Fliegen ohne Flügel

Die besten Freerunner der Welt versammeln sich einmal im Jahr zum Gipfeltreffen auf Santorini – mit zwei Schweizern am Start.

Akrobatik in der Abendsonne: Perfekte Körperbeherrschung über den weissen Dächern von Santorini. (Video: Sebastian Rieder)

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Sie bewegen sich wie fliessendes Wasser, wie aus einem Guss und immer im Schuss. 90 Sekunden haben sie Zeit, in ­einer unter normalen Gebäuden abgesteckten Arena ihren Run zu präsentieren. Ein Salto an der Wand, eine doppelte Schraube vom Dach oder ein blinder Sprung über eine Mauer – die unzähligen Figuren der Freerunner sind so vielfältig wie ihre englischen Bezeichnungen. Ein sogenannter Palm Flip, ein Back Full oder auch ein Double Cork finden beim Speaker und DJ besonders viel Anklang und lassen die Preisrichter hohe Punktzahlen auf ihre Papierbögen kritzeln. ­

Bewertet werden Stil, Kreativität, die technische Herausforderung und deren Umsetzung. In Form und Vollendung sind den Ausführungen der Akrobaten keine Grenzen gesetzt, und sie erinnern in ihrer Ästhetik stark an die Athleten aus der Snowboardszene – aber eben zu Fuss.

Schneeweiss glänzt die Szenerie auf Santorini, wo alles in den Fels gebaut ist. Nur die knallblaue Kuppel ­einer Kirche und das Strohdach einer verwaisten Windmühle brechen das Profil oberhalb des pittoresken Parcours, den eine ­Hotelanlage bietet. Es ist eine atemberaubende Kulisse, in der sich Künstler wie Zuschauer versammelt haben, hoch über den Klippen der Küste, am äussersten Zipfel der Insel.

Red Bull Art of ­Motion heisst der Anlass, der die besten Freerunner der Welt einmal im Jahr zum Gipfeltreffen auf das griechische Eiland lockt und eine grosse Zahl von Schaulustigen anzieht. Die verschachtelten Terrassen und Treppen dienen den Touristen als Tribüne, während die Akrobaten auf ihrem ein­gegrenzten Tummelplatz mit traumwandlerischer Sicherheit in die Tiefe tanzen.

90 Läufer, 21 Länder

«Die kleinen Häuser und die vielen ­Dächer sind für uns ein Paradies», sagt Kevin Fluri. Beim 25-jährigen Schweizer schwingt bei der Schwärmerei auch Wehmut mit. Der Vorreiter der Schweizer Freerunner ist an diesem Samstag nur als Zaungast dabei, die Qualifikation für den Final der besten achtzehn verpasste er zwei Tage zuvor um einen Rang. Die herbe Enttäuschung quittiert er mit einem kurzen Schulterzucken. «Die Konkurrenz wird halt immer grösser und härter», sagt Fluri.

Zusammen mit seinem Schulfreund Chris Harmat ist er als Teenager einst durch eine DVD auf diese Art von Action aufmerksam geworden. Die beiden fanden bald Gefallen an dieser Art Wettkampf, die von Trainingsmethoden des französischen Militärs vor 100 Jahren abstammt. Und so ging es auch vielen anderen – in Griechenland müssen sich die Schweizer einem ­Rekordfeld von über 90 Läufern (darunter 2 Frauen) aus 21 Ländern stellen.

«Es ist unglaublich, wie unsere Community wächst», sagt Harmat. Kein ­Wunder, denn jede Architektur, jeder Ort kann Trainings­gelände sein. Mit 23 Jahren gehört er bereits zur älteren Generation. Zum Verhängnis wird den beiden Baslern an dieser inoffiziellen Weltmeisterschaft aber nicht das Alter, sondern die fehlende Verknüpfung ihrer ­Figuren beim Laufen zwischen den Fassaden.

Der Held des Tages in der hellenischen Hüpfburg aus Stein und Beton ist wieder einmal der Grieche Dimitris Kyrsanidis. Der 20-jährige Titelverteidiger aus Thessaloniki versetzt die Zuschauer mit seinen eigenwilligen Einlagen in Ekstase und nutzt den Heimvorteil aus. Schon bevor er zum ersten grossen Sprung ansetzt, skandieren die Fans ­seinen Namen. Im Rhythmus der vibrierenden Bässe aus den übergrossen Lautsprechern liefert Kyrsanidis den kreativsten Ausdruck von allen.

5000 Euro für den Weltmeister

Mit ärmellosem Shirt und flatternden Hosen überzeugt er die fünfköpfige Jury unter anderem mit einem Wall Spin um die ­eigene Achse, einem Tunnelflip und dem doppelten Backflip. «Mein Plan ist perfekt aufgegangen», sagt Kyrsanidis mit dem Champagner in der Hand und strahlt über die gewonnenen 5000 Euro. Eine willkommene Prämie, denn selbst als Doppelweltmeister kann man sich in dieser Sportart grosse Sprünge wohl im Parcours, nicht aber finanziell leisten.

Die Reise nach Santorini kam auf ­Einladung von Red Bull zustande. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 04.10.2015, 13:43 Uhr

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