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Von wegen Affentennis

In Argentinien spielen die Schweizer Faustballer um WM-Gold. Ein Blick auf eine aus der Zeit gefallene Sportart.

Beim Faustball fliegt das Spielgerät mit mehr als 130 km/h übers Netz. Bild: ZVG.
Beim Faustball fliegt das Spielgerät mit mehr als 130 km/h übers Netz. Bild: ZVG.

Im Calamuchita-Tal in der argentinischen Region Cordoba peilen die Schweizer Faustballer den grössten Triumph ihrer Geschichte an. Dort, wo ihr Sport wegen der zahlreichen deutschen Einwanderer zwischen den Weltkriegen heimisch wurde und die Hotels Namen wie Edelweiss tragen, gehen sie als einer der Mitfavoriten auf den WM-Titel ins Turnier. Auch Olaf Neuenfeld, der Coach von Weltmeister Deutschland, spricht mit grossem Respekt von den Schweizern.

Mit Mario Kohler und Cyrill Schreiber stehen zwei Akteure im Kader von Swiss Faustball, die letzten Monat mit Widnau den Weltcup, die höchste Auszeichnung für Vereinsmannschaften, gewinnen konnten. «Das strahlt auf die gesamte Mannschaft aus. Widnau hat mit der tollen Leistung gezeigt, dass Schweizer Faustballer fähig sind, einen grossen Gegner zu schlagen», sagt Nationaltrainer Oliver Lang. «Eine Medaille wäre ein Erfolg, der Titel die Krönung.»

Lang schätzt sie Schweizer Goldchancen auf 25 Prozent ein. «Deutschland ist wie gewohnt der grosse Favorit. Österreich und Brasilien sind wie gewohnt für eine Überraschung gut. Trotz allem sehe ich für uns die Chancen auf den Titel so gut wie nie zuvor. Im Vergleich zu früheren Weltmeisterschaften sind alle guten Spieler des Landes mit an Bord», führt er auf der Website des Schweizer Faustball-Verbandes aus.

Winterthur hat sich um die Ausrichtung der Faustball-WM 2019 beworben. Video: Youtube.

In Deutschland, wo Faustball Ende des 19. Jahrhunderts mit einem Regelwerk versehen wurde, gibt es rund 28'000 Spieler. In der Schweiz sind es immerhin 6500. In überregionale Medien schafft es die von Spöttern als Affentennis bezeichnete Sportart gleichwohl nur ganz selten. Immerhin: Nach dem Weltcup-Triumph von Widnau und vor der WM gab es in der Ostschweiz eine Reihe von Berichten.

Faustball haftet wegen seiner turnerischen Wurzeln das Image des Antiquierten, aus der Zeit Gefallenen an. Dabei ist es durchaus spektakulär, wenn sich die Teams den Ball mit über 130 km/h um die Ohren hauen. Auch bei Wind und Wetter auf aufgeweichtem Rasen.

Das Regelwerk ist leicht verständlich: Fünf Spieler pro Mannschaft versuchen den Ball mit Arm oder Faust für den Gegner unerreichbar ins andere Feld zu spielen, ähnlich wie beim Volleyball. Ein zwischen zwei Pfosten in zwei Meter Höhe gespanntes Band trennt die beiden 20 x 25 Meter grossen Platzhälften voneinander. Gespielt wird auf vier Gewinnsätze à elf Punkte.

An der WM in Argentinien, die am Sonntag in einer Woche mit dem Final endet, sind neben den Deutschen die Gastgeber, Brasilien, Chile und Österreich die härtesten Rivalen der Schweizer. Insgesamt haben 15 Nationen ein Team gemeldet. Südafrika, Australien, Pakistan und Indien sind erstmals dabei. An der EM 2014 und an den World Games 2013 hiess das Endspiel jeweils Deutschland – Schweiz, beide Male mit dem besseren Ende für den Goliath.

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