Wassernot erschwert Spitzenzeiten

Die Leistungsgruppe des Schwimmklubs Bern leidet unter der akuten Hallenbadmisere in der Hauptstadt. Trotzdem haben mehrere Athleten gute Aussichten.

Ivo Staub, Thomas Maurer, Kjetil Längauer und Thierry Bollin (v.l.n.r.) bilden seit diesem Sommer die 4 Mal 100-Meter-Lagenstaffel des SKBE.

Ivo Staub, Thomas Maurer, Kjetil Längauer und Thierry Bollin (v.l.n.r.) bilden seit diesem Sommer die 4 Mal 100-Meter-Lagenstaffel des SKBE.

(Bild: Thomas Hodel)

Ruedi Kunz

Matthias Kage ist Frühaufsteher. Gezwungenermassen. Viermal in der Woche muss der 40-jährige Cheftrainer des Schwimmklubs Bern (SKBE) zwischen sechs und sieben Uhr im Wylerbad oder im «Weyerli» sein, um die Leistungssportgruppe zu betreuen. Der Deutsche würde die jungen Sportlerinnen und Sportler gerne etwas später ihre Längen schwimmen lassen. Doch dann fehlt es an freiem Wasser. Nur 14 gedeckte Bahnen, verteilt auf drei alte Schwimmbäder, gibt es in Bern, was bei den vielfältigen Bedürfnissen von Schulen, Vereinen, Freizeit- und Leistungssportlern sowie Gesundheitsprävention nirgends hinreicht.

«Wir strecken uns ständig nach der Decke», sagt Kage. Übersetzt heisst das: Häufig müssen sich sechs Schwimmer eine der 25 Meter langen Bahnen teilen. «Optimal wären zwei Schwimmer pro Bahn», weiss Kage aus eigener Erfahrung. In Fulda, wo der Deutsche sieben Jahre lang tätig war vor seinem Berner Engagement, konnte er häufig unter solchen Bedingungen üben lassen. «Das häufige Simulieren von Wettkämpfen erhöht die Chancen, internationales Topniveau zu erreichen.»

Ab in die Sierra Nevada

In Bern hat sich Kage damit abfinden müssen, dass wegen der eingeschränkten Trainingsmöglichkeiten nur kleinere Brote gebacken werden können. Was ihn nicht davon abgehalten hat, den Neuaufbau der Leistungsgruppe voranzutreiben. Um wettkampfnah zu trainieren, reist der SKBE im Herbst jeweils für zwei bis drei Wochen nach Spanien. Die Älteren (ab 17) holen sich die Kondition für die Hallensaison in der Höhenluft der Sierra Nevada, die Jüngeren in der Nähe von Barcelona. Weitere Trainingslager gibt es jeweils Ende Februar (Teneriffa) und in den Frühlingsferien (Torremolinos).

Die Camps brächten nicht nur Abwechslung in den Trainingsalltag, «sondern wir Athleten profitieren auch in technischer Hinsicht, weil die Infrastruktur hervorragend ist», sagt Kjetil Längauer. Der 17-jährige Gymnasiast aus Ittigen gehört zu den 13 jungen Athletinnen und Athleten, die unter Kages Aufsicht jede Woche zwischen 16 und 18 Stunden im Wasser verbringen.

Der riesige Aufwand zahlt sich in Form von persönlichen Bestzeiten und Ehrenmeldungen an internationalen Wettkämpfen aus. So am letzten Wochenende, als der SKBE am Dompfaffpokal im hessischen Fulda teilnahm. Ivo Staub, der momentan stärkste SBKE-Schwimmer, unterbot über 100 Meter Lagen die EM-Limite um über zwei Zehntelsekunden. Im gleichen Rennen stellten Thomas Maurer und Kjetil Längauer persönliche Bestleistungen auf. Und Thierry Bollin, das vierte Mitglied der Lagen-Staffel, verschob die Leistungsgrenze ein weiteres Mal nach oben: Der 15-jährige Rückenspezialist erzielte nicht weniger als vier Schweizer Jahrgangsbestzeiten.

Zuversicht vor Kurzbahn-SM

Nach dem geglückten Kräftemessen mit rund 50 deutschen Schwimmclubs blicken die Berner der Kurzbahn-SM in zwei Wochen mit grosser Zuversicht entgegen. Staub will seinen Titel über 100 Meter Lagen verteidigen, Maurer traut sich über 100 Meter Delfin einen Top-5-Platz zu, Aufsteiger Bollin und Längauer haben sich die Qualifikation für den A-Final zum Ziel gesetzt. Gespannt ist Kage, wie sich das Quartett in der Lagen-Staffel schlägt. «Die Konstellation ist günstig, da jeder auf seiner Spezialstrecke schwimmen kann.» Das erklärte Ziel der vier jungen Berner ist eine Medaille.

Brustspezialist Längauer wagt zu sagen, was die anderen nur denken: «Wenn uns die Wechsel optimal gelingen und jeder eine Topleistung bringt, können wir mit den Favoriten Genf und Uster mithalten.»

Der Bund

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