«Und der Kleidergeschmack von Rainer Maria Salzgeber?»

Wo SRF beim Sport spart und was ihm an Steffi Buchli gefällt: Roland Mägerle, «der mächtigste Mann vom Leutschenbach», im grossen Interview.

Das Eidgenössische Schwingfest ist ein wichtiger Bestandteil des Programms von SRF – nach Fussball und Ski war der Schlussgang 2016 die am drittmeist-geschaute Sportart. Foto: Peter Schneider (Keystone)

Das Eidgenössische Schwingfest ist ein wichtiger Bestandteil des Programms von SRF – nach Fussball und Ski war der Schlussgang 2016 die am drittmeist-geschaute Sportart. Foto: Peter Schneider (Keystone)

Gratulation, Sie sind der mächtigste Mann vom Leutschenbach.
(lacht) Wie kommen Sie darauf?

Sie sind der einzige Abteilungsleiter beim SRF mit eigenem TV-Kanal.
Auch das wäre mir nicht bekannt. Sicher hat der Sport eine grosse Bedeutung für SRF zwei. Von einem Sportkanal aber können Sie nicht sprechen.

An den Wochenenden vor Weihnachten belegte der Sport fast 8 Stunden Sendezeit pro Tag. Vor einem Jahr waren es rund 7 Stunden. Bei uns kommt dabei manchmal das Gefühl von Beliebigkeit auf. Gesendet wird, was gerade irgendwo läuft.
Beliebig ist es sicher nicht. Aber klar: Auch wir müssen uns finden. Wir bieten das grösste und breiteste Free-TV-Angebot in ganz Europa. Das möchten wir auch dann zeigen, wenn wir am meisten Publikum haben – also am Wochenende. Unser Ansatz ist, den Sport wie an Olympia­tagen zu präsentieren. Ski alpin möchten wir immer live haben, daneben sind wir vom Zeitplan anderer Wettbewerbe abhängig. Aber ja, wir wollen die vorhandenen Rechte gerade im Wintersport besser nutzen.

Das heisst, dass Sie aus existierenden Verträgen mehr Programm generieren und mit dem Verzicht auf andere Inhalte gleichzeitig sparen?
Ja und nein. Die Lizenzrechte sind das eine, die produktionelle Umsetzung aber ist aufwendig. Was jedoch richtig ist: Eine Magazinsendung wie die Sportlounge ist teurer als eine normale Livebegleitung aus dem Studio.

Deshalb haben Sie die Sportlounge auch abgesetzt.
Nein, nicht deshalb. Aber Aufwand und Ertrag mit dem relativ schwierigen ­Sendeplatz am späteren Montagabend stimmten nicht. Wir haben uns deshalb entschlossen, mit dem gleichen Aufwand wie in der Sportlounge Hintergründe zu produzieren, die Beiträge aber an anderen Tagen zu anderen ­Zeiten an ein viel grösseres Publikum zu bringen – etwa im Sportpanorama.

Das klingt nach Ausrede: Den ­Beweis, dass die journalistisch hochwertigeren Beiträge im Programm bleiben, müssen Sie noch leisten.
Der Einwand ist berechtigt, weil es eine Herausforderung ist, trotz gleichbleibender oder gar sinkender Mittel noch etwas umfassender und hintergründiger zu berichten. Genau das aber versuchen wir.

Ist der Livesport in Zeiten von Youtube und zeitversetztem Fernsehen die letzte Waffe der TV-Sender, weil er die Zuschauer zu einer bestimmten Zeit vors Gerät lockt?
Der Livesport hat eine längere Halbwertszeit als andere Formate, deshalb haben wir ihn zuletzt noch einmal etwas ausgebaut. Den Livemoment mit den dazugehörenden Emotionen will der Zuschauer auch wirklich live geniessen.

Was ist Service public im Sport?
Wir können ihn anhand unserer Strategie mit den drei Säulen festmachen: Wir berichten vielfältig über die besten Schweizer Athleten, über Sportanlässe mit nationaler Ausstrahlung, aber auch über die internationalen Highlights.

Was sagen Sie einem Zuschauer, der fragt: Biathlon, brauchts das?
(überlegt lange) Die Frage ist generell, brauchts den Sport als Teil des Angebots? Ich meine: ja. Mit unserem Angebot bilden wir die Schweizer Sportrealität ab. Und wir müssen uns nichts vormachen: Wenn es nicht mehr zum Service public gehörte, würden die meisten Sportinhalte von der Bildfläche verschwinden. Sport im TV kann in der Schweiz nicht refinanziert werden und rechnet sich oft auch nicht fürs Pay-TV.

