Eine Strassenparade für Roman Wick

Der Klotener gewann mit Binghamton als erster Schweizer Eishockeyaner den AHL-Titel.

Von Silvan Schweizer Fast 100 Partien hatte Roman Wick seit Oktober absolviert, unzählige Provinzen der USA bereist, im abgelegenen Binghamton ein stilles Leben geführt. Am Dienstag wurde er für seine Ausdauer belohnt: Mit den Senators gewann er das sechste Spiel des Finals in der American Hockey League bei den Houston Aeros 3:2 und damit den Calder-Cup. Der 25-Jährige ist der erste Schweizer, der den AHL-Titel holt, und erst der fünfte, der im Ausland zu Meisterehren kommt. Vor ihm waren David Aebischer (2001 mit Colorado), Marcel Jenni (2002 mit Färjestad), Martin Gerber (2002 mit Färjestad, 2006 mit Carolina) und Martin Plüss (2005 mit Frölunda) in der NHL oder Schweden erfolgreich gewesen.Geschlafen hat Wick seit dem Titelgewinn noch nicht, und er hat es auch nicht so bald vor. «Ich habe so viel Zeit mit Ausruhen verbracht. Jetzt halte ich schon ein paar Tage ohne Schlaf durch», sagt er. Die Feierlichkeiten begannen noch in Houston, wo das Team durch die Bars zog. Früh morgens flog es gestern nach Binghamton, wo eilig eine Strassenparade organisiert worden war. Später besuchten die Spieler ihren Assistenztrainer Steve Stirling im Spital. Dieser hatte am Sonntag eine schwere Herzattacke erlitten.Auch Wick selbst war während des Finals nicht immer gesund gewesen. In Spiel 3 hatte er eine leichte Gehirnerschütterung davongetragen und musste zweimal pausieren. «Ich habe mich aber bald besser gefühlt», sagt er. Das wegweisende Tor Bei seinem Comeback brachte er Binghamton mit dem 1:0 auf Meisterkurs. Sonst konnte der Flügel im Playoff jedoch weniger Akzente setzen als noch in der Qualifikation: Wick kam auf 9 Punkte in 21 Partien, zuvor hatte er immerhin einen Punkteschnitt von 0,6 erreicht. «Das Niveau war viel höher, die Spiele noch härter», sagt er. Wick beendet eine kräfteraubende Saison mit einem unterwarteten Erfolgserlebnis. Er hatte lange gebraucht, um sich in der AHL zurechtzufinden. Einem kreativen Flügel wie ihm kommt das ruppige Spiel nicht entgegen. Doch er steigerte sich, erlebte eine starke Phase im Februar und wurde mit einem NHL-Aufgebot belohnt. Insgesamt durfte er siebenmal für Ottawa auflaufen, erhielt dabei allerdings nur wenig Eiszeit. Offene Zukunft Der erfolglose NHL-Klub steht in einem Umbruch. Er hat mehrere Teamstützen wegtransferiert, der Trainerposten für die nächste Saison ist noch unbesetzt. Binghamtons Coach Kleinendorst hat sich in eine gute Position gebracht, das könnte auch Wicks NHL-Chancen erhöhen. Er ist «restricted free agent»: Andere Vereine können ihm Angebote machen, Ottawa besitzt aber bei gleichen Konditionen ein Vorzugsrecht. Eine andere Möglichkeit wäre die Rückkehr in die Schweiz. Wick weiss noch nicht, wie seine Zukunft aussieht: «Ich bin froh, dass nun endlich der Sommer beginnt.»

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