpisten zurückzuziehen.

Gut glaubt an die Wirkung der Veränderungen. «Sie machen mich als Mensch und Athletin stärker.» Körper und Geist der Skirennfahrerin scheinen bereit. In St. Moritz sollen wieder Zahlen und Platzierungen in den Vordergrund rücken.

(fal/sda)

Erstellt: 07.12.2017, 21:51 Uhr

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