Die SRG ist auch so etwas wie ein Entwicklungshelfer für Sport­veranstaltungen. Übertragen ihre Sender, kommen die Sponsoren.
Eine Stärke von uns ist sicher die Verbreitung des Programms im ganzen Land.

Sie sind also nicht nur der ­mächtigste Mann im Leutschenbach, sondern auch im Schweizer Sport. Sie entscheiden mit, ob und wo Sponsorengelder fliessen.
Ich würde das so nicht sagen. Wir folgen unserer Strategie und machen nicht das eine und schliessen das andere aus.

ARD und ZDF verzichten wegen der Kosten auf die Spiele 2018 und 2020, jetzt überträgt Eurosport. Könnte das bei der SRG auch passieren?
Für 2018 und 2020 haben wir die Rechte erworben. Doch für alles, was danach kommt, gibt es keine absolute Sicherheit. Wir müssen mit unseren Stärken überzeugen: Nur wir bieten ein mass­geschneidertes Programm für die Schweiz. Wir haben gegenüber Deutschland einen Vorteil: Unser Land ist klein und hat vier Sprachregionen, für Eurosport lohnt sich eine länderspezifische Produktion kaum.

Ab welcher Quote verschwinden Programme vom Sendeplatz?
Ab keiner. Die Quote allein ist für uns nicht ausschlaggebend.

Tatsächlich?
Sie können nachschauen, zum Teil haben wir bei Liveübertragungen auch nur 20'000 bis 30'000 Zuschauer, doch selbst dann kippen wir die Inhalte nicht aus dem Programm.

Die 90'000 Zuschauer der Sportlounge haben nicht mehr gereicht.
Das war eine andere Ausgangslage, weil wir den Sendeplatz selbst bestimmt ­haben. Wenn wir derart hochwertige Hintergrundgeschichten lancieren, sollen das mehr Leute sehen.

Sie haben zu Beginn des Jahres gesagt, dass der SRF Sport mutiger, frecher und überraschender werden soll. Wurde er das?
Wir haben verschiedene Ansätze ­gezeigt. Klar ist aber auch: Wenn wir so viel Programm wie in diesem Jahr stemmen müssen, ist vor allem wichtig, dass Zuverlässigkeit und Qualität stimmen. 2017 werden wir in der Formatentwicklung weitere Schritte machen.

Ihre Sendungen haben oft Feel-good-Charakter. Die Moderatoren tun dem Gegenüber selten weh.
Ich nehme Ihre Kritik zur Kenntnis, denke aber auch, dass es Ansichtssache ist. Ich finde, wir berichten durchaus sehr kritisch. Fakt ist, dass wir alle Sendungen anschauen und diskutieren, wir arbeiten stets daran, besser zu werden.

Wer sind bei SRF die grössten Stars hinter und vor der Kamera?
Wenn ich auf 2016 zurückschaue, ist es das Team.

Das ist nun aber langweilig.
Es ist wirklich so. Es gibt Funktionen, die mehr im Fokus stehen. Moderatoren und Kommentatoren sind für uns als ­Gesichter und Stimmen nach aussen sehr wichtig.

Sie wollen keine Namen nennen. Was gefällt Ihnen an Steffi Buchli?
Dass sie so frisch auftritt. Die Art, wie sie mit Athleten spricht. Ihre fachliche Kompetenz.

Was ist mit dem Kleidergeschmack von Rainer Maria Salzgeber?
Ich finde wichtig, dass jeder eine Individualität hat. Wir haben auch im Sport eine Stylingberaterin und beobachten Trends. Und doch wollen wir niemanden in eine Uniform stecken. Mir gefällt sein Stil.

Wo kann sich Sascha Ruefer ­verbessern?
Detailkritik mache ich hier nicht. Der Mägerle als Privatperson interessiert nicht.

Ruefer ist gut, ihr bester Kommentator aber ist Stefan Bürer.
Ich finde es immer gut, wenn unsere Inhalte interessieren und Medien ihr Urteil abgeben. Unsere Leute hinter dem Mikrofon wissen, dass sie im Fokus stehen.

Ihre Stars stellen sich teilweise auch selbst in den Fokus. Tun sie das bewusst, weil es Identität schafft?
Selbstverständlich besprechen wir, wie wir den Sport verkaufen wollen. Wir möchten, dass unsere Leute bekannt sind. Jeder soll seine Eigenheiten haben.

Und polarisieren?
Ich finde das nicht schlecht. Polarisieren unsere Kommentatoren, sind wir im ­Gespräch. Das Schlimmste wäre, wenn wir kein Thema mehr wären.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt