Warum der SCB häufiger Meister wird

Im Eishockey habe man während einer Saison viel länger die Chance, den Titel zu holen, als im Fussball. Zu diesem Schluss kamen Rolf Bachmann und Fredy Bickel.

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Die sportliche und wirtschaftliche Rollenverteilung der beiden populärsten Berner Sportclubs hat sich seit Jahren zementiert: hier die Eishockeyaner, die in den letzten zwölf Jahren vier Meistertitel holten; dort die Fussballer, die nun schon 30 Jahre auf den nächsten Pokal warten. Hier der SCB, der seit 17 Jahren in Folge Gewinn macht, dort YB, das von den Investoren abhängig ist, um das Budget ausgeglichen zu gestalten.

Was macht der SCB also besser als YB? Ursachenforschung betrieben beim «Bund im Gespräch» im Bellevue Palace Bern die beiden Redaktoren Mathias Morgenthaler und Dieter Stamm. Aus einer Position der Stärke konnte Rolf Bachmann, der Leiter Sport beim SCB, agieren.

«Im Fussball ist der FCB im März Meister und erhält im Mai den Kübel.»Rolf Bachmann, Leiter Sport beim SCB

Er erzählte mit Stolz, dass sich inzwischen sogar Clubs aus Europa für das Berner Erfolgsmodell interessierten oder dass es auch andere Clubs in der Schweiz, wie die SCL Tigers beispielsweise, ihren Möglichkeiten entsprechend adaptiert haben. Bachmann, der zu den Neufeld-Zeiten selber kurz bei YB gearbeitet hatte, zeigte aber auch den Vorteil auf, den die Eishockeyaner mit ihrem Modus haben.

Der SCB sei Ende Februar nach 50 Runden bloss Achter gewesen, einige Wochen später aber Meister. «Beim Fussball ist das nicht so», erklärte Bachmann, dort gebe es diese zweite Chance im Laufe einer Saison nicht. Im Fussball, verglich er, «ist der FC Basel im März Meister und erhält dann im Mai den Kübel». So seien in der finalen Phase einer Saison auch nie Emotionen wie im Eishockey möglich.

«Mehr Chamäleon als Chef»

Fredy Bickel taxierte eine Modusänderung ebenfalls als eine der Möglichkeiten, um in der Super League wieder für mehr Spannung zu sorgen. Der YB-Sportchef, der im Moment wieder täglich Fragen zur Chancenlosigkeit in der Liga beantworten muss, sieht sich zurzeit mehr als «Chamäleon» denn als «Chef», wird er doch einerseits mit Forderungen konfrontiert, das Team zu verstärken, während er den Investoren gegenüber finanziell in der Pflicht steht, das Budget nicht mehr zusätzlich zu strapazieren.

Bickel beschäftigen neben den Zukunftsperspektiven der Young Boys aber auch jene der Schweizer Clubs generell. Insbesondere wegen der höheren TV-Gelder in den anderen Ländern, die das Geschäft hierzulande immer schwieriger machen. Er selber erhielt eben bei einem Besuch in Spanien Einblick in die Möglichkeiten des Zweitligisten Mallorca, der sechs Millionen Euro aus dem TV-Vertrag kassiert, «während wir es in einer guten Saison auf eine Million bringen».

Trotzdem gibt es für YB noch andere Wege als Modusänderungen und höhere TV-Gelder, um es wieder nach oben zu schaffen wie der SCB: Eine Dame unter den 250 Besuchern wies bei der Fragerunde darauf hin, dass man beim SCB einen Kaffee trinken und dem Team beim Training zuschauen könne. Die Spieler auf diese Art zu beobachten, sei bei YB leider nicht möglich. Bickel, amüsiert vom Input, lud die Fragestellerin spontan zum Trainingsbesuch ein.

---- DerBund.ch/Newsnet ---- (Berner Zeitung)

Erstellt: 05.09.2016, 22:40 Uhr

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