Die Angst vor schmerzhaften Schlagzeilen

Die Skispringerinnen kämpfen an den WM in Oslo nicht nur um Medaillen, sondern mindestens so sehr um die Aufnahme ins olympische Programm.

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Die WM-Premiere der Skispringerinnen vor zwei Jahren in Liberec begann denkbar schlecht. Die 12-jährige Tschechin Natalie Dejmkova stürzte nach 33 Metern bei der Landung und rutschte auf dem Hosenboden den Auslauf hinunter (Video links). Sie blieb zum Glück unverletzt. Das Bild blieb aber in den Köpfen hängen. Es war nicht die Art von Werbung, die sich die Skispringerinnen gewünscht hatten, denn sie kämpfen verzweifelt um Anerkennung. Um finanziell einigermassen über die Runden kommen zu können, ist die Aufnahme ins olympische Programm für sie eine conditio sine qua non – ein Muss.

Der Kampf der Skispringerinnen ist eben nicht nur einer um Weiten und Haltungsnoten, sondern auch einer gegen Vorurteile. FIS-Präsident Gian-Franco Kasper hatte einst die Befürchtung geäussert, dass bei der Landung die Gebärmutter bersten könnte. Helmut Weinbuch vom Deutschen Skiverband fand überdies, die weibliche Wirbelsäule sei der Belastung bei der Landung nicht gewachsen. Die hobbymedizinischen Diagnosen waren von der Wahrheit letztlich (wenig überraschend) so weit entfernt wie Eddy the Eagle oder Dejmkova von den Spitzenweiten.

Angst vor dem Fiasko

Und nun dominierte in den Trainings zum Springen von heute Nachmittag die 14-jährige Japanerin Sara Takanashi. Bei den Männern dürfte sie noch gar nicht an den Start gehen; es besteht eine Alterslimite von 15 Jahren. Diese erfüllte die Französin Coline Mattel erst seit dem 3. November, dennoch wird sie von der nur 150 cm grossen Japanerin bereits als Vorbild bezeichnet. «Junge Sportarten haben junge Sportler», stellt die zehnfache Saisonsiegerin Daniela Iraschko fest.

Die 27-jährige Österreicherin gehört zu den Vorkämpferinnen für ihre Sportart. In der Skischule Eisenerz bettelte die junge Iraschko so lange beim Schuldirektor, bis auch sie endlich auf die Sprungschanze durfte. «Diese WM ist wichtig für die Olympischen Spiele 2014», erklärt die grosse Favoritin, die sich rechtzeitig von einer Knieverletzung erholt hat. Deshalb fürchtet sie ein ähnliches Fiasko wie vor zwei Jahren. «Die Herren hatten oft Gelegenheit, uns zu beobachten. Sich jetzt aus nur einem Bewerb ein Bild zu machen, könnte dieses doch stark verfärben», fürchtet Iraschko.

Mit einem Schlag berühmt…

Das Skispringen der Frauen hat sich auch dank der Norwegerin Anette Sagen und der Amerikanerin Lindsey Van, die in dieser Reihenfolge 2003 das erste offizielle FIS-Springen gewannen, etabliert. Die Norwegerin und die Amerikanerin, die vor zwei Jahren die WM-Premiere gewann, gerieten schon vor rund vier Jahren im Wortsinn in die Schlagzeilen – wegen einer sehr eigentümlichen Wette: Wer von ihnen sich nicht in den Top 5 klassiert, dem droht eine physische Bestrafung.

Im genannten Fall war es ein Faustschlag, den Sagen unter Lachen von ihrer Konkurrentin einstecken musste (Video links). Weil das Video (kurzzeitig) auf Youtube landete, erlangten die beiden über ihre Sportart hinaus eine gewisse Berühmtheit. Iraschko soll sich bei einer ähnlichen «Bestrafung» einmal die Nase gebrochen haben. Sollte aber das Skispringen der Frauen bei IOC-Präsident Jacques Rogge keine Aufnahme ins Programm von Sotschi finden, wäre dieser Schlag gleichwohl deutlich schmerzhafter.

DerBund.ch/Newsnet

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