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«Wollte nicht so enden wie Pantani»

Im Profi-Zirkus ist Floyd Landis geächtet. Nur rund 30 Personen waren deshalb an einem Anti-Doping-Symposium zugegen, als der Ex-Radprofi über sein Leben als Lügner sprach.

Umstrittener Auftritt: Floyd Landis trat in Melbourne am Rand der WM an einem Anti-Doping-Symposium auf.
Umstrittener Auftritt: Floyd Landis trat in Melbourne am Rand der WM an einem Anti-Doping-Symposium auf.
Keystone

Der Weltverband UCI hatte sich vom Anti-Doping-Symposium in Melbourne zurückgezogen und sämtliche Unterstützung abgesagt, als Floyd Landis als Ehrengast angekündigt worden war. Landis gab am zweitägigen Symposium zu, mit seinem Dopinggeständnis am 20. Mai, dem die massiven Vorwürfe an seinen früheren Teamkollegen Lance Armstrong folgten, zu lange gewartet und sich deshalb für viele unglaubwürdig gemacht zu haben.

Sicherlich war es aber dem umstrittenen Auftritt Landis’ zu verdanken, dass immerhin drei Kamerateams auftauchten, sonst aber nur rund 30 Personen anwesend waren. Bereits vor der Diskussionsrunde hatte er erklärt, dass er sich zum aktuellen Fall, in dem die Lebens- und Arzneimittelbehörde gegen Armstrong ermittelt, aus rechtlichen Gründen nicht äussern könne.

Der Kampf um die Glaubwürdigkeit

Bevor Landis zu Wort kam, verlas Organisator Martin Hardie eine Erklärung eines seinen Worten nach «sehr, sehr bekannten» Strassenfahrers und aktuellen WM-Teilnehmers. Darin forderte dieser seine Profikollegen anonym auf, den Sport in die eigenen Hände zu nehmen, so wie das zum Beispiel die ATP im Tennis macht. Landis ist zwar ein lautstarker Kritiker der UCI – deren Präsident Pat McQuaid ein bekennender Armstrong-Fan ist –, soweit wollte er aber doch nicht gehen. Vor allem in Sachen Doping sei das ja so, «als ob die Polizei die Kriminellen im Gefängnis fragte, ob sie ihren Job richtig macht».

Landis beteiligte sich aktiv, dezidiert und überraschend unverkrampft an der Diskussion, die sich über zwei Stunden zog. Er könne die Kritik an ihm nachvollziehen. Er habe mit seinem Geständnis viel zu lange gewartet und verstehe die Leute, die nun Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit haben. Letztlich spielte es aber keine Rolle, wie lange er gelogen habe. Dass er sich zu Beginn verteidigt habe, diene den Gegnern nun in jedem Fall als Argument. «Sie werden immer behaupten, dass mir nicht geglaubt werden darf.»

Er würde es vorziehen, die Wahrheit zu sagen, ohne andere hineinzuziehen, aber das sei unmöglich. Landis sagte, Doping sei im Radsport so weit verbreitet gewesen, dass die eigene Entscheidung, zu unerlaubten Mitteln zu greifen, zu diesem Zeitpunkt gerechtfertigt schien. Natürlich sei es hart gewesen, der ganzen Welt erklären zu müssen, dass er gelogen habe, aber «ich wollte nicht so enden wie Pantani». Der mehrfach unter Dopingverdacht stehende italienische Giro- und Toursieger von 1998 war 2004 in einem Hotel in Rimini nach einer Überdosis Kokain tot aufgefunden worden.

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