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«Alles andere als der Titel wäre für mich ein Desaster»

Im Final der Darts-WM trifft der zweifache Titelverteidiger auf einen Mann, der von Understatement wenig hält. Eine grosse Show ist garantiert.

Volle Konzentration: Michael van Gerwen nimmt jetzt den WM-Titel ins Visier.
Volle Konzentration: Michael van Gerwen nimmt jetzt den WM-Titel ins Visier.
Keystone

Neulich hat Michael van Gerwen einen jungen Fan sehr glücklich gemacht, und die Geschichte von damals muss man jetzt noch einmal erzählen. Van Gerwen hatte gerade sein Halbfinale beim Darts World Grand Prix in Dublin gewonnen, Anfang Oktober war das. Er lief also vorbei am Publikum, da entdeckte er diesen jungen Fan, zwei Jahre alt. Van Gerwen klatschte mit ihm ab, er kniff ihm in die Wangen, warf ihn in die Luft, fing ihn, hielt ihn im Arm, der Junge lächelte. Es war das Treffen zweier Menschen, die sich immer mal wieder begegnen beim Darts. Der eine kommt als Erster der Weltrangliste – der andere als Sohn des Weltmeisters.

Der Zweijährige, der Michael van Gerwen bewundert, ist der Sohn von Gary Anderson. Und der fordert an diesem Montagabend (21 Uhr, Redaktion Tamedia berichtet live) den Kerl, der seinen Sohn in die Luft warf, zum Finale um den Weltmeistertitel.

Es gibt im Sport Duelle, die ihren Reiz vor allem aus der Rivalität der Protagonisten beziehen. Das Finale zwischen Michael van Gerwen, 27, und Gary Anderson, 46, ist eines, bei dem sich beide Sportler schätzen. «Michael ist fantastisch in diesem Jahr», sagte Anderson. «Er ist ein sehr guter Dartsspieler», sagte Van Gerwen. Vor allem aber ist es das Duell der erfolgreichsten Spieler der jüngeren Darts-Geschichte. Oder, wie der Guardian schrieb: «Es gibt Traumfinals, es gibt mögliche Epen, und es gibt Gary Anderson gegen Michael van Gerwen im Finale der PDC-Weltmeisterschaft.»

Wie gut der Niederländer Van Gerwen derzeit in Form ist, zeigte er in seinem Halbfinale am Sonntag. Er gewann 6:2 gegen Raymond van Barneveld und spielte derart stark, dass er einen 15 Jahre alten Rekord brach: Im Schnitt erzielte er mit drei Pfeilen 114,05 Punkte – maximal möglich sind 180. Beinahe gelang ihm sogar ein 9-Darter: mit neun Würfen die 501 Punkten treffen, schneller geht's nicht. Erst beim letzten Versuch verpasste er die Doppel-12. Wobei Van Gerwen nicht sagt, dass seine Form gut ist. Er drückte es so aus: «Das war besser als gut, was ich gemacht habe. Ich denke, das war eine phänomenale Performance von mir.»

Van Gerwen gewann in diesem Jahr 25 Titel

Wenn man so will, waren es sehr typische Van-Gerwen-Sätze. Er gehört nicht zu den Menschen, die viel auf Understatement geben. Eine kleine Auswahl an Zitaten aus den vergangenen Tagen: «Ich erwarte von mir den Titel, alles andere wäre für mich ein Desaster» (vor der WM). - «Ich habe heute gezeigt, wer der Herr auf der Bühne war» (nach dem Spiel gegen Van Barneveld). - «Phil Taylor ist der Grösste, aber ich bin der Beste» (über den Rekordweltmeister).

Tatsächlich gewann Van Gerwen in diesem Jahr 25 Titel, doch sein bislang letzter Erfolg bei der WM liegt schon drei Jahre zurück. Van Gerwen ist so gesehen der, der endlich nochmal gewinnen will. 2014 siegte er mit 7:4 gegen den Schotten Peter Wright. 2015 unterlag er im Halbfinale, 2016 im Achtelfinale. Sein Gegner damals: Gary Anderson.

Die Karriere des Schotten sagt einiges aus über die Sportart, die er betreibt. Eine Sportart, die man erst mit Mitte 20 beginnen und in der man trotzdem zu einem Weltmeister reifen kann. So war es bei Anderson. Profi wurde er erst mit 30, zuvor war er Kaminbauer. 2011 hatte er noch das Finale gegen Adrian Lewis verloren, 2015 siegte er 7:6 gegen Phil Taylor, im Jahr darauf holte er den Titel gegen Lewis.

Er hat keine 114,05 Punkte im Schnitt erzielt wie Van Gerwen, er liegt im direkten Vergleich mit 13:22 zurück. Aber er kann von sich behaupten, 17 WM-Spiele hintereinander gewonnen zu haben. Und im Halbfinale spielte auch er stark. «Die 180er sind wieder zu mir zurückgekommen. Ich bin einfach froh, dass ich wieder im Finale bin», sagte Anderson. Und womöglich feuert sein Sohn dann ihn an – und nicht Van Gerwen.

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